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Die verflixten botanischen Namen

Die verflixten botanischen Namen
© Titze, Winfried
Die verflixten botanischen Namen

Dezember 2007 Wenn jemand von der Teckelbohne1 spricht, weiß sein Zuhörer dann auch wirklich, dass damit die Dicke Bohne gemeint ist? Und ist jeder Freizeitgärtner darüber informiert, dass Zucchetti, Zucchini und Gartenkürbis artidentisch sind?


Im Gegensatz zur Angabe Puffbohne ist die Bezeichnung Vicia faba eindeutig. Sie lässt auch sofort erkennen, dass diese Art nicht zu den Busch-, Stangen- oder Feuerbohnen (= Gattung Phasaeolus) gehört.
© Titze, Winfried
Im Gegensatz zur Angabe Puffbohne ist die Bezeichnung Vicia faba eindeutig. Sie lässt auch sofort erkennen, dass diese Art nicht zu den Busch-, Stangen- oder Feuerbohnen (= Gattung Phasaeolus) gehört.
Carl v. Linné (1707 – 1778), der bekannte schwedische Naturforscher, entwickelte mit der "Binären Nomenklatur" (einer aus zwei Einheiten bestehenden Namengebung; etwa wie bei uns z. B. Gerhard Schulze) ein international gültiges System wissenschaftlicher (lateinischer) Benennung von Organismen, u. a. Pflanzen, das die obigen Unklarheiten beseitigt. So heißt z. B. die Dicke Bohne (und damit die Teckelbohne) Vicia faba (korrekte Schreibweise: kursiv). "Vicia" (= Wicke) ist der Gattungsname, den auch noch andere Nahverwandte dieses Gemüses tragen (mindestens 15 Wickenarten); "faba" (= etruskischer Pflanzenname: Bohne), der Artname, legt hingegen die konkrete Art innerhalb dieser Gattung fest und gibt – übersetzt (in dem Falle "Wickenbohne") – meistens Hinweise auf ihre kennzeichnenden Merkmale. Sie hat nicht noch einmal ihresgleichen. Die so zusammengefügten Begriffe sind also einzigartig, einheitlich, beständig und im Gegensatz zu mundartlichen Benennungen (siehe Tabelle) exakt.

Benennung einer Art

Deutsche Bezeichnungen1Wissenschaftliche Bezeichnung
GattungArt dieser Gattung
Dicke Bohne, Pferde-, Puff-, Sau-, Schweins-, TeckelbohneViciafaba
Sellerie, ZellerApiumgraveolens

Die beiden Beispiele in der tabellarischen Darstellung erscheinen unkompliziert und übersichtlich. Geringfügige Unterschiede in der Organausbildung, Farbe und anderer Eigenschaften der Pflanzen – hier Gemüsearten – können allerdings zur Aufstellung von Unterarten, Varietäten (Abarten) sowie Formen und damit zur Erweiterung der Namen führen.

Dafür ist der Sellerie ein einfacher Musterfall: Apium graveolens meint die Art Sellerie schlechthin (Apium = Sellerie, graveolens = stark duftend). Da es aber mehrere Abarten von ihr gibt, die ebenfalls einer unmissverständlichen Benennung bedürfen, heißt z. B. der Knollensellerie A. graveolens var. rapaceum (von rapacus = rübenartig), der Bleich-/Stielsellerie A. graveolens var. dulce (von dulcis = süß) und der Schnittsellerie A. graveolens var. secalinum (von secalinus = Schnitt-)2.

Bei den Kohlgewächsen wird’s etwas komplizierter: Der Blumenkohl beispielshalber heißt Brassica oleracea convar. botrytis var. botrytis, was besagt: Brassica oleracea (= Art) convar. botrytis (= Unterart) var. botrytis (= Varietät/Abart). Dabei bleiben einerseits Apium bzw. Brassica und zum anderen beide Benennungs-"Überbleibsel" die oben erwähnten zwei Einheiten der Namengebung.

Reicht es Ihnen? Bestimmt! Aber einfacher und präzise zugleich geht es nicht. Und welchen Wert die wissenschaftlichen Bezeichnungen haben, wurde mir 1979 in Moskau auf der Allunionsausstellung besonders bewusst. Dort informierten im Küchenkräutergarten gelbe Etiketten in kyrillischer Schrift (siehe Bild oben) offensichtlich kurz über jede Pflanzenart. Ich "verstand nur Bahnhof". Aber wären mir die Kräuter nicht bekannt gewesen, so hätten die ebenfalls aufgeführten botanischen Namen in ihrer "Normal-Schreibweise" eine hilfreiche Brücke zum der Landessprache unkundigen Besucher gebildet und zumindest die Arten preisgegeben. Denn: Ob in Deutschland, Amerika oder Russland – sie gelten überall und man weiß genau, welche Pflanze gemeint ist.

Botanische Namen begegnen dem Freizeitgärtner des öfteren. Er braucht sie nicht zu beherrschen. Es ist aber gut zu wissen, wie sie zustande kommen und "was hinter ihnen steckt".


1 Deutsche Bezeichnung (auch in der Tabelle) nach Becker-Dillingen 1956
2 A. = jeweils die Abkürzung für Apium

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