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Knospe, Blüte, Frucht

Juni 2010 Das Schwellen der Knospen und das anschließende Aufblühen begeistert Gartenbesitzer jedes Jahr. Wenn dann die Bienen und andere Insekten den Pollen von Blüte zu Blüte übertragen, erwartet man bei den Obstgehölzen gut gefärbte und aromatische Früchte. Noch interessantere Vorgänge spielen sich im Inneren von Blättern, Blüten und Knospen ab – ein je nach Obstart unterschiedlicher Rhythmus.


Eine Bukettknospe hat meistens eine Triebknospe, umringt von runden Blütenknospen.
© von Soosten, Rolf
Eine Bukettknospe hat meistens eine Triebknospe, umringt von runden Blütenknospen.
Mit dem Blattfall werden die unterschiedlich geformten Knospen sichtbar: Solche mit Blüten sind rund und dick, die blattbildenden schlank und spitz. Nimmt man eine gute Lupe zur Hilfe, sieht beim Durchschneiden bereits alle Blütenteile im Kleinformat. Doch wann beginnt die Blütenknospendifferenzierung? Grundsätzlich ist dies obstartenspezifisch, sogar innerhalb einer Obstart kann das zwischen frühreifenden und späten Sorten unterschiedlich sein.

Der Prozess der Blütenbildung beginnt in jedem Fall im vorangehenden Sommer. Beim Kernobst können die Fruchtbildung und die Anlage neuer Knospen zeitgleich verlaufen. Bei manchen Sorten konkurrieren beide Abläufe miteinander. Dies kann ein Grund für das periodische Tragen, die Alternanz, sein. Weniger beeinträchtigen sich diese beiden Vorgänge bei Süß- und Sauerkirschen. Die Ernte ist früh und die Knospenbildung wird danach eingeleitet. So auch bei späten Zwetschgen und Pfirsichen. Bei frühen Pflaumen und Pfirsichen kennen wir hauptsächlich regelmäßig tragende Sorten.

Zur Blüteninduktion führen aber andere Prozesse, die von der Wissenschaft noch nicht eindeutig erkannt sind. Eine Rolle spielte das Blühhormon, das von einigen Wissenschaftlern aber infrage gestellt wird. Unter dem Mikroskop erkennt man ab Juli die Primordien zu den Kelchblättern, ab August die Blütenblätter, im September und Oktober die Pollenanlagen, die Pollen oft erst ab November bis März und die inneren Organe wie Fruchtknoten und Samenanlagen ab November bis Dezember. Eine verzögerte Blütenknospendifferenzierung findet bei der Quitte statt. Bei ihr komplettiert sich die Blüte oft erst im Frühjahr.

nach obenWichtige Kronenpflege

Die qualitative Ausbildung einer Knospe spielt eine wichtige Rolle für die Frucht. Versuche in der Mitte des vergangene Jahrhunderts haben gezeigt, dass die Pflege der Krone und die Nährstoffversorgung entscheidender sind als die Klimaverhältnisse. Sie bestimmen die möglichen Samenanlagen, die wiederum die Fruchtgröße beeinflussen. Der Blütendurchmesser, die Blütenstiellänge und das Verhältnis von Blättern zu Frucht sind weitere Kriterien. Schwach entwickelte Knospen haben weniger Blüten, stärkeren Blüten- und Fruchtfall und weniger Anziehungskraft für Insekten.

Da wir das Maß der Befruchtung nicht bestimmen und beeinflussen können, sollte das Ziel eine zuverlässige Befruchtung sein. Auszudünnen ist besser als keine Früchte am Baum zu haben.

Der Erfolg der Befruchtung hängt nicht nur vom Bienenflug ab. Der Zeitpunkt der Vollblüte bringt maximalen Erfolg. Sortenunterschiede, vor allem aber die Witterungsverhältnisse zum Zeitpunkt der Befruchtung entscheiden über den Erfolg. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen begünstigen das Pollenwachstum und die Versorgung des Embryos nach der Vereinigung von Pollen und Samen.

Auch unter günstigen Bedingungen bleibt der Zeitraum begrenzt, beim Kernobst geht man von 2 bis 9, bei Pflaumen nur von 4 bis 6 Tagen aus.

nach obenFruchtertrag

Selbst bei optimaler Befruchtung werden nicht alle Blüten zu Früchten. Beim Kernobst spricht man allgemein – normalen Blütenbesatz vorausgesetzt – von einem Vollertrag, wenn 6 bis 8 % der Blüte zur Frucht werden, beim Steinobst sind es etwa 15 %. Beim Beerenobst liegt die Quote wesentlich höher und kann auf 80 % ansteigen.

Astpartie mit altem abgetragenem, jungem zweijährigem und einjährigem Holz.
© von Soosten, Rolf
Astpartie mit altem abgetragenem, jungem zweijährigem und einjährigem Holz.
Mit dem Ende der Blüte fallen alle nicht oder nicht ausreichend befruchteten Blüten ab. Der sogenannte Junifruchtfall bereinigt ein weiteres Mal den Behang. Beim Kernobst bleiben die Früchte am Baum, in denen die meisten Samenanlagen befruchtet, d. h. die meisten Kerne vorhanden sind. Für den Behang sollten es nicht mehr als ein oder zwei Früchte je Blütenbüschel sein. Das ist jedoch sortenspezifisch. Der sorgsame Gartenbesitzer beginnt mit der Ausdünnung. Nicht nur um größere Früchte zu erzielen, sondern hier beginnt, wie erwähnt, die Blüteninduktion, die Differenzierung der Knospen in Blüten- und Blattknospen. Maßgebend ist ein Überschuss an Kohlehydraten, der durch das Verhältnis der vorhandenen Blätter zu verbliebenen Früchten besteht. Als Faustzahl rechnet man 30 bis 40 gut funktionierende Blätter je Frucht beim Kernobst. Nicht einbezogen werden hier die im schattigen Innenraum der Krone sitzenden Blätter, die der Obstbauer deswegen als "Schmarotzer" bezeichnet. Sie kosten den Baum Assimilate. Darum altes und abgetragenes Fruchtholz entfernen!

Wichtig für die Unterstützung der Blütenknospenbildung ist auch die Ernährung. Dünger werden im Hausgarten zu Beginn der Vegetation gegeben. Und dann? Die höchsten Niederschläge haben wir in den Monaten Juli und August. Mit ihnen werden Nährstoffe ausgewaschen. Voraussetzung für Blütenknospen ist jedoch ausreichende Versorgung der sich bildenden Knospen. Für gute und gleichmäßige Ernten achten Sie zu dieser Zeit auf die Düngung. Wenn organische Dünger, dann sollten die Nährstoffe in diesem Moment pflanzenverfügbar sein.

Sieht man einmal von der Kette Knospe – Blüte – Frucht ab, so haben wir bei allen Gehölzen nach der Ernte einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen. Das Gewächs muss sich auf den Winter einrichten, den es besser im gut ernährten Zustand übersteht.

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Im Spätsommer und Herbst lassen sich wunderhübsche Dekorationen mit Zieräpfeln gestalten. Die Früchte hängen bis weit in den Winter und bieten verschiedenen Vogelarten Nahrung. Trotz ihres Namens sind Zieräpfel auch in der Küche verwendbar, zum Beispiel süßsauer eingemacht als Chutney.
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Befruchtung, Blattknospen, Blüten, Fruchtertrag, Fruchtholz, Kernobst, Krone, Kronenpflege, Niederschläge

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