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Veränderungen an Blättern und Trieben

August 2012 Jetzt, zur Zeit der vollen Belaubung, fallen bei genauerem Hinsehen veränderte Farben und Formen an den Blättern auf. Sie sind nicht immer ein Alarmzeichen, doch weisen sie gelegentlich auf eine Gefahr für die Gehölze hin. Auch ein Blick in Nachbars Garten lohnt sich.




nach obenRing- und Blattfleckenmosaikvirus

Alter und junger Baum der Hauszwetschge, beide gleich stark vom Ringfleckenmosaikvirus befallen.
© von Soosten, Rolf
Alter und junger Baum der Hauszwetschge, beide gleich stark vom Ringfleckenmosaikvirus befallen.

In einer Obstpflanzung am Rande eines Weilers in einem Weinbaugebiet, standen ein älterer und ein recht junger Zwetschgenbaum nebeneinander (s. Foto). Bei beiden fielen die gelbgrünen, band- und kreisförmigen Blattflecken auf: das Ring- und Blattfleckenmosaikvirus.

Älterer Zweig mit bereits gewellten Blatträndern.
© von Soosten, Rolf
Älterer Zweig mit bereits gewellten Blatträndern.
Zweig des jüngeren Baumes mit den typischen Flecken verschiedener Größe und Form.
© von Soosten, Rolf
Zweig des jüngeren Baumes mit den typischen Flecken verschiedener Größe und Form.

Als Wirtspflanzen kommen nahezu alle Steinobstarten und deren verwandte Wildformen wie Schlehe und Mandel vor. Die fehlfarbenen Flecken treten bei fast allen Teilen des Baumes auf. Ihre Musterung variiert von bandartigen, feinen Streifen bis hin zu großflächigen, ungleichmäßigen und unsymmetrischen Flecken. Häufig sind es aber fast runde, unterschiedlich große Punkte – sie gaben der Krankheit ihren Namen. Die Verteilung der Flecken kann ungleichmäßig sein. Die Symptome müssen nicht bei allen Sorten gleich aussehen.

Die auf dem Boden liegenden Steine aus dem Vorjahr belegen, dass die Früchte nicht mehr brauchbar waren.
© von Soosten, Rolf
Die auf dem Boden liegenden Steine aus dem Vorjahr belegen, dass die Früchte nicht mehr brauchbar waren.
Im späteren Stadium des Ringfleckenmosaiks wellen sich die Blätter, die Früchte bleiben kleiner, ihr Geschmack ist fade. Die Früchte sind damit wertlos. In diesem Stadium ist eine Gesundung des Baumes nicht mehr möglich. Bisher ließ sich eine Übertragung durch tierische Parasiten nicht nachweisen. Auch Pollen scheiden aus. Möglich scheint jedoch ein Transfer durch Wurzelkontakt. Im Falle der beiden nebeneinanderstehenden Zwetschgenbäume ist dies denkbar.

Die einzige Möglichkeit, um Gehölze weitgehend vor Viruskrankheiten zu schützen, ist der Kauf virusfreien oder virusgetesteten Materials in einer soliden Baumschule. Solches Material wird gekennzeichnet durch: vf = virusfrei und vg = virusgetestet.

nach obenBlei- oder Milchglanz

Beginnende Bildung eines Fruchtkörpers vom Pilz Stereum purpureum, dem Erreger des Bleiglanzes.
© von Soosten, Rolf
Beginnende Bildung eines Fruchtkörpers vom Pilz Stereum purpureum, dem Erreger des Bleiglanzes.
Von Blei- oder Milchglanz befallene Blätter zeigen im Sommer eine blassgrüne bis milchig aussehende Farbe. Später kommen braunrote Flecken hinzu, die Ränder wölben sich nach oben. Die Ursache ist eine Pilzinfektion.

