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Wie und wo überwintern Schädlinge?

Februar 2011 Während winterlicher Pflegearbeiten hat der Gartenbesitzer die Möglichkeit, sich einen Überblick über den zu erwartenden Schädlingsbefall zu verschaffen und durch gezieltes Beseitigen der sichtbaren Überwinterungs- und Vermehrungsorgane vorzubeugen.


Im blattlosen Zustand nimmt das Auge die oft kleinen Überwinterungsformen besser auf, erkennbar an ihren gelegentlich auffallendenden Farben, den Strukturen oder den Orten. Säge, Schere und Zeit sind dabei genau so wichtig wie das Wissen, wo welcher Schädling zu finden ist.

Aus eigenem Garten ein Ast mit den typischen Symptomen des Besenwuchses.
© von Soosten, Rolf
Aus eigenem Garten ein Ast mit den typischen Symptomen des Besenwuchses.
Im blattlosen Zustand fällt der Besenwuchs Bild 1 auf. Besenwuchs ist selten auftretend und nicht zu bekämpfen. Symptome sind auf dem Bild 1 erkennbar. Gefährlich, weil der Ertrag rapide nachlassen kann. Die Übertragungsmechanismen sind nur wenig bekannt, befallene Bäume sollten gerodet werden.

Rechts sieht man die weißen Spitzen an den Krebspusteln, aus denen die Sporen ausgestoßen werden.
© von Soosten, Rolf
Rechts sieht man die weißen Spitzen an den Krebspusteln, aus denen die Sporen ausgestoßen werden.
Krebsstellen Bild 2 am Kernobst sind allen ein Schrecken, nicht jeder kennt aber die ab Herbst erscheinenden roten Pusteln, die bei milder feuchter Witterung durch eine weiße Öffnung (Porus) in Mengen Sporen entlassen. Diese sind die Hauptursache für neue Infektionen. Daher empfiehlt es sich, die Krebsstellen frühestmöglich zu entfernen. Achten Sie einmal darauf, ob Sie die etwa 0,5 mm großen dicht beieinander sitzenden Pusteln finden.

Täuschend ähnlich, jedoch kleiner sind die Eiablagen der Roten Spinne. Sie lassen sich beim Schnitt nicht beseitigen, doch gibt ihre Menge einen Eindruck über den zu erwartenden Befall. Im Erwerbsobstbau gilt ein Meter Fruchtholz als Einheit. Die Warnschwelle für Eier der Roten Spinne liegt bei Äpfeln, Zwetschgen und Sauerkirschen bei 1.000, bei Süßkirschen bei 2.000 Eiern. Liegt die geschätzte Zahl wesentlich darüber, ist zu gegebener Zeit eine Gegenmaßnahme – biologisch oder chemisch – zu empfehlen.

Fruchtmumien an Kern-, Stein- und Strauchbeerenobst sind häufig durch die Moniliafruchtfäule entstanden. Infizierte, also faulende Früchte fallen nicht unbedingt im Herbst ab, sondern überdauern den Winter am Holz. Von hier beginnt die Verbreitung im folgenden Jahr. Es reicht nicht, diese Mumien abzuschütteln. Sie sollten in die Mülltonne, denn sie können mehrere Jahre weitere Infektionen verursachen.

Die helle Rinde der Mehltauspitzen ist im Winter gut zu erkennen und sollte ein deutliches Signal sein.
© von Soosten, Rolf
Die helle Rinde der Mehltauspitzen ist im Winter gut zu erkennen und sollte ein deutliches Signal sein.
Mehltauspitzen Bild 3 sind zwar im Winter gut zu erkennen, doch ignoriert man sie gern, weil das Beseitigen lästig ist. Es ist aber wichtig, im Hausgarten vielleicht die einzige Maßnahme, die zum Erfolg führt. Geschnittene Spitzen sollten in die Mülltonne.

Hier der Fruchtkörper des Feuerschwammes, nur ein kleiner Teil des im Baum befindlichen Pilzes.
© von Soosten, Rolf
Hier der Fruchtkörper des Feuerschwammes, nur ein kleiner Teil des im Baum befindlichen Pilzes.
Seltener, aber nicht zu verharmlosen, sind die verschiedenen Feuerschwämme Bild 4, die an Obstbäumen vorkommen. Das Bild zeigt einen solchen an der Zwetschge. Der hier sichtbare Fruchtkörper wächst angeschmiegt am Ast und lässt nicht vermuten, dass der Pilz die dickeren Äste und den Stamm längst durchzogen hat. Befallene Bäume sind kaum zu retten. Aber: Es liegt an uns, durch konsequente Schnittwundenabdeckung weitere Fälle zu vermeiden. Jede größere Schnittstelle sofort mit einem entsprechendem Wundbehandlungsmittel abdecken.

Bei den Sauerkirschen ist die Spitzendürre weit verbreitet und gefürchtet. Ihre abgestorbenen Zweige mit Blattresten und Fruchtmumien sorgen für den nächstjährigen Befall. Darum restloses Entfernen durch Zurückschneiden bis weit ins gesunde Holz! An den befallenen Teilen bilden sich erhabene Wülste, die bei feuchter Witterung immense Mengen an Sporen freigeben. Die Neuinfektion beginnt bereits im Ballonstadium.

