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Quitten, vergessene Früchte?

Mai 2009 Aufmerksamen Lesern von Obst- und Gartenbaublättern wird sicher auffallen, dass der guten alten Quitte kaum Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die Gründe dafür? Möglicherweise spielt hier der Generationswechsel eine Rolle. Da die Quitte selten roh gegessen, sondern verarbeitet wird und die Arbeit in der Küche bei der jüngeren Generation oft durch vorgefertigte und Fertiggerichte erleichtert wird, verschwinden auch die Kenntnisse über die Verarbeitung solcher seltenen Obstarten.


Baumschulen produzieren nur nachgefragte Pflanzen. Damit verändert sich auch der Pflanzenmarkt. Entsprechend selten werden Informationen über die Produkte wie Marmelade, Gelee, Brände und Dörrobst. In modernen Sortenbeschreibungen für den Erwerbsobstbau werden Quitten nicht mehr genannt. Schade!

Der für Quitten typische Flaum bleibt bis zur Ernte erhalten.
© von Soosten, Rolf
Der für Quitten typische Flaum bleibt bis zur Ernte erhalten.
Kürzlich geerntete Früchte: Bei einigen sieht man die ausgewachsenen Kelchblätter.
© von Soosten, Rolf
Kürzlich geerntete Früchte: Bei einigen sieht man die ausgewachsenen Kelchblätter.
Wie Apfel und Birne zählt die Quitte zum Kernobst. Mit der Letzteren hat sie die gelegentlich vorkommenden "Steinzellen" gemeinsam. Ergänzend muss hier noch die Mispel genannt werden. Der innere Bauplan der Frucht ist bei allen gleich. Doch hat die Quitte meist viele Kerne, eine dicke Schale, die bei allen Sorten mit einen pelzartigen Flaum bedeckt ist und deren Kelchzipfel stärker, häufig blattartig ausgeprägt sind. Die Grundfarbe ist Gelb in verschiedenen Tönen, Deckfarbe kann nicht ausgebildet werden. Da das Fruchtfleisch sehr hart ist und bis zur Fäulnis bleibt, wird sie nur verarbeitet verwendet.

Einen weiteren botanischen Unterschied weist die Blütenknospe auf: In ihr sitzt nur eine Blüte. Ihre Qualität ist abhängig von ihrer Position und der Anzahl reifender Früchte, mit denen sie sich die von den Blättern gebildeten Assimilate teilen muss. Laut Literatur kann es schon in der Knospe zur Befruchtung kommen. Die Blütenblätter sind größer und weit geöffnet.

An diesem alten Fruchtholz lässt sich die enorme Fruchtbarkeit mancher Sorten ablesen.
© von Soosten, Rolf
An diesem alten Fruchtholz lässt sich die enorme Fruchtbarkeit mancher Sorten ablesen.
Wir kennen Quitten allgemein als Busch, veredelt auf der Quittenunterlage A. Vergangene Generationen veredelten auf Weißdorn als Stammbildner zu Viertel- und Halbstämmen, um die Krone aus der frostgefährdeten Bodenzone herauszubekommen.

Die Krone kann, je nach Sorte, Boden- und Klimaverhältnissen, über drei Meter Durchmesser haben. Hinsichtlich des Schnittes lässt sie sich einfach handhaben. Regelmäßiges Auslichten sorgt für ausreichend Licht und Luft im Kroneninneren. Das ist bei dieser Obstart besonders wichtig: Die Blütenknospendifferenzierung setzt zwar wie bei anderen Kernobstarten im Juli ein, dauert aber bis zum Abschluss der Vegetation. Solange dauert auch die "Saugkraft" der Früchte nach den Assimilaten. Daher bleibt für die Blütenknospenbildung nur dann etwas über, wenn alle Blätter ausreichend belichtet werden.

Beim Blick ins Innere dieser Krone greift man unwillkürlich zur Schere: Auslichten!
© von Soosten, Rolf
Beim Blick ins Innere dieser Krone greift man unwillkürlich zur Schere: Auslichten!
Bei dieser ungepflegten Krone ist zweimaliger intensiver Schnitt vonnöten.
© von Soosten, Rolf
Bei dieser ungepflegten Krone ist zweimaliger intensiver Schnitt vonnöten.

nach obenPflanzenschutz

Pflanzenschutzprobleme treten nur sehr selten auf. Die Blattbräune wird gelegentlich als Folge feuchter Sommer genannt. Eine Spitzendürre bekämpft man durch Rückschnitt ins gesunde Holz. Junge Früchte und Triebe sind durch die filzartige Behaarung gegen tierische Schädlinge weitgehend geschützt. Spezielle Schädlinge kennen wir nicht.

nach obenStandortbedingungen

Im mitteleuropäischen Raum wächst die Quitte fast überall. Ein guter tiefgründiger und warmer Boden ist Voraussetzung für gesundes Wachstum. Für gute geschmackliche Qualitäten allerdings ist ein warmes Klima – Weinbau – Voraussetzung. Unbedingt sollte es aber ein windgeschützter und sonniger Standort sein. Trotzdem wird sie nie voll ausreifen, sie bleibt hart bis zum Frost und erst dann wird sie geerntet.

nach obenSorten

Im Sortiment hat sich nicht viel geändert. Zu den birnenförmigen Sorten gehört die großfrüchtige Sorte 'Bereczki Birnenquitte', die bei Vollreife goldgelb und stark behaart ist. Das Fruchtfleisch färbt sich beim Kochen rötlich. Sie verlangt einen warmen Standort und ist im Holz nicht ganz frostfest.

Die ebenfalls großfrüchtige Sorte 'Portugiesische Quitte' färbt sich bei der Reife kräftig gelb und hat eine typische Birnenform mit geringem Filz. Das aromatische Fruchtfleisch ist hellgelb. Das Holz gilt als frostempfindlich und ist daher nur für entsprechendes Klima geeignet.

Die Form der Sorte 'Riesenquitte von Lescovac' ähnelt eher einem Apfel mit dicken Rippen. Die Früchte sind bis zur Ernte ungleichmäßig gelb gefärbt. Eine frühe und reichtragende Sorte mit hohen Ansprüchen an den Standort.

Die Sorte 'Champion' wird heute nur noch selten genannt. Ihr Äußeres ist hellgelb und behaart, das Fruchtfleisch sehr aromatisch und das Holz relativ frostfest.

Wenn auch die Neupflanzungen im Moment unterbleiben, so sollte man doch die noch vorhandenen Exemplare pflegen und zu schätzen wissen. Vielleicht freut sich in der nächsten Generation jemand über diese schöne Obstart.

nach obenImmer noch ein Genuss

Quittengelee
© J. Scholz / PIXELIO, www.pixelio.de
Quittengelee
Während frühere Erzeugnisse wie Marmelade und Quittenbrot nicht mehr dem Geschmack der Zeit entsprechen, gilt das Quittengelee noch immer als etwas Besonderes. Auch der Brand aus voll reifen Früchten wird von Kennern als eine Rarität geschätzt. Mögen Sie den Duft, kann eine Frucht im Treppenhaus oder Flur die ganze Wohnung verzaubern.

Bild 1: Gute Obsternte dank erfolgreicher Bestäubung.
Partnerwahl der Obstgehölze
Birnenquitte
Die "neuen" Quitten
Zwerg-Himbeere 'Ruby Beauty'
Zwerg-Obst

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Diesen Artikel kommentieren (1)

1
|
21. August 2013

B. Affrini, Guggisberg

Gibt es die Quitte als Säulenbaum? Freundliche Grüsse B. Affrini

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