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Winterschnitt und Pflanzengesundheit

Dezember 2011 Die Zeiten, in denen Obstbäume pedantisch nach bestimmten Systemen geschnitten wurden, sind vorbei. Ebenso gewisse Maßnahmen zum chemischen Pflanzenschutz, sprich Spritzungen mit Obstbaumkarbolineum, Gelbspritzmitteln und Kupferkalkbrühe. Früher beseitigte man damit am Gehölz überwinternde Schädlinge. Eier, Puppen, erwachsene Tiere, Pilzsporen, Flechten und Moose starben je nach Art des Mittels ab. Heute setzt man diese Mittel nicht mehr ein. Doch die Schädlinge sind geblieben.


Folglich müssen Besitzer von Obstgehölzen ihre Pfleglinge genauer auf überwinternde Schädlinge untersuchen. Ein günstiger Zeitpunkt ist der blattlose Zustand zu Beginn des Winterschnittes.

nach obenHäufiger Obstbaumkrebs

Bild 1: Krebsstelle an einem wertvollen Seitenast. Erkennbar ist die Eintrittstelle.
© von Soosten, Rolf
Bild 1: Krebsstelle an einem wertvollen Seitenast. Erkennbar ist die Eintrittstelle.
Der Obstbaumkrebs Bild 1 am Apfel oder der Birne ist wohl die auffallendste Veränderung, über die häufig geschrieben wird. In der zweiten Winterhälfte gehen daraus kleine rote Pusteln hervor, die große Mengen Sporen freisetzen. Diese können dann durch Frostrisse, Schnittwunden oder ähnliche Wunden eindringen und neue Schadstellen erzeugen. Eine konsequente Entfernung bis in das gesunde Holz zu Beginn des Winters ist die einzige Maßnahme. Am Stamm junger Bäume kann man sauber ausschneiden und mit einem Wundverstrichmittel abdecken. Gegebenenfalls im Frühjahr die Wunde mit einem Reis überbrücken.

Bild 2: Die typische Triebbildung auf unteren Ästen eines Apfelbaumes.
© von Soosten, Rolf
Bild 2: Die typische Triebbildung auf unteren Ästen eines Apfel­baumes.
Weniger häufig bei Apfelbäumen sind dünne, stark verzweigte, besenartige Astteile, die als krank auffallen Bild 2. Hier handelt es sich um Apfeltriebsucht – eine Folge des Befalls mit Phytoplasmen, kleinste Lebewesen, die zwischen Viren und Bakterien eingeordnet werden. Auf den unteren stärkeren Ästen wachsen dann häufig senkrechte, verzweigte Wasserreiser. Möglicherweise wird der Erreger durch Apfelblattsauger und eine Zikadenart verbreitet. Kann man auf diese Bäume verzichten, sollten sie gerodet und beseitigt werden, um gesunde Apfelbäume zu schützen.

nach obenVerheerende Fruchtmumien

Bild 3: Infektion durch Berührung und beginnende Mumienbildung bei Zwetschgen.
© von Soosten, Rolf
Bild 3: Infektion durch Berührung und beginnende Mumienbildung bei Zwetschgen.
Auffällig sind bei vielen Obstgehölzen die Fruchtmumien Bild 3, meist entstanden durch die Monilia-Fruchtfäule. Sie sollten nicht nur vom Baum entfernt, sondern besser in der Mülltonne entsorgt werden, denn im kommenden Sommer gehen von ihnen die neuen Infektionen aus. Vorbeugen ist der halbe Erfolg!

Wenn sie nicht entfernt werden, schrumpfen die Fruchtmumien weiter ein. Im Folgejahr entwickeln sich darauf Polster, auf denen Unmengen von Sporen entstehen. Sie gehen auf junge beschädigte Früchte über, die mit Beginn der Zuckerbildung faulen. Der Pilz kann in nassen Jahren sowohl beim Kern- als auch beim Steinobst verheerende Ausfälle verursachen.

Ein naher Verwandter ist die Triebmonilia beim Steinobst, hauptsächlich der Sauerkirsche. Die abgestorbenen Triebspitzen mit ihren anhängenden Blattresten sind jetzt gut zu erkennen und müssen bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Am Übergang zum gesunden Holz bilden sich hellbraune Polster. Wie bei der bereits beschriebenen Monilia-Fruchtfäule entstehen zur Blütezeit Sporen, die für neuen Befall sorgen. Hier aber werden die inneren Teile der Blüte infiziert. Dies geschieht besonders bei nassem Blühwetter.

nach obenSchwer bekämpfbar: Mehltau

Etwas genauer hinsehen muss man beim Mehltau. Wenn beim Apfel einige aschgraue einjährige Triebspitzen zu finden sind, wurden sie im Laufe des Sommers davon befallen. Auch am kurzen Holz finden Infektionen statt. Einige der befallenen Knospen treiben aus, die Blätter sind mattgrün und bald erscheinen die ersten Sporen, die wiederum für die Verbreitung sorgen. Mehltau ist im Kleingarten nur schwer zu bekämpfen. Es empfiehlt sich daher, beim Schnitt im Winter sorgsam die Quellen zu beseitigen.

