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Unkräuter

April 2003 Wir wollen hier auf keinen Fall den oft wilden Pflanzen im Garten den totalen Krieg erklären. Ganz im Gegenteil. Eine Vielfalt der Pflanzen kann für den Garten sogar nützlich sein. Ein sorgloses, unüberlegtes und ungepflegtes Durcheinander darf aber mit den bewusst angelegten Mischkulturen oder mit einer gepflegten Wiese bzw. einem wohlüberlegten Biotop, im Interesse der Pflanzen selbst, nicht verwechselt werden. Die Pflanzen im Garten können sich ihre Nachbarn nicht aussuchen – deshalb müssen wir korrigierend eingreifen, liebe Gartenfreunde.


Ehrenpreis,
Ehrenpreis,
Lass die Unkräuter am Leben – hört man immer wieder – es handelt sich doch um die Wildpflanzen, die auch ihre Daseinsberechtigung haben. Eben nicht. Es gibt keinen Botaniker oder Ökologen, der die Pflanzenwelt in Kulturpflanzen und Unkräuter aufteilen würde. Auch die Aufteilung in Kulturpflanzen und Wildpflanzen wird dem Haus- und Kleingarten nicht gerecht.

Ein Garten, auch wenn er sehr naturnah aussehen sollte, wurde doch künstlich angelegt. Er wurde bepflanzt meistens mit edlen, also gezüchteten und deshalb meistens sehr konkurrenzunfähigen Pflanzensorten, die sich ohne unsere Unterstützung sehr schwer mit ihren wilden Artgenossen arrangieren können. Deshalb muss man im Garten über gewünschte (man nennt sie Kulturpflanzen) und unerwünschte, und deshalb prinzipiell bekämpfungswürdige Pflanzen (man nennt sie Unkräuter oder Ungräser), reden. Also in dem Begriff des "Unkrauts" liegt seine Bekämpfungswürdigkeit, sonst wäre es kein Unkraut.

Hornkraut,
Hornkraut,
Wenn Sie gerne Brennnesseltee trinken und deshalb einige Brennnesseln, vielleicht in einer Ecke Ihres Gartens hegen und pflegen, sind diese dort, wo sie wachsen, als Kulturpflanze zu betrachten. Dies gilt aber nicht für die Brennnesseln, die z. B. zwischen Ihren Rosen erscheinen.

Wenn Sie sich vor Ihrem Haus für eine Wiese entscheiden, sind z. B. die Stiefmütterchen darin als Kulturpflanze zu sehen. Wenn Sie aber statt dessen einen englischen Rasen haben wollen, wird alles, was kein vernünftiges Gras ist, also auch die Stiefmütterchen, zum Unkraut. Auch die Weißkohlpflanze hat nur auf dem für diese Zwecke angelegten Gemüsebeet ihre Berechtigung. Wenn sie aber, von Ihnen nicht beabsichtigt, auf einer Blumenrabatte wächst, entscheiden Sie sich sicherlich für ihr Entfernen – sie wird nämlich zum Unkraut.

Sauerklee und
Sauerklee und
Unter "Unkräutern" versteht man also die Pflanzen einer Pflanzengemeinschaft, die dort wachsen, wo sie nicht wachsen sollen. Sie können an konkreten Standorten im Garten aus vielerlei Gründen unerwünscht sein.

  • Sie konkurrieren mit den gewünschten, d. h. mit den sog. Kulturpflanzen, um die Nährstoffe und um Wasser.
  • Sie konkurrieren um Licht – sie beschatten die Kulturpflanzen.
  • Durch das Verdichten der Räume zwischen den Kulturpflanzen verhindern die Unkräuter deren schnelles Abtrocknen, was die Infektionen durch Krankheiten begünstigt.
  • Sie können Zwischen- oder Nebenwirte für Krankheiten und Schädlinge sein, was einen Befall der Kulturpflanzen erleichtert.
  • Sie erschweren die Pflegemaßnahmen.
  • Sie entsprechen nicht dem individuellen, eindeutig subjektiv legitimen Schönheits- oder Ästhetikwunsch des Gartenbesitzers.
  • Manche, wie z. B. Moos, erhöhen Rutsch- und dadurch Unfallgefahr.

nach obenUnd die Parallele zu den Menschen, zur Humanmedizin?

Ist der Konkurrenzkampf der Unkräuter und deren Auswirkungen auf die Kulturpflanzen in einer Pflanzengemeinschaft nicht mit dem "Ellbogenverhalten" mancher Mitglieder unserer Arbeits- oder Nachbargemeinschaft tatsächlich vergleichbar…?

Meistens reicht eine mechanische Unkrautbekämpfung oder das Mulchen. Rindenmulch oder andere organische Materialien haben zusätzlich viele agrotechnische Vorteile. Der Boden bleibt wärmer und er trocknet langsamer aus.

Es gibt aber schwer bekämpfbare, sog. Wurzelunkräuter, wie Quecke, Winde, Brennnessel und Distel usw. Es sind mehrjährige, sich auch vegetativ durch unterirdische Ausläufer vermehrende und verbreitende Unkräuter, die durch Jäten sehr schwer zu bekämpfen sind. Gezielte Nachhilfe mit ausgewählten chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln (Herbiziden) kann hier auch ökologisch vertretbar sein.

Gundermann sind nur einige Beispiele von schwer bekämpfbaren Unkräutern im Rasen.
Gundermann sind nur einige Beispiele von schwer bekämpfbaren Unkräutern im Rasen.
Wenn der Standort zur Staunässe neigt und eine Dränage nicht in Frage kommt, oder ein alter, wertvoller Baumbestand den Schatten spendet, auf den man nicht verzichten will, muss es unwiderruflich zur Vermoosung des Rasens kommen. Und wenn man sich doch für die Gräser entscheidet, wird man in den meisten Fällen flankierend zu allen empfehlenswerten kulturtechnischen Maßnahmen auf die chemische Bekämpfung nicht verzichten können. Und das ist doch nichts Schlimmes, wenn man es vernünftig und sachgerecht macht, mit den für diese Zwecke auch für den Garten zugelassenen Moosbekämpfungsmitteln.

Das gleiche gilt für eine starke Verunkrautung der Rasenfläche. Ein Paradox ist oft dabei, dass sich durch den Einsatz von Rasenunkrautvernichtungsmitteln oft diejenigen Nachbarn belästigt fühlen, die zur Verunkrautung der ganzen Gegend permanent beitragen, weil sie das im eigenen Garten herrschende Durcheinander mit Ökologie und der Biotop-Idee vertauschen und verteidigen.

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