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Pflanzenschutz vor Vegetationsbeginn

April 2013 Die Gesunderhaltung unserer Gartenpflanzung beginnt schon vor dem Austrieb des neuen Blattes im zeitigen Frühjahr. Schon jetzt lassen sich viele Probleme vorbeugend verringern oder gar beseitigen. Wenn man weiß, wie's geht.




nach obenFruchtfäule

Bei der Betrachtung der Obstgehölze fallen die hängen gebliebenen Fruchtmumien auf. Bei Zwetschge, Apfel, Aprikose und Quitte überwintern die gefährlichsten Fruchtfäulen in den Fruchtmumien am Baum und auf dem Boden. Bei feuchtwarmem Wetter beginnt die Infektionsgefahr etwa zum Zeitpunkt der Blüte. Sporen dringen sowohl durch Blütenteile als auch später in beschädigte Früchte ein. Ein solch langer Zeitraum lässt sich kaum durch Gegenmaßnahmen abdecken. Daher müssen die Fruchtmumien unbedingt beseitigt werden. Am besten achtet man bereits im Herbst auf eine restlose Aberntung.

Bild 1: Die Folge dieses viel zu dichten Astgewirrs ist ein starker Befall von Fruchtfäule.
© von Soosten, Rolf
Bild 1: Die Folge dieses viel zu dichten Astgewirrs ist ein starker Befall von Fruchtfäule.
Zu dichte Zweige Bild 1 führen zu faulen Früchten. Daher beim Baumschnitt auf eine lockere und gut belichtete Krone achten. "Durch einen fertig geschnittenen Baum muss man einen Hut werfen können", brachte man uns in der Lehre bei.

nach obenBesenwuchs und Obstbaumkrebs

Bild 2: Diese seltsame Astbildung weist auf die Mykoplasmose (Besenwuchs) hin.
© von Soosten, Rolf
Bild 2: Diese seltsame Astbildung weist auf die Mykoplasmose (Besenwuchs) hin.
Anormaler Zweigwuchs Bild 2 ist ein Symptom des Besenwuchses. Hier handelt es sich um eine Mykoplasmose, die bei mehreren älteren Sorten auftritt. Eine Behandlung oder Bekämpfung ist nicht möglich, daher sollten befallene Bäume gerodet werden. Vermeiden Sie eine Nachpflanzung auf der gleichen Stelle.

Über den Obstbaumkrebs Bild 3 ist viel geschrieben worden. Dennoch scheint er allgegenwärtig zu sein. Wenn man sich die im Frühjahr auf den Befallsstellen erscheinenden kugelrunden, roten Fruchtkörper Bild 4 mit der Lupe ansieht, erkennt man eine weiße Spitze, aus der bei ausreichender Luftfeuchtigkeit große Mengen von Sporen austreten. Sie verbreiten sich über Regen und Wind. Das sorgfältige Entfernen aller Befallsstellen ist die einzige erfolgversprechende Methode zur Bekämpfung.

Bild 3: Obstbaumkrebs
© von Soosten, Rolf
Bild 3: Obstbaumkrebs
Bild 4: Mit Beginn der Vegetation entstehen diese Kügelchen mit einer weißen Spitze. Hieraus quellen unzählige Sporen über die sich der Obstbaumkrebs verbreitet.
© von Soosten, Rolf
Bild 4: Mit Beginn der Vegetation entstehen diese Kügelchen mit einer weißen Spitze. Hieraus quellen unzählige Sporen über die sich der Obstbaumkrebs verbreitet.

nach obenMehltau und Schwammpilze

Bild 5: Solch eine weiße Mehltauspitze sorgt für die erste neue Infektion des Jahres.
© von Soosten, Rolf
Bild 5: Solch eine weiße Mehltauspitze sorgt für die erste neue Infektion des Jahres.
Mehltau lässt sich zwar chemisch bekämpfen, aber wollen wir das? Jetzt, bevor der Austrieb beginnt, sollte man alle Mehltauspitzen Bild 5 aus dem Garten schaffen. Dadurch wird die Infektionsgefahr enorm verringert. Achten Sie beim Kauf neuer Pflanzen auf die resistenten Sorten des neueren Sortiments. Sie vereinfachen den Pflanzenschutz.

