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Autor
Schmidt, Joachim

Wie wird dieses Haus in 20 Jahren aussehen?


Januar 2012 Kaum ist ein neues Haus Bewohnern und Umwelt übergeben, beginnt auch schon sein Alterungs­-Prozess. Unmerklich überzieht die Natur alles mit ihrer Patina. Auf den Fassaden zeigt sich alsbald leichter Grünschimmer, besonders im Schatten großer Bäume. Die Farben verlieren an Leuchtkraft und auch das Dach setzt buchstäblich "Moos" an. Bewusstsein für die Bedürfnisse des Hauses ist wichtig und auch, dass Wert­-Erhaltung ihren Preis hat.

© Reinhard Grieger / PIXELIO, www.pixelio.de
© Reinhard Grieger / PIXELIO, www.pixelio.de
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1) Dachziegel und Betonpfannen halten mindestens 40 Jahre. Sie sollten jedoch jährlich auf richtigen Sitz überprüft werden. Auch auf Spannungsrisse durch Frost oder Hitze. Insbesondere bei schwarzen Dächern, die sich durch die Sonnenstrahlung sehr auf­ heizen. Das geht prima mit dem Fernglas!

2) Giebel-Verbretterungen behalten ihre gute Optik nur durch hochwertige Anstriche, und auch die sollten mindestens alle 8 Jahre erneuert werden. Dunkel gestrichenes Holz wirkt wie ein Sonnenkollektor. Es heizt sich auf und bekommt Trockenrisse. Das ist nicht zu vermeiden!

3) Fassadenfarben müssen elastisch sein, um die unmerklichen Bewegungen moderner Leichtbauwände aufzunehmen. Zeigen sich Risse, ist nach der Ursache zu suchen. Auch Fassaden sollten mindestens alle 8 Jahre gestrichen werden - und nicht mit dem billigsten Produkt aus dem Baumarkt.

4) Verschachtelte Dächer brauchen Dichtungen. Hier eine sogenannte Kehle, die üblicherweise mit Zinkblech ausgelegt ist und das Regenwasser in die Rinne ableitet. Schmutz und Schneehaufen können den Wasserablauf bremsen. Und bei alten Häusern empfiehlt sich beizeiten (nach 30 Jahren) eine Folie aufzulegen, bevor das Zinkblech durchkorrodiert.

5) Die Randeinfassung und Dichtung moderner Dachfenster ist klug durchdacht, aber manchmal wird sie nicht sorgfältig eingebaut. In den ersten Jahren verdienen Dachfenster besondere Beachtung. Aber auch später, denn bei älteren Modellen kann schon mal Feuchtigkeit in die Dämmung wandern. Wenn Dachfenster klemmen, haben sie sich meist verzogen. Sie müssen dann zwischen den Dachsparren neu ausgerichtet werden.

6) Dachrinnen aus Zinkblech halten 20 Jahre und länger, wenn sie immer sorgfältig von Laub und Schlamm gereinigt werden. Denn sonst bildet sich Humussäure, die das Zinkblech mit der Zeit durchfrisst. Auch auf genügend Gefälle in der Rinne ist zu achten! Stauwasser führt zur Eisbildung und häufig zur Verformung oder gar zum Bruch der Rinne.

7) Fensterläden sind eine schöne Sache. Aber sie müssen gut schließen und dürfen bei Wind nicht klappern. Auch hier ist rechtzeitiges Neu-Vermörteln und Nachjustieren von Riegeln und Bändern (Scharnieren) wichtig.

8) Außentüren neigen dazu, sich im Laufe der Jahre zu verziehen. Besonders gilt das für Rahmentüren mit schwerer Isolierglas-Füllung. Ist zu viel Farbe in den Falzen, klemmt die Tür und wird undicht. Wichtig ist auch gute Dichtung an der Türschwelle, damit Zugluft die Diele und anliegende Räume nicht auskühlt.

9) Fensterbänke, ob gemauert, aus Holz oder Blech, sollen den Regen von der Fensterkonstruktion wegleiten. Auch muss das Wasser frei abtropfen und nicht seitlich an der Wand herunter laufen, wie häufig zu sehen. Sind alle Fugen gut gedichtet? Auch Silikon haftet nicht ewig.

10) Moderne Metalltreppen machen es möglich,Dachwohnungen separat zu erschließen. Verzinkte Stahltreppen sind sehr haltbar, doch auch hier darf das Geländer nicht wackeln, und die Treppe muss auch bei Eis und Schnee trittsicher sein, das gilt besonders für hölzerne Stufen. Der Hausbesitzer haftet gegenüber seinem Mieter.

11) Das Dachgesims verbindet den Giebel mit der Dachdeckung. Ein sauber konstruiertes Gesims mit einem deutlichen Dachüberstand macht das Dach nicht nur optisch zur Haube, der Überstand schützt auch wirkungsvoll vor Regen. Da Dachgesimse nicht gut erreichbar sind, werden sie häufig vernachlässigt.

