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Gartenfachberatung: Die Mispel (Mespilus germanica)

Juli 2003 Suchen Sie für einen sonnigen Platz im Garten noch einen geeigneten Strauch? Vielleicht einen mit schöner Blüte und Fruchtschmuck, dessen Früchte man zu leckeren Marmeladen verarbeiten kann? Einen den nicht jeder Nachbar im Garten hat? Dann schreiben Sie zu Ihrer Pflanzenliste für den Herbst doch schon mal die Mispel dazu.


Die Mispel (Namentlich nicht zu verwechseln mit der Mistel oder der Zwergmispel) stammt aus Südeuropa und dem Kaukasus und wurde zur Römerzeit in Südwestdeutschland eingeführt. Sie hatte bei uns im Mittelalter eine große Bedeutung als Fruchtgehölz und durfte in keinem Bauerngarten fehlen. Seit dieser Zeit kommt sie in Deutschland auch verwildert in sonnigen Gehölzhecken vor. Leider ist diese schöne Pflanze bei uns immer mehr in Vergessenheit geraten. Grund genug, sie hier einmal näher vorzustellen.

Mispel
© Archiv
Mispel
Mispeln im Herbst
© Archiv
Mispeln im Herbst
Die Mispel, die zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört, wächst langsam zu einem 3 bis 5 m hohen und breiten Strauch mit malerischer Wuchsform. Ihre auffallenden Blätter sind bis zu 12 cm lang, leicht glänzend und verfärben sich im Herbst rotbraun bis orangegelb. Gerade durch die großen Blätter und die etwas bizarre Wuchsform bringt die Mispel eine schon fast mediterrane Stimmung in unsere Gärten.

Im Mai und Juni schmückt sich der Tiefwurzler mit weißen, bis zu 5 cm großen Einzelblüten. Sind diese verblüht, setzt der Strauch 2 bis 4 cm große, birnenförmige braune Früchte an. Nach dem ersten Frost bekommen die zuvor harten Früchte eine teigige Konsistenz. Jetzt sind sie genießbar und haben einen süß-säuerlichen Geschmack, die Ernte lässt sich zu Mus, Marmeladen und, wegen des hohen Gehalts an Pektinen, gut zu Gelees verarbeiten.

nach obenMispelmarmelade

  1. 1 kg reife Mispeln (nach dem ersten Frost geerntet oder mehrere Wochen gelagert) schälen und durch ein Sieb passieren.
  2. Das Fruchtfleisch mit 750 g Zucker und 0,5 Liter Wasser eine halbe Stunde leicht kochen lassen.
  3. Der cremigen Masse können am Schluss noch ca. 4 Esslöffel Rum oder Whisky beigefügt werden, sie wird dann in saubere, evtl. aufgeheizte Gläser abgefüllt, verschlossen und verkehrt herum an einem dunklen und kühlen Ort gelagert.

Tipp: Mispeln lassen sich gut mit Äpfeln mischen.

Die Früchte können auch bei Wein und Most als Zusatz dienen. In früheren Zeiten wurden die unreifen Früchte wegen ihres hohen Gerbstoffgehaltes auch zum Gerben benutzt, das harte Holz wurde für Drechslerarbeiten verwendet. Als wärmeliebendes Gehölz benötigt die Mispel einen sonnigen Standort und sie bevorzugt kalkhaltige Böden. Obwohl sie als ausreichend frosthart gilt, ist sie für höhere Lagen nicht zu empfehlen.

Mispel Hochstamm
© Archiv
Mispel Hochstamm
Die Mispel gibt es außer als Strauch auch als Hochstamm zu kaufen, eine Besonderheit, die man sehr selten sieht, die allerdings auch ihren entsprechenden Preis hat.

Für die heimische Tierwelt ist die Mispel nicht unbedeutend, der dichte Strauch eignet sich als Brutgehölz, die pollenreichen Blüten werden von den verschiedensten Insektenarten angeflogen und an den Früchten erfreuen sich Vögel wie z. B. Kernbeißer, Amsel und Ringeltaube. Da die Mispel heute kaum noch gezielt kultiviert wird und auch in der freien Landschaft immer mehr verdrängt wurde, kann man durch die Pflanzung im eigenen Garten viel zur Erhaltung dieser interessanten Art beitragen.

Ihr Fachberater aus Baden-Württemberg
Sven Görlitz

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Mispel, Strauch

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Diesen Artikel kommentieren (6)

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7. Oktober 2011

Gisela Witczak

Hallo Herr Görlitz,
danke für diesen Artikel. Ich habe die Mispel in DK auf der Insel Als in einem Knick gefunden und da ich sie nicht kannte, mir ein paar Zweige zwecks Bestimmung mitgenommen,leider aber kein Bild gemacht. Ich habe sie auch bei den Rosen/Hagebutten vermutet, aber im Internet darunter nichts gefunden. Dann aber in einer Gartenzeitung und ich entdeckte sie auch auf der Landesgartenschau in Norderstedt. Meine Frage. Kann ich die Mispel auch bei mir in SH im Garten anpflanzen (wenn ja, welche Sorte) oder wird sie bei mir erfrieren?
Liebe Grüße Gisela Witczak

2
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8. Oktober 2011

Tschirgen

Hallo Herr Görlitz,
Ich habe vor Jahren Kerne von türkischen Mispeln(die sehen von den Früchten her ein wenig anders aus,aber schmecken auch roh sehr lecker),eigene Pflanzen gezogen.Nach Jahren in Töpfen und auf Balkonien hat es nur eine überlebt.Diese habe ich jetzt in den Wintergarten gepflanzt.Und...man wird es nicht glauben,sie ist vom Wuchs her,nahezu explodiert.Schon riesengroß-leider in absehbarer Zeit zu groß.Jetzt würde ich sie gerne in den Garten pflanzen.Habe aber Angst, das sie mir im Winter eingeht.Was empflehlen Sie?
MfG Jürgen

3
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10. Dezember 2011

Rosmarie Weichelt

Habe vor 8 Jahren eine Mispel von einem Versander gekauft. Sie treibt wie wild und hat keinesfalls die typische Wuchsform. Jetzt stellte ich fest, dass sie offensichtlich auf einen Weißdorn gepfropft ist(Austriebe am unteren Stammende) Ist das möglich? Ich muß den Baum jährlich stark schneiden sonst ufert er aus und sieht häßlich aus. Sollte ich lieber eine neue Mispel kaufen? Wie erkenne ich eine "echte"?

4
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10. Dezember 2011

Rosmarie Weichelt

bitte antworten sie

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19. Juni 2014

Beate Hoffmann

Hallo Herr Görlitz,
seit Jahren habe ich schon einen Mispelstrauch im Garten. Kann ich nur weiterempfehlen. Er ist nicht nur dekorativ, sonder ein Allrounder. Jedes Jahr mache ich ab Nov. Mispelgelee. Ein leckerer und nirgends käuflicher Brotaufstrich, für den man jeden Quittengelee stehen läßt. Rezept auf Anfrage

6
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27. Oktober 2015

H.Kunert

Guten Tag,
da ich aus einem Samenkern schon eine stattliche Pflanze im Kübel gezogen habe, will ich diese im Garten aus pflanzen. Nun meine Frage: kann ich in diesem Fall auch mit Blüten und Früchten rechnen.
Danke für die Antwort

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