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Gute Fruchtqualität

"Besen": Diesem Baum wird jährlich ein "Rasierschnitt" verpasst. Ansonsten würden alle Früchte im Schatten reifen und vermutlich stippig werden.
© von Soosten, Rolf
"Besen": Diesem Baum wird jährlich ein "Rasierschnitt" verpasst. Ansonsten würden alle Früchte im Schatten reifen und vermutlich stippig werden.

Juni 2011 Früchte guter Qualität an den Bäumen sind keine Selbstverständlichkeit. Es gehört schon ein wenig Engagement und Wissen dazu.


In jedem Monat und in jeder Wachstumsphase gibt es Möglichkeiten, auf eine gut ausgefärbte und wohlschmeckende Ernte hinzuwirken. Bereits im ausgehenden Winter, während des Schnittes, erkennt man das Verhältnis von Blüten zu Blattknospen.

nach obenRichtiger Schnitt

Äpfel und Birnen werden stärker geschnitten. Meist beginnt man mit den größeren Eingriffen. Mit der Schere folgt die Feinarbeit, zu der auch das Einkürzen des Fruchtholzes gehört. In meiner Lehrzeit hieß es: Durch einen fertig geschnittenen Baum müsse man einen Hut durch werfen können. Süß- und Sauerkirschen benötigen weniger Sonnenlicht zur Ausfärbung und dürfen etwas dichter bleiben.

Bei älteren, besonders größeren Apfelbäumen kennen wir die Alternanz, jenes periodische Tragen: Vollertrag – Ausfallsjahr. Vor einem reichen Ertragsjahr sollte man das Fruchtholz auf Alterserscheinungen untersuchen. Häufig finden wir es völlig überaltert, sodass es unbedingt auf zwei bis drei Augen eingekürzt werden muss. Jede Knospe im Inneren des Baumes bringt fünf bis acht Blätter, die dort Schatten verursachen. Sie müssen von den peripheren Blättern mit ernährt werden. Das gibt bei älteren Bäumen enorm viel Licht, was in den Folgejahren zur Verjüngung des Fruchtholzes und zu einer besseren Ausfärbung führt. In Jahren mit reichem Blütenansatz braucht man sich um den Behang keine Sorge machen, denn in einem normalen Ertragsjahr werden nur 1,5 bis 3,5 Prozent der Blüten zu Früchten.

Fruchtholz, ungeschnitten: Dieses viele, aber kleine Früchte bringen.
© von Soosten, Rolf
Fruchtholz, ungeschnitten: Dieses viele, aber kleine Früchte bringen.
Fruchtholz geschnitten: Nach dem Schnitt könnte die Astpartie etwa so aussehen.
© von Soosten, Rolf
Fruchtholz geschnitten: Nach dem Schnitt könnte die Astpartie etwa so aussehen.

Bei Kirschen können etwa 15 Prozent der befruchteten Blüten einen durchschnittlichen Ertrag bringen. Das Ausdünnen des Fruchtholzes kann auch während oder nach der Blüte geschehen. Selbst bei der Fruchtausdünnung, die ein maßgeblicher Schritt auf dem Weg zum Ziel ist, kann überzähliges Fruchtholz eingekürzt oder entfernt werden. Dies sollte aber bei trockenem Wetter geschehen.

nach obenBefruchtung

Während der Blüte ist die Befruchtung wichtig für den Erfolg. Nur gleichzeitig blühende Bäume können einander befruchten. Narben und Pollen müssen zur gleichen Zeit reif und Insekten für den Transport des Pollens vorhanden sein. Mildes, trockenes Wetter ist ideal.

Biologisch gibt es das Problem der Befruchtung: Es sind die diploiden von den triploiden Sorten zu unterscheiden. Die meisten diploiden Sorten können sich untereinander befruchten. Sie haben sowohl in der Eizelle als auch im Pollen einen einfachen Chromosomensatz. Nach Vereinigung beider – der Befruchtung – kann die Frucht wachsen. Bei triploiden Sorten teilen sich die Chromosomen nicht korrekt, sodass es nicht zu einer Vereinigung und somit nicht zu einer Befruchtung kommen kann. Daher haben sich bekannte "Befruchtersorten" heraus selektiert. Im Idealfall blühen sie über einen längeren Zeitraum, werden gern von Insekten angeflogen, blühen sicher in jedem Jahr und haben zudem noch gute Fruchteigenschaften. Im Erwerbsobstbau greift man auch gern auf Zieräpfel zurück.

