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Erbeeren selbst vermehren?

Juli 2009 Einen Baum pflanzt man – nach Meinung unserer Vorfahren – einmal im Leben. Obstbäume im Haus- und Kleingarten alle zehn Jahre. Erdbeeren aber sollte man jedes Jahr neu pflanzen. Damit verbindet man die etwas frühere Ernte der Einjährigen mit der oft üppigeren Ernte der Zweijährigen. Obendrein vermindert sich das Risiko der Spätfröste und der Botrytisfäule. Also: Überdenken Sie Ihre Strategie.


Zuerst einpaar rechtliche Punkte. Geschützte Sorten – jene, die dieses kleine ® hinter dem Namen haben, dürfen laut Gesetz nur für eigene Zwecke vermehrt werden. Auch die Ausreden "nur für den Nachbarn" oder "für die Kinder" sind in einem Rechtsstreit nicht haltbar. Wenn auch das Wort "wo kein Kläger, da kein Richter" verbreitet ist, denken Sie an die Missgunst mancher Menschen.

Bemühen wir noch einmal die Botanik: Unsere normalen Erdbeersorten gehören zu den "Kurztagspflanzen". Sie bilden die Blütenanlagen für die nächste Ernte in dem Moment, wenn die Tage kürzer werden als die Nächte – Mitte September! Menge und Blütengröße sind abhängig von der Blattmasse, der Lichtintensität und der Zahl der hellen Tage bis zum Winterbeginn. Wollen wir also eine möglichst große Ernte als Belohnung für unsere Bemühungen, so sollten wir dafür sorgen, dass zum genannten Zeitpunkt auch möglichst viele große und gesunde Blätter vorhanden sind.

Etwa in dieser Phase setzt die Bildung der Wurzelspitzen ein. Der richtige Moment zum Schneiden der Setzlinge.
© von Soosten, Rolf
Etwa in dieser Phase setzt die Bildung der Wurzelspitzen ein. Der richtige Moment zum Schneiden der Setzlinge.
Der Weg dorthin: In seinem Bestand kennzeichnet man durch Stöcke jene Pflanzen, die gesund sind, die sortentypisch aussehen und zufriedenstellende Ernte gebracht haben. Es sollten möglichst die Einjährigen sein, denn sie beginnen wiederum früher mit der Ausläuferbildung. An der Spitze dieser Ausläufer entwickelt sich zuerst ein Blatt, dann bilden sich auf der Unterseite aus einigen weißen Punkten die ersten Spitzen der Wurzeln. Hat sich dieses Blatt voll entfaltet und messen die Wurzelspitzen eine Länge von etwa zwei Millimetern, schneidet man dieses junge Pflänzchen sauber ab.

Als Pikierbeet – so nennen es die Gärtner – kann ein großer Topf oder eine Tomatenkiste o. ä. mit einem Gemisch aus Erde, Torfmull und Sand zu gleichen Teilen dienen. Das Substrat wird angedrückt, befeuchtet und die Setzlinge etwa einen Zentimeter tief im Abstand von 3 × 3 oder 4 × 4 cm eingesetzt.

nach obenWasser marsch!

Das Pflanzmaterial darf nicht welken! Nach dem Setzen sprüht man reichlich. Das Wasser darf gern am Setzling herunterlaufen. Über dieses Gefäß zieht man eine durchsichtige Plastiktüte – ich missbrauche für diese Zwecke Mülltüten, jene "gelben Säcke", und schließe sie völlig. Hell aufgestellt, bleiben sie 8 bis 10 Tage unangetastet. Lediglich bei Sonnenschein lege man eine einfache feuchte Zeitung darüber. Sollten die Setzlinge trocken oder gar welk geworden sein, öffne man die Tüte und sprühe reichlich mit Wasser.

nach obenPflanzzeitpunkt

Je nach Klimabedingung sind nach 2 bis 3 Wochen die Wurzeln fest im Substrat etabliert. Wenn sie beginnen, ineinander zu wachsen, ist der Zeitpunkt der Pflanzung gekommen. Ein gut vorbereiteter Boden – bitte nicht nach Frühkartoffeln(!) – mit Kompost aufbereitet, fördert das Wachstum. Unmittelbar nach der Pflanzung kann leichter Schatten den Anwachsschock mindern und für zügiges Wachstum sorgen.

Nun ein Wort zur Pflanzhöhe: Der meist verbreitete Fehler bei der Erdbeerpflanzung ist das "Zu tiefe Pflanzen". Die Knospe, aus der die Pflanze entsteht, sitzt auf dem Ausläufer! Die Wurzelspitzen erscheinen unter ihm. Das ist die genetisch fixierte Weise zur vegetativen, sprich ungeschlechtlichen Fortpflanzung.

Zu tief gesetzt: Die sichtbare Wirkung davon!
© von Soosten, Rolf
Zu tief gesetzt: Die sichtbare Wirkung davon!
Zu tief gesetzt: Spätestens nach dem ersten Regen nach dem Pflanzen sieht man die richtig oder falsche (wie hier) Pflanzhöhe.
© von Soosten, Rolf
Zu tief gesetzt: Spätestens nach dem ersten Regen nach dem Pflanzen sieht man die richtig oder falsche (wie hier) Pflanzhöhe.

Bei der Pflanzung am endgültigen Standort kommt es auf die Höhe an, um zu verhindern, dass in der Wurzel lebende Pilzkrankheiten, wie Rhizomfäule (die auch die Lederbeerenfäule verursacht), nicht von der Knospe her eindringen können.

Gesundes Rhizom einer Erdbeerpflanze
© von Soosten, Rolf
So sieht ein gesundes Rhizom aus …
Durch den Pilz der Rhizomfäule befallene Wurzelstücke an Erdbeerpflanzen
© von Soosten, Rolf
… und so das durch den Pilz der Rhizomfäule verdorbene Wurzelstück. Derselbe Pilz befällt die Beere im grünen Zustand und verursacht die Lederbeerenfäule.

nach obenHöhere Ernte bei gleichem Aufwand

Kommen wir zurück auf den Pflanztermin. Die ersten pikierfähigen Ausläufer sind Mitte der Ernte vorhanden, also Mitte bis Ende Juni. Etwa vier Wochen später kann gepflanzt werden. Mitte September beginnt eine gut entwickelte Pflanze mit der Bildung von Blütenknospenanlagen. Im Erwerbsobstanbau sagen wir: Eine Woche früherer Pflanztermin bedeutet – bei gleichem Arbeitsaufwand – 1.000 kg Ernte je Hektar mehr im kommenden Jahr! Hat das für Sie keine Bedeutung? Pro Pflanze 25 g, also eine dicke Beere je Pflanze mehr bei gleichem Aufwand!

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Schlagworte dieser Seite:

Erdbeere, Rhizomfäule, Setzling, vermehren

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