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Kernobst − Maßnahmen zur besseren Fruchtreife und Ausfärbung

September 2009 Die erste Phase der Ausdünnung – die natürliche Ausdünnung – beginnt wenige Tage nach der Blüte, wenn sich der Baum "reinigt". Es fallen viele verblühte Blüten ab. Durchschnittlich reichen beim Kernobst 4 bis 5 %, beim Steinobst 15 % zu einer normalen Ernte. Bei günstigen Befruchtungsbedingungen verbleiben aber viel mehr. Daher helfen Gartenbesitzer und Obstbauern gern nach und "dünnen aus".


Dabei werden zuerst alle kleinen, beschädigten und ungleichmäßig geformten Früchte eines Blütenstandes ausgebrochen. Schorffleckige und von der Obstmade befallene Jungfrüchte gehören in die Mülltonne. Zu dicht und schattig hängende Fruchtstände an überaltertem Fruchtholz können ganz beseitigt werden. Als Ziel gilt: 40 bis 50 Blätter ernähren eine Frucht und lassen ausreichend Assimilate für die Anlage der nächstjährigen Blütenknospen über. So sichern wir bereits jetzt die nächstjährige Ernte. Der Fachmann spricht von der "Brechung der Alternanz", dem periodischen Tragen. Der Zeitraum zur Ausdünnung beginnt mit dem Ende der Blüte und endet praktisch kurz vor der Ernte. Der blütensichernde Effekt für das nächste Jahr endet mit dem Abschluss der Langtriebbildung, die landschaftlich und jahresbedingt unterschiedlich sein kann, allgemein aber zwischen Ende Juni und Ende Juli liegt.

'Ingrid Marie', eine reichtragende Sorte, muss jährlich ausgedünnt werden, um nicht in die Alternanz zu geraten.
© von Soosten, Rolf
'Ingrid Marie', eine reichtragende Sorte, muss jährlich ausgedünnt werden, um nicht in die Alternanz zu geraten.
Die Früchte mit Schalenfehlern hätten bei einer Ausdünnung herausgenommen werden müssen.
© von Soosten, Rolf
Die Früchte mit Schalenfehlern hätten bei einer Ausdünnung herausgenommen werden müssen.
Der reiche Behang der 'Gellerts Butterbirne' wurde ausgedünnt. Nur gut ausgebildete Früchte blieben hängen.
© von Soosten, Rolf
Der reiche Behang der 'Gellerts Butterbirne' wurde ausgedünnt. Nur gut ausgebildete Früchte blieben hängen.

nach obenSommerschnitt

Dem Sommerschnitt wird eine mehrfach positive Wirkung zugesprochen. Er dient nicht nur der besseren Belichtung der Kronenmitte und der Erleichterung des Winterschnittes. Durch die frühzeitige Beseitigung nicht zu gebrauchender Langtriebe stehen den Früchten – und damit ihrem Zuwachs – mehr Assimilationsprodukte zur Verfügung. Ein sinnvoller Sommerschnitt fördert die Belichtung der Früchte und sorgt zusätzlich für die Blütenknospenbildung des Folgejahres.

nach obenBelichtungsschnitt

Kurz vor der Ernte sieht man die gute Ausfärbung aller Früchte, nachdem der Belichtungsschnitt gemacht wurde.
© von Soosten, Rolf
Kurz vor der Ernte sieht man die gute Ausfärbung aller Früchte, nachdem der Belichtungsschnitt gemacht wurde.
Damit ist der Sommerschnitt dem Belichtungsschnitt sehr ähnlich, doch liegt hier der Schwerpunkt auf der Belichtung der Früchte. Zeitlich folgt er dem Ersteren, denn jetzt im August und September werden die Nächte kühler. Der Wechsel von Sonnenbestrahlung und nächtliche Abkühlung lässt die Fruchtoberfläche färben. "Belichtungsschnitt" sagt in diesem Falle: Freilegen der Früchte zum Farbigwerden! Der rote Farbstoff Anthozyan soll der Fruchtschale Schutz vor den Folgen früher Nachtfröste geben.

nach obenAusgefärbte Früchte

Hier sind deutliche Unterschiede zwischen der herkömmlichen Form der 'Rubinette' und der rot gefärbten Mutante zu sehen.
© von Soosten, Rolf
Hier sind deutliche Unterschiede zwischen der herkömmlichen Form der 'Rubinette' und der rot gefärbten Mutante zu sehen.
Bei gutem Behang ist es sinnvoll, die gut gefärbten Früchte zuerst zu pflücken und die noch nicht ausreichend ausgefärbten einige Tage länger hängen zu lassen. Das fördert nicht nur die Größe, sondern auch das Aroma und die Saftigkeit. Doch sollte man 10 bis 14 Tage nicht überschreiten und die zuletzt geernteten zuerst verwenden. Die Haltbarkeit lässt nach, wenn die Frucht zu spät gepflückt wird.