nach obenFrüchte ausdünnen

Der nächste wichtige Schritt ist die Fruchtausdünnung. Über dieses Thema ist in der Juni-Ausgabe 2010 ausgiebig berichtet worden. Zusammengefasst: Etwa 30 bis 50 Blätter versorgen eine Frucht mit Kohlehydraten. Dabei ist zu bedenken, dass zur gleichen Zeit die Blütenknospendifferenzierung beginnt. Damit ist die Bildung von Knospen – sowohl Laub- als auch Blütenknospen – für das nächste Jahr gemeint. Also: Je mehr Assimilate bei den Früchten übrig bleiben, umso mehr Blütenknospen können für das Folgejahr ausgebildet werden. Je Blütenbüschel bleiben im Vollertragsjahr ein oder zwei Früchte zur Ernte übrig.

Ausschnitt, unausgedünnt: Der viel zu starke Fruchtbehang ergäbe kleine, unausgefärbte Früchte.
© von Soosten, Rolf
Ausschnitt, unausgedünnt: Der viel zu starke Fruchtbehang ergäbe kleine, unausgefärbte Früchte.
Ausschnitt, ausgedünnt: Beim Durchpflücken bleiben nur die besten und größten Früchte.
© von Soosten, Rolf
Ausschnitt, ausgedünnt: Beim Durchpflücken bleiben nur die besten und größten Früchte.

Die Kohlehydrate – Stärke und Zucker – sind das Produkt der Assimilation. Sie kann nur in einem gepflegten, gesunden Blatt stattfinden. Daher sind zerstörende Schädiger wie Mehltau, fressende und saugende Parasiten zu reduzieren. Eine Beschattung durch größere Bäume hingegen wirkt sich nachteilig aus.

Selbstverständlich ist die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Wasser für ein gleichmäßiges Wachstum zu gewährleisten. Wachstumsstockungen durch Trockenheit führen zu Rissen in der Fruchthaut und später zu Fäulnis durch Fruchtmonilia. Nach Mitte Juli sollte kein stickstoffhaltiger Dünger mehr gegeben werden – der Baum muss das Wachstum einstellen, die Früchte sollen reifen und gut ausfärben. Mit Beginn des Winters soll das Holz ausgereift und frostfest sein.

  • Ausgedünnt 'Rubinette': Gerade bei kleinfrüchtigen Sorten wie 'Rubinette' ist ein konsequentes Ausdünnen qualitätsentscheidend. | © von Soosten, Rolf
  • Junger Baum: Beim Vereinzeln der Früchte bei jungen Bäumen muss auch an die Weiterentwicklung des Baumes gedacht werden. | © von Soosten, Rolf

nach obenPünktlich pflücken

Ein letzter Punkt ist die optimale Pflückreife. Bleiben Früchte zu lange am Baum, leidet die innere Qualität. Häufig werden Birnen zu spät gepflückt. Sie werden nicht saftig und schnell zu reif. Unter Berücksichtigung der genetischen Reifezeit wird man im Hausgartenbereich probeweise einige Früchte pflücken, wenn die Grundfarbe – meist Grün – in Gelb umschlägt. Ist zu diesem Zeitpunkt die Bruchstelle zwischen Stiel und Fruchtholz glatt durchtrennt, sind die Leitungsbahnen unterbrochen, und die Pflückreife ist erreicht.

Bei allen Vorsorgemaßnahmen bleiben immer noch einige Risiken übrig: Hagel und schlechtes Erntewetter sowie später Schädlingsbefall – vor allem Wespen – können die Mühen zunichtemachen.

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Bild 1: Dieser Apfelbaum beschattet einen Großteil des kleinen Vorgartens und trägt keine Früchte. Nach dem im Text beschriebenen Schnitt werden in wenigen Jahren wieder Früchte wachsen und der intensive Schatten gelockert sein. Der Baum kann dann bleiben.
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Apfel, Apfelbaum, Baumschnitt, Befruchtung, Kirsche, Mehltau, Nährstoff, Obstbaumschnitt, Parasiten, Pflückreife, Reifezeit, Schnitt, ausdünnen

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