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Schiebetüren machen Häuser großzügig

Oktober 2011 Die Bürgerwohnungen der Zeit um 1900 waren sogenannte Suiten. Wohnzimmer, Esszimmer und Herrenzimmer lagen in einer Reihe, dazwischen große Schiebetüren. Diese Raumfolgen finden sich heute nur noch in großen Einfamilienhäusern bis Baujahr 1935. Ihre Vorteile sind vergessen und sollen deshalb wieder in Erinnerung gebracht werden.


Leichtes Schiebe-Element
© Schmidt, Joachim
Leichtes Schiebe-Element

Flexibilität, Funktionalität und Energieverbrauch gelten als wesentlich für modernes Wohnen. Doch sind heutige Häuser wirklich so fortschrittlich entworfen, wie es uns Architekten und Baufirmen glauben machen wollen? Unvermutet zwingen hohe Heizkosten zu Beschränkungen. In vielen unserer modernen Einfamilienhäuser bleiben im Winter einige Zimmer kalt, weil der Energieverbrauch gemindert werden soll. Der Wunsch nach dem "offenem Wohnen" auf möglichst vielen Quadratmetern zeigt dann seine Kehrseite.

Neu ist das alles nicht. Auch unsere Vorfahren wollten (und mussten) wirtschaftlich wohnen und haben deshalb sehr überlegt geplant. Wie viel Raum zu welchem Anlass? Schon vor einhundert Jahren beschäftigten sich die Architekten mit diesen Fragen − und haben sie auch gelöst. Ein Ergebnis dieser Überlegungen war die Suite − die Kombination mehrerer Räume.

Dominierend war immer das Wohnzimmer. Dem konnte ein Esszimmer zugeordnet werden, ein Herrenzimmer oder Rauchsalon, ein Arbeitzimmer mit Bibliothek. Das hört sich alles sehr großzügig an, doch auch die geräumigen Bürgerwohnungen verfügten nur selten über mehr als 120 qm Wohnfläche und waren deshalb deutlich kleiner als heutige Einfamilienhäuser.

Konstruktion einer beidseitigen Schiebetür
© Schmidt, Joachim
Konstruktion einer beidseitigen Schiebetür

Wesentlichen Anteil an diesen Raumkombinationen hatten die damals üblichen Schiebetüren. Sie beherrschten nicht − wie unsere heutigen Doppeltüren − im geöffneten Zustand den Raum, brauchten keinen Platz für ihren Drehkreis, sondern verschwanden einfach in der Zwischenwand. Das schaffte mehr Stellfläche und ließ zwei Zimmer zu einem großen verschmelzen. Je nach Bedarf und Anlass konnte so die Wohnfläche reduziert oder vergrößert werden. Das war nicht nur hauswirtschaftlich praktisch, sondern sparte auch Energie, denn nur die jeweils genutzten Zimmer wurden auch beheizt.

Das zur Historie der Schiebetüren. Leider sind sie aus der Mode gekommen, weil angeblich zu aufwendig und deshalb zu teuer. Wer sich jedoch genauer mit der Technik von Schiebetüren befasst, wird feststellen, dass sich heute in jedem Baumarkt eine Vielzahl von Schiebetür-Beschlägen findet. Und auch eine Wandschale aus Gipskarton, in der die Tür Platz findet, lässt sich einfach bauen. Besonders attraktiv ist ein vorgebautes Regal, hinter das sich die Tür schieben lässt.

Für diese Schiebeflächen müssen keine tragenden Rahmen gebaut werden. Moderne dünne Sperrholzplatten machen großflächige und dennoch leichte Schiebe-Elemente möglich. Naturbelassen, weiß lackiert oder mit Stoff bespannt − alles ist möglich. Sogar das Einschneiden von Ornamenten mit der Stichsäge.

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