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Jaehner, Ilse

Immergrüne Gehölze im Winter


Bild 1: Lärche
© Jaehner, Ilse
Bild 1: Lärche
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Januar 2012 Der Winter setzt den Pflanzen ziemlich zu. Nicht Frost und Schnee sind ihre größten Widersacher, sondern Trockenheit und Wind. Diese Konstellation macht vor allem immergrünen Laub- und Nadel­gehölzen zu schaffen. Denn sie verdunsten auch im Winter ständig Wasser durch ihre Blätter bzw. Nadeln. Im Gegensatz zu laubabwerfenden Arten, die im Herbst einfach die Blätter abwerfen und damit das Problem der Verdunstung aus der Welt schaffen.

Auch einige Nadelgehölze lösen das Verdunstungsproblem, indem sie sich ihrer Nadeln entledigen. Beispielsweise die Lärche (Bild 1), ein Baum, der auch im Hochgebirge vorkommt und bis 2.100 m hoch oder noch höher steigt. Entsprechend kälteresistent muss er sein. Die Lärchennadeln färben sich recht spät, im November/Dezember, prächtig gelb, bevor sie abfallen. Mitunter schneit es dann schon, was besonders attraktiv aussieht.

nach oben Überlebenskünstler

Gehölze, die ihre Blätter/Nadeln behalten, müssen sich etwas anderes einfallen lassen, um die Verdunstung zu bremsen. Beispielsweise kombinieren Rhododendren besonders geschickt verschiedene Verfahren des Verdunstungsschutzes. Zunächst setzen sie auf einen Wachsüberzug ihrer Blätter. Außerdem rollen sie bei stärkerem Frost die Blätter längs ein (Bild 2) und verkleinern so die Verdunstungsfläche. Zusätzlich senken sie die Blätter, sodass sie nicht mehr fast waagerecht stehen. Damit schützen sie die Blätter auch gegen Schäden durch die aggressive Wintersonne. Rhododendren wirken infolgedessen im Winter häufig vollkommen anders, sind jedoch nicht etwa krank, sondern stellen sich nur konsequent auf die winterlichen Verhältnisse ein.

Pflanzen sind erfinderisch, wenn es ums Überleben geht. Manche machen sich dermaßen klein, dass sie komplett unter dem Schnee verschwinden. Damit haben sie den besten Schutz, den es gibt. So verhalten sich auch Kiefern (Bild 3) aus alpinen Regionen wie die Krummholzkiefer und die Latsche. Diese Zwergkiefern eignen sich gut für Gärten, wachsen geschlossen dicht, später locker und malerisch. Krummholzkiefern passen in Stein- und Heidegärten oder auf Böschungen.

Bild 2: Rhododendon
© Jaehner, Ilse
Bild 2: Rhododendon
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nach oben Frosttrocknis

Immergrüne Gehölze sind dringend darauf angewiesen, dass sie ständig Wasser aufnehmen können, weil sie eben auch ständig Wasser verdunsten. Bekommen sie nicht genug Wasser, verdursten sie regelrecht. Die braunen Nadeln oder abgestorbenen Blättern wirken dann wie erfroren, sind es aber nicht: Wir haben es mit so genannter Frosttrocknis zu tun. Verursacher sind vor allem Sonne, Trockenheit und Wind.

Hierzulande regnet es nicht im Winter am meisten, sondern im Sommer. Und je kälter der Winter ist, desto weniger Niederschlag fällt. Gefriert bei Frost das Bodenwasser bis in größere Tiefen, wird es kritisch für die immergrünen Gehölze. Sie müssen unbedingt hohe Wasserverluste durch Verdunstung vermeiden. Dazu verringern Nadelgehölze ihre Blattflächen bis sie drastisch verkleinert sind. Häufig überziehen sie die Nadeln auch mit Wachs - ein prima Verdunstungsschutz. Auch Laubgehölze setzen auf einen Wachsüberzug, zum Beispiel der Ilex (Bild 4), mit seinen dekorativen, lederartigen und glänzenden Blättern. So ausgestattet überstehen besonders harte Nadelgehölze in winterkalten Gebieten der nördlichen Halbkugel Temperaturen um 60 Grad minus.

Bild 5: Zwergmispeln
© Jaehner, Ilse
Bild 5: Zwergmispeln
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nach oben Empfindliche Gehölze

Andere Gehölze kommen nicht so gut mit dem Winter zurecht. So manche immergrüne oder halbimmergrüne Zwergmispeln (Bild 5) haben schwer zu kämpfen, kein Wunder, handelt es sich doch um nicht hier heimische Gewächse, sondern um Sträucher aus ostasiatischen Klimabereichen. In kälteren Wintern verlieren sie schon mal einen Teil ihrer Blätter, erholen sich jedoch wieder. Daher sollte man sie immer etwas geschützt und nicht gerade an exponierte Standorte pflanzen.

