Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Obst > Entwicklung und Pflege der Säulenbäume
← vorheriger BeitragSorten der Säulenbäume
nächster Beitrag → Düngung der Obstpflanzungen

Entwicklung und Pflege der Säulenbäume

März 2010 "Nichts ist so konstant wie der Wechsel", wusste bereits der Philosoph Heraklit von Ephesos (ca. 520 bis 460 v. Chr.). Dies trifft auch für den Obstbau zu. Als Säulenbäume erfreuen heute Apfelgewächse auch auf kleinsten Flächen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.


Die Sorte 'Arbat' in der Baumschule. Gleichmäßigkeit und Gesundheit zeichnen diese Sorte aus.
© Baumschule Krämer, Detmold
Die Sorte 'Arbat' in der Baumschule. Gleichmäßigkeit und Gesundheit zeichnen diese Sorte aus.

Während des 2. Weltkrieges wurden, um die "Ernährungsschlacht" zu schlagen, so genannte Bleiber-Weicher-Pflanzungen empfohlen: Im Abstand von 8 bis 10 Metern wurden Hochstämme gesetzt, dazwischen für einige Jahre Viertelstämme, die beim Vollertrag der Großen wichen, und zwischen den Reihen Buschbäume, um die Fahrgassen zu nutzen. So auch auf meinem elterlichen Grundstück. Mit zunehmender Bedeutung der Arbeitswirtschaft wichen die Großen, die Kleinen blieben – dieses Prinzip erklärt auch den Namen der Bleiber-Weicher-Pflanzungen.

In den Siebziger waren Plantagen auf der Unterlage M9 modern, mit Abständen von 4,5 × 3 Metern. Zum Ende des Jahrhunderts schrumpften dann die Abstände auf 3,25 × 0,8 Meter – die so genannten Engpflanzungen. Von den "Angstpflanzungen", den Beetpflanzungen, wollen wir besser nicht reden. Später erschienen die Spurtypen, Sorten, bei denen durch spontane genetische Veränderungen (Mutationen) die Internodien verkürzt waren. Die extrem langsam wachsende Unterlage M27 und das Beherrschen der Wachstumsgesetze trugen dazu bei, dass wir uns heute an Apfelbäumen auf kleinsten Flächen, ja sogar auf dem Balkon, erfreuen können – den Säulenbäumen!

nach obenEntwicklung

In den Sechzigern fand ein Kanadier unter seinen Bäumen der Sorte 'McIntosh' einen Baum mit sonderbaren Ästen, die sich durch stark verkürzte Internodien von den anderen unterschieden. Diese Mutation, der 'McIntosh Wijcik', war dann die Basis für Kreuzungen mit andern Sorten, um diese Eigenschaft weiter zu vervollkommnen. Es entstanden die 'Ballerinas', Sorten mit attraktivem Aussehen, aber verbesserungswürdigen Eigenschaften. Aus Russland führte die Baumschule Krämer 1997 die schorfresistenten Sorten 'Arbat' und 'Dzin’ ein. In Frankreich beschäftigte sich die Baumschule Delbard mit der Züchtung und lieferte die neue Generation 'Starline' mit besseren Geschmackseigenschaften. Weitere schorfresistente Sorten brachten die Tschechen auf den Markt. Und selbst Deutschland steht mit zwei Instituten nicht zurück: In Pillnitz entstand die Reihe 'Campanilo' und in der Forschungsanstalt in Geisenheim entsteht die Reihe CATS. Diese Abkürzung steht für "Columnar Apple Trees", die englische Bezeichnung der Säulenbäume.

'Arbat’: 1997 aus Russland eingeführt, saftig, säurebetont. Mitte September pflückreif.
© Baumschule Krämer, Detmold
'Arbat’: 1997 aus Russland eingeführt, saftig, säurebetont. Mitte September pflückreif.
Junger Baum der tschechischen Sorte 'Rhapsodie' in Container.
© Baumschule Krämer, Detmold
Junger Baum der tschechischen Sorte 'Rhapsodie' in Container.

nach obenErkennungsmerkmale

Fruchtspieße am zweijährigen Holz eines Säulenbaumes.
© Baumschule Krämer, Detmold
Fruchtspieße am zweijährigen Holz eines Säulenbaumes.
Säulenbäume erkennt man an zwei markanten Eigenschaften: Die sehr stark ausgeprägte Stammverlängerung mit nur wenigen Seitentrieben und die extrem verkürzten Internodien, also die Distanz von einem Blattansatz zum anderen. Letztere verursacht auch das langsame Wachstum. Blatt-, Blüten-, Frucht- und Rindenunterschiede bewegen sich im Rahmen des üblichen Sortiments.

