Inhalt
Ihre Sucheingabe:

Sie befinden sich hier: Pflanzen > Gemüse > Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe
nächster Beitrag → Kräuter für die Küche

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe

„Medizin“ zum Reinbeißen: Vor allem Gemüsearten enthalten viele wertvolle sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe
© Winkhoff, Robert
„Medizin“ zum Reinbeißen: Vor allem Gemüsearten enthalten viele wertvolle sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe

Januar 2007 Eine glatte fünf, also die Note mangelhaft, sei den Bundesbürgern hinsichtlich ihrer Ernährung zu bescheinigen, behaupten Ernährungsexperten. Aber weshalb ein derart hartes Urteil? Weil die Deutschen durchaus als "Obst- und Gemüsemuffel" durchgehen könnten, so die Argumentation. Im Schnitt gerade einmal die Hälfte der täglich empfohlenen 600 g Obst und Gemüse (O+G) wird auf deutschen Tischen serviert, beklagt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. in ihrem Ernährungsbericht.


Mit Blick auf die Inhaltsstoffe von O+G wird der "Ernährungsrüffel" verständlich. Denn O+G stellen nicht bloß ein hungerstillendes Lebensmittel dar, sondern liefern dem Menschen mit den von der Pflanze aufgebauten (synthetisierten) Stoffen ernährungsphysiologisch viele wertvolle Substanzen. Stoffe, die für den menschlichen Organismus unerlässlich sowie der Gesundheit zuträglich sind.

Hierbei sind vor allem Vitamine, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Inhaltstoffe von Interesse.

nach obenMit "sekundären Stoffen" primär geschützt

Ist die große Bedeutung der Kohlenhydrate oder auch der Vitamine hinlänglich bekannt, sind es insbesondere die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe (SPI), die seit einiger Zeit Ernährungsfachleute und Wissenschaftler verstärkt auf den Plan rufen. Aber was genau verbirgt sich hinter der Bezeichnung SPI, was macht sie so interessant?

Die Umschreibung "sekundär" ist letztlich etwas irreführend. Keineswegs drückt die Bezeichnung sekundärer Pflanzeninhaltsstoff eine Wertigkeit aus. Vielmehr meint der Begriff, dass eine Pflanze neben dem Primärstoffwechsel, bei dem Grundbausteine des Lebens wie Kohlenhydrate, Fette oder Eiweiße entstehen, eine ganze Reihe weiterer Verbindungen, eben die SPI, aufzubauen vermag. Und das in erstaunlichen Mengen und Variationen: Bislang haben Wissenschaftler in diversen Pflanzen rund 30.000 chemisch meist völlig unterschiedlich strukturierte SPI gefunden, darunter etwa 1.000 in essbaren Arten. Dessen aber nicht genug: Viele SPI, so nehmen Forscher heute an, warten noch auf ihre Entdeckung und Erforschung. Nicht zuletzt deswegen stellt die Bezeichnung SPI auch einen Sammelbegriff dar.

Im Gegensatz zu den Produkten des Primärstoffwechsels sind die SPI zum Aufbau und zur Entwicklung eines Organismus nicht essentiell. Aber keine Synthese ohne Grund: Einem Großteil der bioaktiven bzw. hochwirksamen SPI wird zugeschrieben, quasi von der Pflanze selbst hergestellte Medizin zu sein. Mit ihnen schützt und stärkt sich ein Gewächs beispielsweise gegen Schädlinge, Bakterien, Pilze oder aggressive Umwelteinflüsse, wie z. B. der UV-Strahlung.