Nach dem Eintreten in das Holz ist der Erreger oft einige Jahre unsichtbar. Sein Myzel gibt einen Stoff frei, der in den Blättern die Ablösung der Oberhaut vom Blattgewebe verursacht. Durch die eintretende Luft entsteht der Milchglanzeffekt. Auf die Entwicklung des Pilzes hat dies keinen Einfluss. Erst nach mehreren Jahren bricht die Rinde am Stamm auf und ein cremefarbener Belag entsteht, auf dem sich langsam konsolenartige Wülste bilden. Dies sind die Fruchtkörper, die bei entsprechender Witterung große Mengen an Sporen freisetzen.

Um das Gehölz zu infizieren, sind die Sporen auf Risse oder Wunden am Baum angewiesen. Nicht zuletzt ein Grund für die immer wieder geforderte Maßnahme, größere Schnittwunden mit einem Wundbehandlungsmittel abzudecken.

Bleiglanz kann bei mehreren Obstarten auftreten, besonders häufig jedoch an Sauerkirschen. Aber es gibt weitere Ursachen für das Aufhellen von Blättern, deren Gründe nicht immer erkennbar sind. Beim Apfel verwächst es sich meist nach einem Jahr.

nach obenTriebsucht oder Besentriebigkeit

Ast mit Besenwuchs an einem Apfelbaum.
© von Soosten, Rolf
Ast mit Besenwuchs an einem Apfelbaum.
In der Umgebung älterer Pflanzungen tritt gelegentlich die Triebsucht oder Besentriebigkeit auf. An Teilen des Baumes verzweigen sich die jungen Triebe unnatürlich häufig, sodass sie einem Besen ähneln. Dies geschieht durch das vorzeitige Austreiben der Seitenknospen, besonders auffällig an Wasserschossen, am Stamm oder aus der Wurzel.

Die Blätter sind anfänglich fahlgrün und können sich später rötlich verfärben. Typisch sind – sortenbedingt – die vergrößerten Nebenblätter und die stärker ausgeprägte Randzahnung. Durch kleinere Früchte und geringen Ertrag entsteht ein Ertragsausfall.

Verursacht werden diese Fehlentwicklungen durch Phytoplasmen, das sind zellwandlose Bakterien, die in bestimmten Pflanzenteilen vorkommen. Eine alte Bezeichnung der Krankheit ist Mykoplasmose. Die Übertragung von Baum zu Baum war nach früherer Meinung auf die Veredlung begrenzt, wenn man von einer botanischen Sonderform (Cuscuta subinclusa, die Seidenwinde) absieht. Heute weiß man, dass auch bestimmte Blattsauger-Arten mitverantwortlich sind.

Gegenmaßnahmen sind leider nicht möglich. Auch zur Vermeidung der Triebsucht gilt: Kaufen Sie Pflanzmaterial aus einer guten Baumschule mit entsprechendem Zertifikat.

nach obenPrävention

Alle genannten Krankheiten lassen sich im Spätsommer besonders gut erkennen. Fachbücher empfehlen, von Bleiglanz gezeichnete Äste, Besenwuchs oder Äste mit Blattvergilbungen wegzuschneiden. Um einer möglichen Ausbreitung zuvorzukommen, trennt man sich besser von den befallenen Partien, um so ein oder mehr Jahre zu gewinnen.

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Einjährige Triebe an einem dicken Ast der Kronenbasis, deren Augen bereits im Jahr der Bildung auswachsen. Dadurch entsteht der besenartige Charakter.
Triebsucht an Apfelbäumen
Verursacher des Wurzelkropfs an einer Himbeerrute in Kombination mit dem Pilz Fusarium.
Frühlingsfreuden - Frühlingsleiden
Der Blei- oder Silberglanz verursachende Pilz bringt nach einigen Jahren die Fruchtstände an die Oberfläche. Sie sind im frischen Zustand meist purpurfarbig. Daran lehnt sich auch der botanische Name Chondrosfereum purpureum oder Violetter Schichtpilz.
Wundparasiten als Folge des Baumschnittes

Schlagworte dieser Seite:

Besentriebigkeit, Blattfleckenmosaikvirus, Bleiglanz, Blätter, Fehlentwicklung, Milchglanz, Mykoplasmose, Obstbaum, Obstpflanzung, Phytoplasmen, Pilzinfektion, Ringfleckenmosaikvirus, Triebe, Triebsucht, Witterung

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