An den Birnen können wir Überwinterungsorgane des Birnenschorfs erkennen. Es sind graue Flecken am einjährigen Holz, die bei feuchter Witterung beim Austrieb bereits neue Infektionen auslösen können. Ein korrekter Schnitt sollte diese Gefahr beseitigen. Eine besonders gefährdete Sorte ist beispielsweise 'Williams Christ'.

nach obenRotpusteln bei Beeren

Bild 4: Stark vergrößerter Ast mit den Fruchtkörpern des Rotpustelpilzes.
© von Soosten, Rolf
Bild 4: Stark vergrößerter Ast mit den Fruchtkörpern des Rot­pustel­pilzes.
Vor allem bei Johannisbeeren fallen abgestorbene Astpartien auf, deren Rinde von kleinen roten Pusteln in unterschiedlicher Form und Größe besiedelt sind Bild 4. Ein Pilz, der dem Obstbaumkrebs nahe steht, ruft diese Rotpusteln hervor. Er befällt alle Johannisbeerarten, die Stachelbeeren und eine große Zahl von Ziersträuchern. Hauptsächliche Eintrittspforten sind Schnittwunden. Eine einfache Maßnahme zur Verhinderung ist das Schneiden der Sträucher bei trockenem Wetter. Abgetrocknete Wunden werden kaum besiedelt.

Bei Schwarzen Johannisbeeren fallen im Winter und zeitigem Frühjahr die Rundknospen der Johannisbeergallmilbe auf. Es ist mühsam, sie abzusammeln. Versäumt man dies jedoch, wandern die Jungtiere beim Knospenschwellen aus und saugen an Jungtrieben sowie Blüten. Bei der Langtriebbildung besiedeln sie die neu entstehenden Knospen. Im schlimmsten Fall befallen Millionen Tiere einen Strauch. Da zurzeit keine wirksamen chemischen Mittel zugelassen sind, kommt es auf eine korrekte Beseitigung an. Stark befallene Sträucher können ganz zurückgeschnitten werden, um so einen befallsfreien Austrieb zu erhalten. Das Schnittholz sollte rückstandsfrei entsorgt werden.

nach obenUnscheinbare Gefahren

Es gibt weniger auffällige Überwinterungsmerkmale, die man suchen und kennen sollte. Aus der Familie der Glasflügler kommt einer an den Johannis- und Stachelbeeren vor: Befallene Triebe weisen Kümmerwuchs auf. Das Mark ist ausgefressen, stattdessen finden sich Kotkrümel oder weiße Larven mit hellbraunem Kopf. Da eine chemische Bekämpfung kaum durchführbar ist, entfernt man diese Triebe bis an die Basis. Bis auf den Astring schneiden, denn Stummel werden vom Falter gern zur Eiablage benutzt.

Der Apfelglasflügler legt seine Eier im Juni gern in der Nähe der Veredlungsstellen ab. Seine Larven fressen unter der Rinde schwachwachsender Unterlagen und lassen dort gelegentlich die Kotkrümel unter die Rindenstücke fallen. Daran erkennt man den Übeltäter. Sein Fraß verursacht kränkelnden Wuchs. Auch dieser Falter lässt sich nur schwer bekämpfen. Seine Entwicklung vom Ei zum Falter dauert etwa 20 Monate, viel Zeit zum Fressen. Die Befallsstellen sollte man sauber ausschneiden und verstreichen.

Aufmerksame Gärtner werden die perlschnurartig um den Trieb gelegten Eier des Ringelspinners erkennen. Jetzt weggeschnitten, erspart man sich den Ärger fressender Raupen im Frühjahr.

Die kleinen Raupen des Goldafters überwintern in einem Gespinst, das er in den Spitzen der Äste als Kinderstuben anlegt. Wenn sich im Mai die Blätter entfalten, gehen die Raupen fresssüchtig auf Wanderschaft.

Bild 5: Mit Beginn des Schnittes wird man diesen "Höhleneingängen" begegnen: Wühlmäuse! Sie können große Schäden anrichten.
© von Soosten, Rolf
Bild 5: Mit Beginn des Schnittes wird man diesen "Höhlen­ein­gängen" begegnen: Wühlmäuse! Sie können große Schäden anrichten.
Zum Schluss sei natürlich auch an Hase, Kaninchen und Wühlmaus Bild 5 erinnert, die alljährlich "unerwartet" auftreten. Unser Garten ist eben ein kleiner Kosmos, in dem es immer etwas zu sehen, zu pflegen und zu arrangieren gibt.

Bild 6: Dieser Pilz zählt zu den Feuerschwämmen. Über mehrere Jahre produziert er seine Sporen, die der Wind kilometerweit verbreiten kann.
Pflanzenschutz vor Vegetationsbeginn
Hier der Fruchtkörper des Feuerschwammes, nur ein kleiner Teil des im Baum befindlichen Pilzes.
Wie und wo überwintern Schädlinge?
Bild 1
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