Bei der Zwetschge, der Aprikose und an alten Apfelbäumen finden wir gelegentlich die typischen Fruchtkörper der Schwammpilze Bild 6 und Bild 7. Es dauert zwar Jahre bis ein Schwamm einen Baum zum Absterben bringt, bis dahin kann er aber viele andere Bäume infizieren. Der Wind trägt die Sporen des Schwammpilzes sehr weit. Sollten Sie also Anzeichen entdecken, nehmen Sie die Säge, entfernen Sie befallene Stellen und bitten Sie ihren Nachbarn, ebenso zu handeln.

Bild 6: Dieser Pilz zählt zu den Feuerschwämmen. Über mehrere Jahre produziert er seine Sporen, die der Wind kilometerweit verbreiten kann.
© von Soosten, Rolf
Bild 6: Dieser Pilz zählt zu den Feuerschwämmen. Über mehrere Jahre produziert er seine Sporen, die der Wind kilometerweit verbreiten kann.
Bild 7: An dieser Aprikose scheint die Wunde nicht ordentlich verstrichen zu sein: Ein Feuerschwamm ist die Folge.
© von Soosten, Rolf
Bild 7: An dieser Aprikose scheint die Wunde nicht ordentlich verstrichen zu sein: Ein Feuerschwamm ist die Folge.

nach obenBleiglanz

Bild 8: Die Sporen des Bleiglanzes dringen ebenfalls durch Schnittwunden ein.
© von Soosten, Rolf
Bild 8: Die Sporen des Bleiglanzes dringen ebenfalls durch Schnittwunden ein.
Alte Schnittwunden von Sauerkirschen zeigen im Winter oder zeitigen Frühjahr oft einen violettroten, pilzähnlichen Überzug Bild 8. Diese Fruchtkörper verbreiten bei feuchtem Wetter im Frühjahr die Sporen des Bleiglanzes. Dieser Pilz dringt gern durch Schnittwunden ins Holz. Er verursacht das Blasswerden der Blätter einzelner Äste und tötet den Baum langfristig. Solche Bäume sollten Sie roden und verbrennen, denn sie verbreiten die Sporen auch nach dem Fällen. Vorbeugend sollten Sie nach dem Schneiden der Sauerkirschen die Wunden mit einem Wundverstrichmittel behandeln, vor allem am Stamm.

Auch beim Strauchbeerenobst gibt es Wundparasiten. Da sich insbesondere die Johannisbeeren schnell und gut regenerieren, müssen Sie ihre Wunden nicht behandeln.

nach obenSchildläuse und Rost

Bild 9: Das bekannteste Statium von Schildläusen an Johannisbeeren: verschmutzte Früchte und die mittlerweile "leblosen" Schilde.
© von Soosten, Rolf
Bild 9: Das bekannteste Statium von Schildläusen an Johannisbeeren: verschmutzte Früchte und die mittlerweile "leblosen" Schilde.
Bei Roten Johannisbeeren spielen Schildläuse Bild 9 eine wichtige Rolle. Schnitt hilft hier leider nicht viel. Setzen Sie stattdessen auf eine chemische Behandlung oder den Einsatz von Gegenspielern wie Schlupfwespen. Wichtig ist, den Befall im laublosen Zustand und auch die Art der Läuse zu erkennen.

Rost kann an einigen Sorten einen beachtlichen Blattfall verursachen. Biologisch ist Rost aber hochinteressant: Der Pilz braucht als Wechselwirt eine fünfnadelige Kiefernart, auf der er eine Generation überdauert, bis er wieder die Johannisbeere befallen kann. Soweit die Lehrbuchmeinung. Da der Befall von Rostpilzen an Johannisbeeren sehr stark verbreitet ist, aber selten mit Rost befallene Kiefern zu finden sind, neigt man heute zu der These, dass der Pilz auch Sporen bildet, die den Wirtswechsel auslassen können. Für diesen Fall sollte man überlegen, ob bei Rostbefall nicht das abgefallene Laub zusammengeharkt und eingegraben werden kann.