Aufmerksame Beobachter werden die Zunahme roter Formen bekannter Sorten festgestellt haben. Das beruht nicht nur auf verkaufstaktischen Erfahrungen. Rote bzw. gut ausgefärbte Früchte haben allgemein höhere Zuckerwerte als blasse Früchte des gleichen Baumes. Mit dem Zucker eng verbunden ist die Aromabildung. Schattenfrüchten fehlt die Festigkeit des Fruchtfleisches. Mittlerweile ist die Zahl der roten Formen bekannter Apfelsorten wie 'Boskoop', 'Elstar', 'Jonagold' und 'Cox Orange' unübersehbar. Selbst von neueren Sorten wie 'Gala', 'Delbarestival', 'Fuji' und 'Breaburn' werden im Erwerbsobstbau vornehmlich besser gefärbte Mutanten gepflanzt. Das Sortenkarussell dreht sich immer schneller.

nach obenInnere Qualität

Die verkorkten Zellen im Fruchtfleisch entstehen durch ein Missverhältnis einiger Nährstoffe zueinander – besonders auf Bäumen mit schwachem Behang.
© von Soosten, Rolf
Die verkorkten Zellen im Fruchtfleisch entstehen durch ein Missverhältnis einiger Nährstoffe zueinander – besonders auf Bäumen mit schwachem Behang.
Ein entscheidender Punkt für die innere Qualität ist der Pflückzeitpunkt. Hierüber ist in der September-Ausgabe von 2007 sowie in der Oktober-Ausgabe von 2008 berichtet worden.

Zuletzt, aber deswegen nicht unwichtig, sind die zeitlich nicht eingrenzbaren Maßnahmen. Die Düngung und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit sind dabei zuerst zu nennen. Beginnend mit der Feststellung des pH-Wertes, der nach Übernahme des Gartens alle zwei Jahre kontrolliert und bei Bedarf ergänzt werden sollte.

Der Kali-Gehalt ist für die Fruchtfestigkeit von Bedeutung. Bei zu niedrigem Gehalt zeigen zuerst die Blätter die Mangelsymptome in Form von Verbräunungen der Blattflächen zwischen den Blattnerven.

Da die Phosphorsäure als Nährstoff hauptsächlich für die Blütenbildung gebraucht wird, ist sie für die Fruchtqualität von geringer Bedeutung. Sie ist im Boden sehr stabil, Mangel tritt selten auf. Anders verhält es sich beim Stickstoff, bei dem man nur Momentaufnahmen machen kann. Er ist sehr beweglich, die Aufnahme hängt von mehreren Faktoren ab. Aber ein "Zuviel", sei es durch gutgemeinte Düngung oder durch andere Gartenpflanzen, kann zu weichem Fruchtfleisch und damit zu mangelnder Haltbarkeit führen. Vorsicht also mit Stickstoff-Gaben nach Anfang Juli! Außerdem besteht die Gefahr mangelnder Ausreife des Holzes.

Magnesium dient vor allem der Blattgrünbildung und ist sehr wichtig während der Vegetationszeit, weniger für die Ernte.

Eine ausgewogene Ernährung beugt den physiologischen Störungen vor. Wer kennt nicht das unangenehme Bild der Stippe, der Haut- und Fleischbräune? Es empfiehlt sich, in Abständen von 2 bis 3 Jahren Bodenproben untersuchen zu lassen und sich Aufzeichnungen über die erfolgten Düngegaben zu machen. So erhält man eigene Erfahrungen zur Gesunderhaltung seines Boden.

nach obenInstitute für Bodenuntersuchung

  • LUFA Nord-West Institut für Boden und Umwelt Labor für gärtnerische Erden, Substrate und Gießwasser, Jägerstr. 23-27, 26121 Oldenburg, www.lufa-nord-west.de
  • Institut Koldingen GmbH, Breslauer Str. 60, 31157 Sarstedt, Telefon: 05066/901930
  • Agrolab-Gruppe, Dr.-Pauling-Str. 1, 84079 Bruckberg, Telefon: 08765/939960, www.agrolab.de
  • Lufa-ITL GmbH, Dr.-Hell-Str. 6, 24107 Kiel, Telefon: 0431/12280
Die Sorte 'Delbardestivale' bekommt nur bei intensiver Sonnenbestrahlung eine rote Wange. Sie ist ein Zeichen für gutes Aroma.
Fruchtqualität verbessern
Befall durch Valsa, verursacht durch Nichtharmonieren der Veredlungspartner. Hier sind die weißen Poren während einer Trockenperiode zu erkennen, aus denen bei ausreichender Feuchtigkeit die Sporen herausquellen.
Valsa oder Krötenkrautkrankheit
Zur Vermeidung einer periodischen Fruchtbarkeit ist eine Ausdünnung des Fruchtansatzes vorzunehmen. Linkes Bild: vor der Ausdünnung. Rechtes Bild: Die gleiche Triebpartie nach der Ausdünnung. Lediglich die beste Frucht eines Blütenstandes wurde belassen, sodass, je nach Sorte, alle handbreit eine Frucht sitzt.
Wie viele Früchte soll der Baum tragen?

Schlagworte dieser Seite:

Apfel, Apfelzüchtung, Ausdünnung, Baumschnitt, Belichtungsschnitt, Birne, Bodenuntersuchung, Butterbirne, Düngung, Kernobst, Sommerschnitt

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