© von Soosten, Rolf
Verursacher des Wurzelkropfs an einer Himbeerrute in Kombination mit dem Pilz Fusarium.
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Mai 2010 Mit Beginn der Vegetation neigt der Gartenbesitzer dazu, seine Pfleglinge wieder genauer zu betrachten. An den Obstgehölzen fallen Veränderungen auf, die sich zum Teil im Winter gebildet oder aber vergrößert haben. Die Ursachen können sehr verschieden sein.
Wurzelkropf
Zu den durch Bakterien verursachten Krankheiten zählen wir den Wurzelkropf, der, wie der Namen sagt, üblicherweise an der Wurzel vorkommt. In dichten Beständen kann er bei feuchter Witterung an den neuen Ruten von Him- und Brombeeren geschwulstartige Veränderungen hervorrufen. Sie beeinträchtigen den Transport in den Leitungsbahnen. Das kann zu einer geschwächten Entwicklung der Pflanze führen. Größere Probleme treten jedoch auf, wenn durch die sich stets verändernde Oberfläche der allgegenwärtige Pilz Fusarium eintritt und die Leitungsbahnen komplett verstopft. Der Befall ist zuerst am feinen weißen Pilzgeflecht in den Rissen der Geschwulste zu erkennen. Dies färbt sich später rosa, durch die sich bildenden Sporen. Bekämpfen lässt sich diese Krankheit kaum, Minderung erreicht man durch weiten Stand der jungen Ruten. Nach dem Roden solcher Bestände sollten keine Kern-, Stein-, Him- und Brombeeren gepflanzt werden. Bevorzugt befällt dieses Bakterium Pflanzen der Familie der Rosaceen.
Blei- und Milchglanz
Beim Steinobst, gelegentlich auch beim Apfel, erkennen wir an einzelnen Ästen den Austrieb in hellgrüner oder bläulichgrüner Farbe. Die Blätter bleiben meis tens etwas kleiner, bekommen später nekrotische Flecken und fallen zeitiger ab. Dies ist die Folge eines Pilzes, der durch Schnittflächen eintritt, sich zuerst unscheinbar im Baum verbreitet, dann aber am Stamm oder dickeren Ästen seine bräunlichen oder violetten Fruchtkörper bildet. Diese Erscheinung wird als Blei- oder Milchglanz bezeichnet. Sie ist ebenfalls kaum zu bekämpfen, da Sporen auch aus benachbarten Waldbeständen kommen können. Wichtig: Fruchtkörpertragende Holzteile vorsichtig in der Mülltonne entsorgen! Vorbeugend sind die beim Schnitt entstehenden Holzwunden sorgsam zu verstreichen. Dort beginnt die Infektion.
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Feuerschwamm an einer Zwetschge in einem frühen Stadium.
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Feuerschwamm
Der Feuerschwamm gilt ebenfalls als typischer Vertreter jener Pilze, die durch Schnittwunden eindringen. Seine unangenehmste Eigenschaft ist die späte Erkennbarkeit. Für uns unsichtbar wächst er im Stamm und bildet erst nach Jahren seine in mehreren Grautönen gezonten Konsolen aus. Die sporenbildende Unterseite ist gelb bis hellbraun und relativ weich, während die Oberseite holzig und hart ausgebildet ist. Am Apfelbaum entwickeln sich große, bis zu 20 cm breite konsolenartige Pilze, an Zwetschgen tritt ein naher Verwandter auf, der Pflaumen-Feuerschwamm. Er bleibt kleiner, sein Fruchtkörper bildet sich gelegentlich als eine polsterartig wachsende braune Schicht auf der Oberfläche der Rinde aus. Im Baum inneren zersetzt er das Holz in ein morsches Subs trat. Die Beseitigung der Fruchtkörper beeinträchtigt das Wachstum des Pilzes nicht, aber man vermindert die Gefahr einer weiteren Ausbreitung in der Umgebung.
Ein naher Verwandter dieses Feuerschwamms ist der Zunderschwamm, an Buchen und Birken vorkommend, der in frühester Zeit unseren Vorfahren das Feuermachen ermöglichte und diesen Arten den Namen gab.
Hallimasch
In der Nähe älterer Baumbestände kann der Hallimasch zu einem unangenehmen Nachbarn werden. Seine Sporen dringen ebenfalls durch Wunden in den Baum ein. Dort wächst sein feines weißes Myzel zwischen Rinde und Holz und tötet langfristig den Baum ab. Aber nicht nur mit Sporen verbreitet er sich, sondern auch über wurzelähnliche, dunkelbraune bindfadendicke Stränge, die im Boden wachsen und bei Berührung der Wurzel eines anderen Baumes in diesen übergehen. Aus dem Stammgrund sprießen Kolonien von braunen, geschuppten Hutpilzen, die wiederum Mengen von Sporen bilden. Der Hallimasch befällt nicht nur alle Baum obstarten, er tritt auch auf Johannis- und Stachelbeeren auf. Hier gibt es ebenfalls keine Möglichkeit zur Bekämpfung.
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Obstbaumkrebs: Diese roten Kügelchen entleeren durch eine kleine Pore Tausende von Sporen.
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Obstbaumkrebs
In diesem Zusammenhang darf der Obstbaumkrebs nicht übergangen werden. Die Infektion beginnt hier oft schon im Herbst, wenn Frucht und Blatt abfallen und dadurch Wunden entstehen, in die die Sporen des Obstbaumkrebses eindringen. Zuerst kaum erkannt, erscheinen im Frühjahr erste Wülste an Fruchtkuchen und Blattnarben. Eine weitere Infektionsperiode ist die Zeit um den Knospenaufbruch, wenn feine Risse - verursacht durch winterliche Fröste - den Eintritt von Sporen ermöglichen. Am unangenehmsten aber sind Infektionen an Schnittwunden, da sie direkt das Baumgerüst treffen. Aber nicht jede Infektion führt zum Absterben des Astes. Der Baum kann durch Wundgewebe die Geschwulst überwuchern.
Die Sporen entstehen in kleinen runden, roten Organen, die auf den Wucherungen zu finden sind. Sie entlassen bei ausreichender Feuchtigkeit große Mengen von Sporen. Ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung ist die schnellstmögliche Beseitigung erkannter Befallsstellen. Schnittwundenbehandlungen sind in Befallslagen ein Muss! Beim Kauf der Gehölze achte man auf gesundes Pflanzgut und bevorzuge eine bekannte Baumschule. Gartencenter und anonyme Herkunft bergen eine gewisse Gefahr. Zur chemischen Be kämpfung, die zu den Hauptinfektionszeiten geschehen sollte, sollte man sich über die aktuell zugelassenen Mittel erkundigen.
Nicht alles, was auf dem Baum wächst, gehört zum Baum oder darf als unnütz betrachtet werden. Der Obstbaum ist ein kleiner Kosmos, auf dem eine große Zahl von Kleintieren, Flechten, Pilzen und anderen Lebewesen ihr Zuhause finden. Sie sind die Lebensräume für weitere Lebewesen, die sehr wohl ihre Berechtigung haben. So werden die zeitweise sehr hübschen Flechten - wie im Bild links - von Fachleuten als Indikator für saubere Luft gedeutet.