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Frostschutz: im April bereits daran denken

Frostschutzberegnung bei wolkenlosem Himmel verursacht phantastische Bilder für wenige Stunden.
© von Soosten, Rolf
Frostschutzberegnung bei wolkenlosem Himmel verursacht phantastische Bilder für wenige Stunden.

April 2009 Die ersten Maitage bereiten den Gartenbesitzern alljährlich Sorge: Die Eisheiligen können in Abhängigkeit von der Großwetterlage, von der Geländeform, der Bodenfeuchtigkeit und dem Bewuchs an verschiedenen Obstarten und Zierpflanzen Schäden in unterschiedlichem Maße verursachen. Um abzuschätzen, ob eine Gefahr besteht, werfe man zuerst einen Blick auf die Wetterkarte.


Hochdruckgebiete, insbesondere jene, die aus dem Osten kommen, bringen häufig kalte Luft mit. Sie gefährden in den östlichen Landesteilen das Blütegeschehen, während atlantische Tiefs feuchte und nur mäßig kalte Witterung verursachen. Den Internetnutzern wird es da leichter gemacht, denn z. B. www.wetter.de oder www.wetter.com geben bis zu 16 Tage Voraussagen und weisen auf Sonderheiten wie Nachtfrostgefahr hin.

Kleinräumige Unterschiede entstehen dadurch, dass Kaltluft schwerer ist als Warmluft. Daher sind Tallagen gefährdeter als Hanglagen. Wenn die abgekühlte Luft nicht abfließen kann, entstehen Kaltluftstaus.

Zwei Begriffe sind zu unterscheiden:
  1. Als Windfrost werden Kaltluftmassen polaren Ursprungs bezeichnet, die in nennenswerter Bewegung sind.
  2. Strahlungsfrost entsteht unter bestimmten Umständen stets am Ort und bewegt sich nur sehr langsam aber stets bergab.

Erfahrungsgemäß können alle Obstarten durch Kaltluft geschädigt werden. Da meist die niedrigsten Temperaturen in Erdhöhe gemessen werden, ist auch die Erdbeere am stärksten gefährdet. Aber auch die Blütezeit und das Stadium, in dem sich die Blüte zum Zeitpunkt des Frosteinbruchs befindet, entscheiden mit über den Schaden.

Pfirsich und Süßkirsche gehören zu den am frühesten blühenden Arten. Bei ihnen ist Frostschutz mit Hilfe von Überkronenberegnung problematisch: Durch das Wasser verkleben die Pollen, die Befruchtung kann dadurch beeinträchtigt werden. Die Folge ist verstärkter Fruchtfall. Auch die Zwetschge und Artverwandte reagieren nicht immer positiv. Das kann mit dem sehr feinen Blütenblatt zusammenhängen. Daher installiert der Erwerbsobstbau beim Steinobst die Regner unter der Krone.

nach obenFruchtfehler

  • An Früchten, die nicht verfroren sind, entstehen Schalenfehler: ein Kranz von Kelchrissen. | © von Soosten, Rolf
  • Bei Johannisbeeren fallen die geschädigten Früchte ab, man spricht vom Verrieseln. | © von Soosten, Rolf
  • Alle erfrorenen Narben verfärben sich einige Stunden nach dem Frost schwarz. | © von Soosten, Rolf

nach obenFrostschutzberegnung

Gute Erfahrungen liegen seit langem beim Kernobst, speziell beim Apfel vor. In manchen obstanbauenden Landschaften gehört die Frostschutzberegnung zur obligatorischen Einrichtung einer kommerziellen Plantage. Nach einer Frostnacht entstehen bizarre Baumgestalten und eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Atmosphäre, die in wenigen Stunden verschwunden sein kann. Aber dann beginnen die Nachteile, die oft nicht mit einkalkuliert werden: Durch eine mehrstündige Frostberegnung – oft mehrere Nächte nacheinander – werden enorme Mengen Wasser auf das Gelände gepumpt. Abkühlung des Bodens, Nährstoffauswaschungen und Strukturschäden können die Folge sein.

Für den Hausgarten kommt die Frostberegnung nur selten infrage. Sie stellt sogar eine Gefahr dar, weil bestimmte Gesetzmäßigkeiten eingehalten werden müssen. Zum Bestimmen des Beginns bedarf es besonderer Thermometer, die die Temperatur unter einer feuchten Gaze messen. Während der Beregnung darf es nicht zu einer Unterbrechung kommen! Abgeschaltet wird erst, wenn die Temperatur deutlich über 0 °C liegt. Aus diesen Fakten ist zu ersehen, dass zum Bau einer erfolgreichen Frostschutzberegnung nicht nur Fachwissen, sondern auch spezielles Material gehört.

nach obenFrostschutz im Garten

Was kann aber der Hausgartenbesitzer tun, um wenigstens ein Minimum an Vorkehrungen zu treffen? Schwarzer, unkrautfreier Boden nimmt tagsüber mehr Wärme auf. Je mehr Wärme vorhanden ist, umso mehr Kaltluft kann erwärmt werden. Das Wärmepotential ist in einem feuchten Boden höher als in einem trockenen. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Boden nicht frisch gelockert sein, denn der lockere Boden enthält viel isolierende Luft, die eine Erwärmung verhindert. Es ist ratsam, einige Tage vor einer zu erwartenden Spätfrostperiode den Boden zu beregnen. Deswegen die zeitige Beobachtung der Wettervorhersage! Rasenflächen in der unmittelbaren Umgebung sind zu mähen.

nach obenAbdecken der Pflanzen

Erdbeerblüten
© Rita Köhler / PIXELIO, www.pixelio.de
Erdbeerblüten
Blühende Erdbeerbestände sind am ehesten durch Abdecken zu schützen. Mit alten Decken, Säcken, aber auch mit Stroh kann die Pflanze nachts zugedeckt werden. Folien und Vliese sind nur bedingt geeignet. Sie lassen die Energie durch und verhindern lediglich die Differenz zwischen absoluter und gefühlter Temperatur.

Der Gedanke, das Stroh schon vor der beginnenden Blüte unter die Blütenstände zu bringen, um damit zugleich auch Frost abzuwehren, ist völlig falsch. Das Stroh verhindert die Erwärmung des Bodens durch die Sonne und der nächtliche Energierückfluss kann nicht stattfinden. Um mit Stroh Frostschutz zu er zielen, muss das Stroh über die Pflanze und die gesamten Zwischenräume ausgebracht werden. Hier wird die isolierende Wirkung des Strohs genutzt.

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