nach obenVerwendung und Pflege

Es wird immer wieder darüber geschrieben, dass Säulenbäume in Töpfen verwendet werden können. Möglich ist das bestimmt. Ob es aber sinnvoll ist? Schließlich handelt es sich um ein langlebiges Geschöpf, dass viele Jahre Freude bringen soll. Wie ist es denn mit der Ernährung und der Wurzelbildung? Was macht das Pflanzgefäß im Winter? Und was ist im Sommer mit der ungebremsten Sonnenstrahlung auf die Töpfe? Als Gärtner möchte ich hier zur Vorsicht raten. Auch wenn man die Kosten betrachtet, dann ist ein Apfelbaum eben kein Primeltopf.

Das Pflanzgefäß sollte 50 cm Durchmesser haben, ebenso tief sein und im Sommer vor allzu starken Sonnenstrahlen geschützt werden. Durch die Erhitzung des Pflanzgefäßes können die innen an der Wand streichenden Wurzeln leiden. Dies sind die wichtigsten Wurzeln! Trockenheit oder zu viel Wasser schwächt die Pflanze und leistet Krankheiten sowie Schädlingen Vorschub.

Nach einigen Jahren sollte umgetopft und ein Teil der Erde ersetzt werden. Einige Tage danach schattig stellen, denn die neuen Wurzeln müssen sich erst wieder etablieren. Gelegentlich entstehen stärkere Seitentriebe. Sie sollten eingekürzt werden, damit der Baum nicht aus dem Gleichgewicht gerät.

Achten Sie beim Kauf auf eine gute Qualität und machen Sie dabei keine Kompromisse. Später ist nicht mehr viel zu korrigieren. Wenn Sie keine Pflanzen von annehmbarer Qualität finden, ist es besser, ein Jahr zu warten oder in einer anderen Baumschule zu fragen.

Der Pflanzabstand sollte wegen zwecks guter Belichtung 50 bis 60 cm betragen. Der Boden muss tiefgründig und nährstoffreich sein. Da über die dichte Beblätterung viel Wasser verdunstet, tut der Pflanzscheibe eine Mulchdecke aus Torfmull, Stroh oder hochwertigem Kompost gut. Im Hausgarten wird ein Säulenbaum erst im Alter von acht bis zehn Jahren attraktiv und zu einer pflanzlichen "Persönlichkeit".

Abschließend sei gesagt, dass es echte Säulenbäume bisher nur bei den Äpfeln gibt. Der Markt bietet zwar gelegentlich, dem Trend folgend, auch andere Obstarten mit diesen Eigenschaften an, doch früher oder später ist plötzlich eine Krone da, die geschnitten werden muss.


nach obenApfelsorten

Jungbaum der Sorte 'Sonate' mit gut stehendem Seitenholz.
© Baumschule Krämer, Detmold
Jungbaum der Sorte 'Sonate' mit gut stehendem Seitenholz.
Auf dem Markt erhältliche Sorten stellen wir Ihnen in der April-Ausgabe vor.

← vorheriger BeitragSorten der Säulenbäume
nächster Beitrag → Düngung der Obstpflanzungen
'Berbat'
Sorten der Säulenbäume
"Besen": Diesem Baum wird jährlich ein "Rasierschnitt" verpasst. Ansonsten würden alle Früchte im Schatten reifen und vermutlich stippig werden.
Gute Fruchtqualität
'Rubinola' besticht durch einen guten Geschmack. In mehreren Tests schnitt sie sehr gut ab.
Resistente Apfelsorten

Schlagworte dieser Seite:

Apfel, Apfelbaum, Apfelzüchtung, Säulenbaum, Säulenobst

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (2)

1
|
1. August 2010

Anna

Wir haben letzten Herbst 4 Apfelbäume und 1 Kirschbaum gepflanzt.Im Frühling haben die Apfelbäume geblüht,doch der Kirschbaum nicht,er hat aber 4 Austriebe oben.Meine Frage müssen wir alle vier Triebe schneiden wenn ja wann? Besten Dank für Eure Auskunft und liebe Grüsse Anna

2
|
16. Mai 2012

wina aus burgberg

ich habe einen Saeulenapfelbaum vor 11 Jahren gepflanzt und moechte ihn umsetzen ist das moeglich?
Der Baum hat inzwischen drei Saeulen und tragen auch, darf man sie weiter wachsen lassen oder muessen sie geschnitten werden?
Im voraus vielen Dank.

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2018

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de