12) Häuser sollten immer auf einem Sockel stehen, der dem Spritzwasser (mit Humussäure) auf Dauer stand hält. Bei diesem Haus scheint der Sockel jedoch nur optischer Natur. Das Wasser läuft von den Fassaden ohne jegliche Abtropfkante ins Erdreich. Hier wäre ein solide gemauerter Sockel vorzuziehen.

13) Balkone haben Schwachstellen. Mit Silikon gedichtete Anschlussfugen müssen immer wieder kontrolliert werden. Dringt erst einmal Wasser in Haarrisse, trocknet es kaum wieder aus und führt bei strengem Frost zu Aufbrüchen. Deshalb: Alle Balkonbauteile jährlich sorgfältig prüfen. Besonders gilt das für alte Holzbalkone.

14) Wenn's mal richtig regnet,fließen wahre Sturzbäche vom Dach durch die Fallrohre. Ein freier Auslauf, wie hier im Bild, kann zwar kaum verstopfen, die Wassermengen spülen jedoch das Erdreich hinweg. Besser ist ein Sickerschacht, in den auch ein Gewitterregen ablaufen kann.

Der Wert eines Hauses besteht nicht nur in schönen Fassaden. Wichtiger sind Wohnqualität und Komfort.Haus und Technik müssen reibungslos funktionieren.

Da man sich an Vieles gewöhnt, an karrende Treppenstufen, locker sitzende Steckdosen, schlecht schließende Türen, undichte Fenster usw., hilft nur eine eigene Check­- und Reparaturliste.

Einmal durch alle Räume im Haus gehen. Vom Keller bis ins Dach und alles notieren, was befestigt, korrigiert oder erneuert werden muss. Dabei könnte mehr zusammenkommen, als vermutet. Verkalkte Perlatoren und Duschköpfe, geringes, aber permanentes Rinnen der WC-Spülung. Gut geölte Schlösser und Türbänder quietschen nicht und verlängern deren Lebensdauer erheblich. Das gilt auch für Fenster­-Beschläge und die Verriegelung.

Undichte Fenster und Türen führen nicht nur zu kalten Füßen, sondern kosten auch Energie. Trotzdem müssen nicht gleich neue Fenster und Türen gebaut werden. Der Tischler kann Falze auch nachträglich dichten. Doch man darf das Haus nicht von der Umwelt abschotten. Zu geringer Luftaustausch in den Wohnräumen ist für die Gesundheit genauso gefährlich wie das Rauchen.

Wer ein altes Haus bewohnt, mit Bauteilen, die noch von den Großeltern stammen (wie Treppe und Geländer links im Bild), der sollte die "ehrwürdige" Atmosphäre auch erhalten. Denn so etwas ist heute nicht mehr zu bezahlen. Dazu gehört nicht nur das Pflegen alter Dielen und Parkettfußböden. Auch die großen Füllungstüren sollten nicht nur übergestrichen, sondern vorher auch einmal gründlich abgebeizt werden, damit die schönen Holzprofile auf Dauer nicht von dicken Lackschichten zugekleistert werden.

nach oben Beispiel für Werterhaltungskosten


Gesamtbaukosten 185.000,- EUR
(kann geändert werden)
Anteil der Baunebenkosten17,5 %ca. 32.375 EUR
Anteil der Kosten für die Grundkonstruktion48,0 %ca. 88.800 EUR
Anteil der Kosten für Verschleißbauteile34,5 %ca. 63.825 EUR
Die Kosten für Wartung und Erneuerung der Verschleißbauteile summieren sich in 25 Jahren auf die ursprünglichen Neubaukosten abzüglich durchschnittlich 10% Eigenleistung:ca. 57.443 EUR
 Das erfordert eine jährliche Rücklage von:ca. 2.298 EUR
Innen-Renovierung, komplettes Haus, inkl. Treppe und Elektroinstallation alle 9 Jahreca. 3.722 EUR
Außen-Renovierung, Fassade, Fenster, Außentüren, Dachrinnenalle 10 Jahreca. 5.285 EUR
Einbauküche mit Gerätenalle 12 Jahreca. 2.482 EUR
Heizungs-Modernisierungalle 16 Jahreca. 6.985 EUR
Außenanlagen, Garage, Pflaster, Entwässerungalle 16 Jahreca. 4.044 EUR
Bad- und Sanitär-Modernisierung, Objekte, Fliesen, Armaturenalle 16 Jahreca. 8.272 EUR
Erneuerung Isolierverglasungalle 30 Jahreca. 6.000 EUR
Erneuerung Dacheindeckungalle 60 Jahreca. 9.200 EUR

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Schlagworte dieser Seite:

Alterungs­-Prozess, Dach, Dämmung, Fassadenfarben, Renovierung, Rundumshaus

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