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Obstgehölze und ihre Nachpflanzung

November 2012 Aus der Geschichte der Landwirtschaft ist vielen der Begriff der "Dreifelderwirtschaft" noch geläufig: Bereits unsere Vorfahren sorgten durch Fruchtwechsel und Brache für bessere Wuchsbedingungen. Dieser Gedanke ist auch heute noch wichtig. Freilich hat sich der Kenntnisstand verändert, und es gibt einige Möglichkeiten, negative Folgen des Nachbaus zu verringern.


Diese Apfelreihe wurde vor zwei Jahren auf einen Boden gepflanzt, der mit Hilfe von Studentenblumen saniert wurde. Im Vordergrund wird für eine Nachpflanzung vorbereitet.
© von Soosten, Rolf
Diese Apfelreihe wurde vor zwei Jahren auf einen Boden gepflanzt, der mit Hilfe von Studentenblumen saniert wurde. Im Vordergrund wird für eine Nachpflanzung vorbereitet.

Die Ursachen für Mindererträge und nachlassendes Wachstum sind recht unterschiedlich und häufig spezifisch für die jeweiligen Pflanzenarten und -familien. Als Bodenmüdigkeit bezeichnet man das Nachlassen der vegetativen und generativen Entwicklung bei der Nachpflanzung von Obstbäumen nach der gleichen Gehölzart. Herkömmliche Meinungen machten die Verarmung an Nährstoffen, Anstieg von Bodenschädlingen wie Nematoden, Pilze und bakterielle Erreger verantwortlich. Dies stimmt nur teilweise. Über die präzisen Ursachen wird weiterhin geforscht.

Obstarten sind unterschiedlich sensibel: Während Rosengewächse wie Apfel, Kirsche, Pflaume und Pfirsich besonders empfindlich reagieren, sind die Johannisbeeren und Stachelbeeren robuster. Sie sind Steinbrechgewächse. Die ebenfalls zu den Rosengewächsen zählenden Erdbeeren und Himbeeren lassen im Nachbau nach sich selbst in der Leistung erheblich nach.

nach obenApfel nach Birne

Im Haus- und Kleingarten kann es aus Platzgründen vorkommen, dass nachgepflanzt werden muss. Folgende Kompromisse bieten sich an: Nach Apfel auf schwachwachsender Unterlage kann eine Kombination mit starkwachsender Unterlage gesetzt werden. Bei Pflaumen wählt man die Myrobalane.

Allgemein gilt, dass Steinobst nach Kernobst besser geeignet ist als umgekehrt. Es geht auch ein Wechsel von Apfel nach Birne und umgekehrt. Eine Erfolgsgarantie ist diese Regel jedoch nicht.

Die Bodenmüdigkeit reicht so weit wie die Wurzel. Manchmal hilft auch, die Neupflanzung aus der Wurzelkrone zu verlegen. Eine andere Möglichkeit ist das Auswechseln des Bodens beim Pflanzen. Grundsätzlich sollte man beim Roden möglichst alle fassbaren Wurzelteile aufsammeln. Denn Versuche haben ergeben, dass auch sich zersetzende Wurzelteile auf neutralem Boden einen negativen Einfluss auf nachgepflanzte Jungbäume ausüben.

nach obenErdbeeren

Bei Erdbeeren spielt der Nachbau ebenfalls eine beachtliche Rolle. Nur zweimal sollten sie nacheinander gesetzt werden. Mehrere Nematodenarten können den Erfolg beeinträchtigen. Die Welke, verursacht durch den Pilz Verticillium, Phytophthora-Arten und die Schwarze Wurzelfäule vermehren sich mit jedem Anbaujahr. Gegen diese Schädiger helfen eigentlich nur ein Flächenwechsel und längere Pausen im Anbau.

Zur Gesundung (Sanierung) eines Standortes wird im Erwerbsobstbau die Einsaat der Studentenblume (Tagetes) in zunehmendem Maße betrieben. Sie ist einerseits eine Falle für gewisse Bodennematoden, andererseits sondern die Wurzeln Stoffe ab, die das Wachstum der nachfolgenden Kultur positiv stimulieren. Der wandernde Bodennematode ist kein erdbeerspezifischer Schädling, sondern nimmt viele Pflanzen und Unkräuter als Wirtspflanze an.

Niedrige Tagetesmischung zur Vorbereitung einer neuen Erdbeerpflanzung. Im Vordergrund ist der Bestand unkrautfrei, dahinter hat die Unkrautbekämpfung nicht geklappt. Möglicherweise ist die nematizide Wirkung nicht ausreichend.
© von Soosten, Rolf
Niedrige Tagetesmischung zur Vorbereitung einer neuen Erdbeerpflanzung. Im Vordergrund ist der Bestand unkrautfrei, dahinter hat die Unkrautbekämpfung nicht geklappt. Möglicherweise ist die nematizide Wirkung nicht ausreichend.
Hohe Tagetes zur Sanierung des Bodens für eine Apfelneupflanzung.
© von Soosten, Rolf
Hohe Tagetes zur Sanierung des Bodens für eine Apfelneupflanzung.

Die Tageteswurzel verfügt über einen Stoff, der bei besagten Nematoden Sterilität verursacht. Wichtig also, den Tagetesbestand möglichst unkrautfrei zu halten, damit sich keine Nematoden vermehren können. Während der recht langen Keimperiode beseitigt man die eben aufgelaufenen Keimlinge des Unkrautes. Später erdrückt die Tagetes die Konkurrenz durch Lichtmangel. Die früheste Aussaat sollte um den 1. Mai geschehen, um den Spätfrösten auszuweichen. Wenn der Erdbeerbestand frühzeitig abgeerntet wird, kann noch eine Einsaat gemacht werden. Im Herbst ist dann aber jeder frostfreie Tag wertvoll! Je länger die Pflanze steht, desto mehr Wurzel- und Grünmasse wird gebildet.

Die Einsaat von Tagetes-Arten hat drei Vorteile:
  • Bodensanierung durch Beseitigung von wandernden Bodennematoden
  • Stimulierung des Wachstums durch Wurzelausscheidungen
  • beachtliche Grünmassenbildung

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Schlagworte dieser Seite:

Bodenmüdigkeit, Dreifelderwirtschaft, Standortanspruch, Studentenblume, Wachstum

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