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Süßkirschen und Sauerkirschen − Pyramiden- oder Hohlkrone

Dezember 2010 Der ursprüngliche Standort wilder (Vogel-)Kirschen (Prunus avium) ist der lichtreiche Waldrand in Landschaften auf Kalkverwitterungsgestein und lehmreichen Böden. Während der Blüte leuchtet das Weiß der stattlichen Bäume zwischen dem ersten Grün. Kennzeichnend für die Kronen ist der glatte silbrige Stamm und die mittenbetonte Krone, die Äste sind quirlartig angeordnet. Diesen Aufbau haben alle aus der Wildkirsche entstandenen Süßkirschsorten.


Die Sauerkirschen stammen von einem kleineren, strauchartigen Baum ab, dessen Krone unregelmäßiger aufgebaut und mit schwächeren Ästen ausgestattet ist. Botanisch: Prunus cerasus. Früher unterschied man Weichselkirschen mit rotem und Amarellen mit hellem Saft.

nach obenKronenform

Entsprechend ihrer Abstammung finden wir bei den Süßkirschen vorwiegend die Pyramidenkrone mit einer ausgeprägten Stammverlängerung. Bei einigen wenigen Sorten lässt mit zunehmendem Alter das Wachstum der Mitte nach, die Krone wird breiter. Die "Cerasus"-Abkömmlinge gestalten ungleichmäßige und weniger symmetrische Kronen von geringerem Durchmesser.

Aus ursprünglichen Bukettknospen entwickelte sich waagerechtes Fruchtholz.
© von Soosten, Rolf
Aus ursprünglichen Bukettknospen entwickelte sich waagerechtes Fruchtholz.
Ein idealer Ausgang zur Gestaltung, sowohl für eine Krone mit betonter Mitte als auch für eine Hohlkrone.
© von Soosten, Rolf
Ein idealer Ausgang zur Gestaltung, sowohl für eine Krone mit betonter Mitte als auch für eine Hohlkrone.

Im Bildmittelpunkt verläuft schräg die Narbe der Verwachsung zwischen Edelreis und Stamm, an der Farbe der Rinde zu erkennen. Die drei Querrillen rühren vom Bindematerial der Veredlung her: Süßkirsche, kopuliert mit einem Reis mit drei Augen.
© von Soosten, Rolf
Im Bildmittelpunkt verläuft schräg die Narbe der Verwachsung zwischen Edelreis und Stamm, an der Farbe der Rinde zu erkennen. Die drei Querrillen rühren vom Bindematerial der Veredlung her: Süßkirsche, kopuliert mit einem Reis mit drei Augen.
Die Veredlungsunterlagen nehmen einen gewissen Einfluss auf die Kronengröße. Nach langjährigen Züchtungsarbeiten konnten die Schwachwuchs induzierenden 'Gisela'-Klone für Süßkirschen eingeführt werden. Welche Lücke im Bedarf sie füllten, sieht man an der schnellen Verbreitung. Bei Sauerkirschen spielen schwachwachsende Unterlagen wegen des natürlich geringeren Wuchses eine untergeordnete Rolle.

Während früher bei Süßkirschen die Kopulation von Bedeutung war, wird heute auch wie bei der Sauerkirsche okuliert – ein Auge auf die Unterlage in Bodenhöhe gesetzt. Es entsteht dann ein einjähriger Trieb mit vorzeitigen Seitentrieben. Die auf diese Weise erzeugte Ware ist preisgünstig und für den Haus- und Kleingarten ideal. Hochstammkirschen werden durch Pfropfen veredelt und brauchen ein bis zwei Jahre länger bis zum Verkauf, sind dann entsprechend teurer.

nach obenQualitätsmerkmale

Von der Baumschulware bis zum Ertragsbeginn: Wertvolle Ware besteht aus einem geraden Stamm, den in der gewünschten Höhe drei bis fünf Seitentriebe in verschiedener Höhe verlassen. Die Höhendifferenz sollte 10 cm oder mehr betragen. Der Fachmann spricht von der Aststreuung. Quirlartiger Astansatz ist unerwünscht, ausbrechende Äste haben später den Verlust der ganzen Krone zur Folge.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie keine überständige Ware bekommen. Ihnen fehlen an den Seitentrieben im unteren Drittel die Knospen zum Austrieb.
© von Soosten, Rolf
Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie keine überständige Ware bekommen. Ihnen fehlen an den Seitentrieben im unteren Drittel die Knospen zum Austrieb.
Ein Baum mit dieser Veredlung ist für den Laien nicht brauchbar. Beide vorhandenen Seitenäste stehen für einen Kronenaufbau zu steil. Sie müssten stark zurückgeschnitten (nicht weggeschnitten!) werden, um aus der verbleibenden Stammverlängerung im nächsten Jahr eine Krone zu gestalten. Ein Jahr verschenkt!
© von Soosten, Rolf
Ein Baum mit dieser Veredlung ist für den Laien nicht brauchbar. Beide vorhandenen Seitenäste stehen für einen Kronenaufbau zu steil. Sie müssten stark zurückgeschnitten (nicht weggeschnitten!) werden, um aus der verbleibenden Stammverlängerung im nächsten Jahr eine Krone zu gestalten. Ein Jahr verschenkt!