nach obenRundknospen und Mehltau

An den Schwarzen Johannisbeeren finden wir im Winter die so genannten Rundknospen. Wie der Name sagt, sind es dicke, aufgeblasen erscheinende Knospen, in deren Inneren eine riesige Anzahl winziger Milben den Saft aus dem jungen Blattgewebe saugt. Der Strauch reagiert mit übertriebenem Wachstum. Sobald die gesunden Knospen aufgehen, beginnt die Besiedelung noch nicht befallener Knospen. Durch Schnitt und Absammeln kann der Befall eingedämmt werden. Ergänzend kann man mit zugelassenen Schwefelmitteln spritzen.

Bei unserer Stachelbeere macht uns der Mehltau alljährlich Ärger. Erste Hilfe im zeitigen Frühjahr ist der Rückschnitt aller befallenen Spitzen, sodass ein neuer Befall im Strauch nicht durch dort entstandene Sporen ausgelöst werden kann.

nach obenBakterienbefall

Bild 10: Wucherungen an der Rute einer Himbeere, verursacht durch ein Bakterium. Man erkennt den weißen Belag des Pilzes Fusarium, der die Leitungsbahnen verstopft.
© von Soosten, Rolf
Bild 10: Wucherungen an der Rute einer Himbeere, verursacht durch ein Bakterium. Man erkennt den weißen Belag des Pilzes Fusarium, der die Leitungsbahnen verstopft.
Bei Himbeeren fallen gelegentlich Wucherungen an den Ruten in Bodennähe auf Bild 10. Verursacht werden sie durch ein Bakterium, das auch an mehreren anderen Gartenpflanzen vorkommt. Den eigentlichen Schaden – das Absterben der Ruten – verursacht aber der in das noch weiche wuchernde Gewebe eindringende Pilz Fusarium. Man erkennt ihn an einem hellrosa bis weißen flaumartigen Überzug. Er verstopft die Leitungsbahnen und es kommt zum Kollaps der Rute.

Bild 11: Ein Bakterium verursacht Schlagfluss bei der Aprikose. Ein ähnliches Bild, aber mit anderer Ursache, kennen wir bei der Süßkirsche.
© von Soosten, Rolf
Bild 11: Ein Bakterium verursacht Schlagfluss bei der Aprikose. Ein ähnliches Bild, aber mit anderer Ursache, kennen wir bei der Süßkirsche.
Ein nahe verwandtes Bakterium führt zum Schlagfluss an Aprikosen Bild 11. Wie das Foto zeigt, tritt aus Knospen und Astwinkeln Gummifluss aus, die folgenden Blätter haben eine auffällige helle Farbe. Auch hier sind keine chemischen Maßnahmen möglich. Daher gilt: Rückschnitt bis weit ins (vermutlich) gesunde Holz. Diese beiden letztgenannten Bakterien gehören zur Gattung der Pseudomonas.

nach obenDer richtige Zeitpunkt

Diese kurze Auflistung von Schädlingen und Krankheiten im Obstgarten ist eine kleine Erinnerung, denn der optimale Termin für ihre Bekämpfung ist schnell verpasst!

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Hier der Fruchtkörper des Feuerschwammes, nur ein kleiner Teil des im Baum befindlichen Pilzes.
Wie und wo überwintern Schädlinge?
Der Blei- oder Silberglanz verursachende Pilz bringt nach einigen Jahren die Fruchtstände an die Oberfläche. Sie sind im frischen Zustand meist purpurfarbig. Daran lehnt sich auch der botanische Name Chondrosfereum purpureum oder Violetter Schichtpilz.
Wundparasiten als Folge des Baumschnittes
Bild 3: Infektion durch Berührung und beginnende Mumienbildung bei Zwetschgen.
Winterschnitt und Pflanzengesundheit

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Bakterienbefall, Baumschnitt, Besenwuchs, Bleiglanz, Fruchtfäule, Fruchtmumien, Infektionsgefahr, Mehltau, Obstbaumkrebs, Pflanzenschutz, Rost, Rundknospen, Schildlaus, Schwammpilze, Wundparasiten

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