Ein Wackelkandidat ist auch die Torfmyrte (Bild 6). Dieses Sträuchlein mit den kleinen, dunkelgrün-glänzenden Blättern und roten, rosafarbene oder weißen Beeren ist vor allem im Herbst hübsch anzusehen. Dann wird er häufig gepflanzt, in Vorgärten, Steingärten, vor allem auf Gräbern. Er ist angewiesen auf einen geschützten Platz und Winterschutz, beispielsweise durch Fichtenzweige. Glücklicherweise wächst die Torfmyrte nicht schnell, bleibt ziemlich klein und findet darum auch Schutz unter dem Schnee. Sollten einzelne Zweige erfrieren, kann man sie gut bis ins erhaltene Holz zurückschneiden. Die Pflanze treibt dann aus älteren Teilen wieder aus, braucht aber immer etwas aufmerksame Zuwendung.

Während wir uns im Januar im dicksten Winter befinden, ist für die Gehölze der Winter schon fast vorbei. Sie haben ihren eigenen Zeitplan: Schon ab Ende Juni bilden sie die Blatt- und Blütenknospen für das kommende Jahr. Damit sind sie gegen Ende August fertig und befinden sich in der Vorruhe. Die Hauptruhe folgt im September und Oktober, im November und Dezember die Nachruhe mit beginnender Entwicklungsfähigkeit der Knospen. Knospen müssen daher so hart sein, dass sie selbst die größte Winterkälte aushalten - so wie der Blü­tenstand des immergrünen Schnee­balls (Bild 7) im Embryostadium. So zart und doch so hart!

nach oben Für Schutz sorgen

Gleichgültig ob hart oder nicht, es ist Aufgabe des Gartenbesitzers, die Verhältnisse für seine Pflanzen so gut wie möglich zu gestalten: Erstens durch eine sinnvolle Wahl des Standortes (Bild 9) und zweitens durch angemessene Pflegemaßnahmen. Er muss daran denken, dass der Wind den Frost verschärft. Besonders beißende, kalte Ostwinde schaffen Probleme für immergrüne Gehölze, für die einen mehr (Rhododendren), für andere weniger (Kiefern). Entsprechend müssen die Pflanzplätze ausgewählt werden. Empfindlichen immergrünen Gehölzen gibt man Windschutz durch unempfindlichere Arten. Hohe, immergrüne Hecken halten Ost- und Nordwinde wirksam ab.

In offener Süd- oder Südost- bis Ostlage kann die Wintersonne gefährlich werden - weniger im Dezember und Januar als im Februar, wenn sie an Kraft gewinnt. Durch den Wechsel zwischen Frostnächten und warmen Tagen sterben die Pflanzenzellen eher ab. Rhododendren stehen beispielsweise gut im Schutz von hochkronigen Obstbäumen oder Kiefern. Solche Vorkehrungen helfen den Pflanzen, den negativen Einflüssen des Winters (Bild 8) besser standzuhalten.

Tipp

  • Eine Bodendecke aus Laub, Rindenkompost, Gartenhäcksel verhindert, dass Frost tief in die Erde dringt, das Bodenwasser gefriert und damit Frosttrocknis entstehen kann. Sie sollte im November oder Anfang Dezember, vor Beginn stärkerer Kälte, verteilt werden. Die Schicht sollte handhoch sein und wenigstens die Wurzelscheibe bedecken, bei Gehölzgruppen die ganze Fläche.
  • Außerdem muss der Wasservorrat im Boden rechtzeitig ergänzt werden, besonders falls es im Sommer und Herbst nicht ausreichend regnete. Das geschieht im Spätherbst, also im November/Dezember, nachdem die Gehölze mit dem Trieb abgeschlossen haben. Zu frühes Wässern verzögert die Ausreife des Holzes und macht die Pflanzen anfällig für Frostschäden.
  • Wie erwähnt ist Schnee für niedrige Gehölze ein prima Frostschutz. Mitunter kann er aber auch stören. Fällt viel nasser Schnee, bringt das manche Gehölze in Bedrängnis. Vor allem hohe, schlanke Säulenformen fallen unter der Last auseinander oder brechen. Hier muss man also ran und den Schnee abschütteln - sofort und möglicherweise häufiger. Liegt die Wacholdersäule erst am Boden, ist es zu spät. Mitunter ist es ratsam, solch eine Säulenform sicherheitshalber dauerhaft mit kräftigem Draht zusammenzuhalten.

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Schlagworte dieser Seite:

Frosttrocknis, Gehlöze, Ilex, kälteresistent, Rhododendren, Torfmyrte, Verdunstungsschutz, Winter, winterfest, Zwergmispeln

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