Und genau diese Funktionen sind es schließlich, die das Interesse an SPI seit etwa 20 Jahren haben immens steigen lassen. Denn die Wirkungen der Substanzen begünstigen lebenswichtige Stoffwechselprozesse auch beim Menschen. Wie inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, steigern SPI im menschlichen Körper die eigenen Abwehrkräfte und erhöhen so den Schutz vor Bakterien-, Viren- und Pilzinfektionen. Zudem beeinflussen sie sowohl die Blutzuckerwerte als auch den Blutdruck günstig, reduzieren Gefäßverstopfungen, senken den Cholesterinspiegel und erhöhen die Vitaminaufnahme bzw. den Vitaminverbleib im Blut. Mit diesen Wirkungen steigern SPI den Schutz vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beides noch immer die großen Todesursachen in Deutschland. Aufgrund dieser Schutzfunktionen gelten SPI mittlerweile auch als "Geheimwaffe" gegen schwerwiegende Zivilisationsleiden. Und vor allem Gemüse liefert Munition, denn verglichen mit vielen Obstarten sind die meisten Gemüsearten in aller Regel zwar etwas vitaminärmer, dafür aber reich an SPI.

Nach Auffassung der World Health Organization (WHO) könnten weltweit rund 2,7 Mio. Leben gerettet werden, wenn mehr als 400 g O+G pro Person und Tag verzehrt würde. Rund 19 % der gastrointestinalen Krebsformen (Mund, Speiseröhre, Magen und Darm), etwa 31 % der koronaren Herzerkrankungen und etwa 11 % der Schlaganfälle ließen sich verhindern, so weitere Einschätzungen der Organisation. Viele renommierte deutsche Ernährungsverbände propagieren daher die sogenannte "Fünf-am-Tag"-Kampagne, bei der ein täglicher Verzehr von etwa 600 g O+G, verteilt auf drei Portionen, empfohlen wird.

nach oben"Freie Radikale" gehen ins Netz

Eingeteilt werden die SPI ihrer verschiedenen chemischen Struktur wegen bisher in zehn Gruppen. Zu den bedeutendsten zählen sicherlich Carotinoide, Flavonoide, Glucosinolate und Sulfide.

nach obenCarotinoide

Eine große Gruppe bilden die Carotinoide. Ihr werden bis jetzt 600 verschiedene SPI zugeordnet. Hierunter fallen auch die Farbstoffe in rot- und gelbfarbigen O+G-Arten. Am bekanntesten dürfte wohl das Beta-Carotin sein, das als Vorstufe des Vitamin A anzusehen ist. Möhren, Tomaten, Kürbisse, rote Paprika oder auch Aprikosen sind die Hauptlieferanten. Hohe Konzentrationen halten jedoch auch grünblättrige Gemüsearten wie beispielsweise Wirsing, Spinat, Grünkohl oder Feldsalat bereit. Die roten Farbstoffe in diesen Arten sind nicht ohne weiteres erkennbar, da sie vom grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll überlagert werden. Mit Hilfe der Carotinoide können im menschlichen Körper aggressive Sauerstoffverbindungen, die auch als "freie Radikale" bekannt sind, neutralisiert werden. Das Risiko an Krebs zu erkranken wird somit herabgesetzt.

Lesen Sie auch:
Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe Februar 2007
Die empfohlene tägliche Menge von 600 g Obst und Gemüse (O + G) wird auf deutschen Tischen nicht einmal zur Hälfte erreicht. Die Aufzählung und Beschreibung der für eine gesunde Ernährung so wichtigen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe von Obst und Gemüse wollen wir hiermit fortsetzen.

nächster Beitrag → Kräuter für die Küche
Kohlarten können dazu beitragen, das Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko zu senken
Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe
Gemüse ernten im Hochbeet.
Bioaktive Inhaltsstoffe
Gesundheitstipp vom Kneipparzt: So machen Sie Ihren Körper winterfest

Schlagworte dieser Seite:

Carotinoide, Ernährung, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe (SPI)

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um alle Artikel mit diesem Schlagwort anzuzeigen.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

Diesen Artikel kommentieren (0)

Ihr Kommentar


Datenschutz | Impressum | Kontakt
Die Website enthält Bilder von www.pixelio.de

Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Copyright

Familienheim und Garten
Verlagsgesellschaft mbH
Bonn, 2018

Entwicklung/Realisierung

MultimedaConcept, Bonn
Kennedyalle 17, 53175 Bonn
office@mmcm.de
www.mmcm.de