Fruchtkörper des den Bleiglanz verursachenden Pilzes Stereum purpureum.
© von Soosten, Rolf
Fruchtkörper des den Bleiglanz verursachenden Pilzes Stereum purpureum.
An mehreren Obstarten, besonders aber an der Sauerkirsche, tritt der Bleiglanz Bild 6 auf, jenes Aufhellen oder Blaugrünfärben der Blätter. Oft beginnt dies an einzelnen Ästen. Jetzt im Winter finden wir am Stamm oder an Schnittstellen herauswachsende purpurrote Fruchtkörper, deren Aufgabe die Verteilung der Sporen ist. Es gibt keine Bekämpfungsmöglichkeit aber man kann durch Wundverschluss sofort nach dem Schnitt vorbeugen.

Aus der Nähe erkennt man die pilzförmigen Körper, die an ihrer Oberfläche die Sporen entlassen.
© von Soosten, Rolf
Aus der Nähe erkennt man die pilzförmigen Körper, die an ihrer Oberfläche die Sporen entlassen.
Beim Strauchbeerenobst fällt die Rotpustelkrankheit durch die roten Fruchtkörper auf. Johannis- und Stachelbeeren zeigen oft schon im Herbst helllaubige Äste. Ursache dafür ist entweder dieser dem Obstbaumkrebs nahestehende Pilz. Er zerstört die Leitungsbahnen und dringt durch die Rinde nach außen, um seine Sporen zu verbreiten. Wenn nicht schon im Herbst vorbeugend geschehen, dann müssen diese Triebe jetzt entfernt und entsorgt werden.

Sind diese roten Pusteln nicht erkennbar, kann der Verursacher auch der Botrytispilz sein, der bei Ribes-Arten Aststerben verursacht. Später erscheint ein grauer Belag mit dem bekannten Sporenrasen.

Bacterium tumefaciens und der darin lebende Pilz Fusarium.
© von Soosten, Rolf
Bacterium tumefaciens und der darin lebende Pilz Fusarium.
An den Himbeeren erkennt man jetzt die durch ein Bakterium verursachten knollenähnlichen Verdickungen an den Ruten des letzten Jahres. Sekundär wurde das wuchernde Gewebe mit dem Pilz Fusarium Bild 5 befallen, der die Leitungsbahnen verstopft. Diese Ruten werden meist vor der Ernte absterben, die Früchte vertrocknen. Auch gegen dieses Leiden sind wir machtlos und können nur die befallenen Ruten entfernen.

Die schwarzen Eier der Grünen Apfelblattlaus an einem Kurztrieb.
© von Soosten, Rolf
Die schwarzen Eier der Grünen Apfelblattlaus an einem Kurztrieb.
Schwarze, glänzende, meist ovale Eier am Fruchtholz in Ritzen und Winkeln an die Rinde geklebt, gehören der Grünen Apfelblattlaus Bild 8. Die Menge sagt im Winter nicht viel aus. Nach dem Schlupf im Frühjahr dezimieren regnerisches Wetter und Nachtfröste die Jungtiere erheblich. Ihre Entwicklung sollte an Blattunterseiten und Triebspitzen beobachtet werden.

Mit einer Wühlmausfalle Erfolg zu haben, setzt Geduld voraus. Es ist aber die umweltschonendste Bekämpfungsmaßnahme.
© von Soosten, Rolf
Mit einer Wühlmausfalle Erfolg zu haben, setzt Geduld voraus. Es ist aber die umweltschonendste Bekämpfungsmaßnahme.
Für uns fast unsichtbar ist das Treiben der Wühlmaus Bild 9. Sie sucht sich im Winter hauptsächlich unterirdisch ihre Nahrung: Wurzeln der Erd- und Himbeeren sowie Rindenteile unserer Obstbäume. Sie können sporadisch auftreten, aber auch standorttreu jährlich für Unmut sorgen. Ständiges Beobachten und Neupflanzungen in Drahtkörben helfen dagegen. Bekannte Gänge sollten mit Ködern belegt und die Aufnahme kontrolliert werden.

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Bild 6: Dieser Pilz zählt zu den Feuerschwämmen. Über mehrere Jahre produziert er seine Sporen, die der Wind kilometerweit verbreiten kann.
Pflanzenschutz vor Vegetationsbeginn
Bild 3: Infektion durch Berührung und beginnende Mumienbildung bei Zwetschgen.
Winterschnitt und Pflanzengesundheit
Verursacher des Wurzelkropfs an einer Himbeerrute in Kombination mit dem Pilz Fusarium.
Frühlingsfreuden - Frühlingsleiden

Schlagworte dieser Seite:

Apfelblattlaus, Besenwuchs, Bleiglanz, Botrytispilz, Feuerschwamm, Mehltau, Moniliafruchtfäule, Obstbaumkrebs, Rote Spinne, Rotpustelkrankheit, Schädling, Spitzendürre, Wühlmaus

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