Der unerwünschte Quirl zum Aufbau einer Krone.
© von Soosten, Rolf
Der unerwünschte Quirl zum Aufbau einer Krone.
Der Gegensatz zum Quirl ist die Aststreuung, aus der die geeigneten Seitenäste zum Kronenaufbau ausgesucht werden.
© von Soosten, Rolf
Der Gegensatz zum Quirl ist die Aststreuung, aus der die geeigneten Seitenäste zum Kronenaufbau ausgesucht werden.

nach obenPflanzung

Pflanzware aus dem Container wird so tief gepflanzt wie sie im Topf gestanden hat. Die Veredlung soll über dem Boden stehen. Bäume mit "nackter" Wurzel dürfen nicht "begraben" werden: Die obersten Seitenwurzeln sollen eben mit Boden bedeckt sein. Die Wurzel wird in das vorbereitete Loch gehalten, mit lockerer Erde bedeckt und danach wird kurz mehrfach der Stamm gerüttelt. Die Erde soll sich zwischen den Wurzeln verteilen, damit Hohlräume verhindert werden. Zuletzt wird angetreten.

nach obenPflanzabstände

Die Pflanzabstände richten sich nach der Unterlage. Bei Süßkirschen auf der Gisela 5 (sehr schwach wachsend) werden etwa 3 m empfohlen, auf den stärkeren Unterlagen sollten es 4 bis 5 m sein. Bei Sauerkirschen sind es je nach Bodenbonität 3 bis 4 m.

nach obenSüßkirsche

Süßkirschenkronen werden allgemein mit einer Stammverlängerung erzogen, Sauerkirschen dagegen zu einer Hohlkrone. Bei der ersteren kennen wir das Phänomen des Gummi- oder Harzflusses: Bei Störungen in den Leitungsbahnen bricht der Saftfluss durch die Rinde oder Wunden aus. Solche Störungen entstehen durch Schnitte, die im Inneren des Holzes totes Gewebe verursachen. Besonders unangenehme Folgen erzeugen sie am Stamm oder den wichtigen Seitenästen. Daher vermeide man bei Süßkirschen möglichst den Schnitt und versuche durch Binden zum Ziel zu kommen. Die wichtigen Äste werden so heruntergebunden, dass ihre Endknospen alle in gleicher Höhe sind. Das führt zu gleichstarkem Trieb an allen Ästen und damit zu einer gleichlastigen Krone. Sollte man tatsächlich nicht um einen Schnitt herum kommen, dann bitte nicht am Stamm, sondern nach einigen Knospen, denen der Austrieb ermöglicht wird. Der mögliche Gummifluss wird so aus der Gefahrenzone verlegt. Auch für die weiteren Jahre gilt: Möglichst nicht schneiden. Wenn, dann weit weg vom Stamm!

Nur durch Binden entstandene Süßkirschkrone.
© von Soosten, Rolf
Nur durch Binden entstandene Süßkirschkrone.

nach obenSauerkirsche

Bei der Sauerkirsche wählen wir drei bis vier unterschiedlich hoch angesetzte Äste als Seitenleitäste aus. Sie sollten möglichst gleichmäßig um den Stamm verteilt sein. Den schwächsten kürzt man ein wenig ein – drei oder vier Augen – und schneidet die verbleibenden auf die gleiche Höhe an. Diese gleiche Höhe ist wichtig. Wir nennen sie die Saftwaage.

Da in einer Baumkrone alle gleich hoch sitzenden Knospen gleich stark austreiben, kann auch hier auf diese Weise eine regelmäßig aufgebaute Krone erwartet werden. Über dem obersten angeschnittenen Ast entfernen wir die Stammverlängerung. Im weiteren Verlauf bildet sich die Hohlkrone, deren Vorteil in einer gute Belichtung und der begrenzten Höhe liegt. Äste, die für den Kronenaufbau nicht notwendig sind, werden waagerecht gebunden. Der Harzfluss spielt bei Sauerkirschen keine so große Rolle.

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Schlagworte dieser Seite:

Astansatz, Austrieb, Harzfluss, Kirsche, Krone, Kronenform, Pflanzabstand, Sauerkirsche, Seitenleitäste, Süßkirsche, okulieren, quirliger Astansatz

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
3. Juli 2012

HeiG.

Ich habe eine Sauerkirsche, 15 Jahre alt, die einen Quirligen Astansatz in 1.80 m Höhe hat. Entsprechend gibt es keinen echten Leit-Mitteltrieb. Im Winter scheint nun diese Mitte des Quirls Durch Wasser und dann Frost aufgebrochen zu sein. Die Krone mickert nun in der Laubphase zu 1/3. Meine Hoffnung ist nun, dass mir jemand einen Tip geben kann, diese Frostwunde für den nächsten Winter so abzudecken, dass kein weiterer Schaden Entstehung sich der Baum erholen kann?

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