Weiße Dächer gegen den Klimawandel?
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Februar 2010 Die Konferenz in Kopenhagen hat gezeigt, dass es für Deutschland leicht ist, Energiesparweltmeister zu werden, wenn man keine Mitstreiter hat. Es bleibt deshalb nur die Hoffnung, dass sich unser Umweltschutz irgendwann einmal auszahlt. Die amerikanische Studie, mit weiß gestrichenen Dächern Sonnenwärme zu reflektieren, um so die Überwärmung der Erde zu verhindern, darf man wohl getrost als "Schnapsidee" bezeichnen.
Der Klimagipfel in Kopenhagen war zwar ein Fiasko, gleichwohl gab es eindeutige Ergebnisse. Endlich müssen wir Europäer zur Kenntnis nehmen, was der Rest der Welt vom Klimaschutz hält. Eigennutz und Heuchelei deutlich zu machen, ist auch ein Erfolg!
Unerwartet mussten wir feststellen, dass Europa und vor allem Deutschland in Sachen Klimaschutz gar keine Vorbilder sind, denen die anderen Nationen nacheifern wollen. Der deutsche Traum, nicht nur Exportweltmeister zu sein, sondern auch Klassenbester im Klimaschutz, ist der Erkenntnis gewichen, dass sich Ideale nicht verkaufen lassen. Was nützt es, wenn wir die schärfsten Umweltgesetze haben, die schadstoffärmsten Autos, supergedämmte Häuser, Windgeneratoren und blau spiegelnde Solardächer, wenn all dies nur das Herz grüner Ökologen erfreut.
Für Klimaschutz und Energiesparen haben wir nicht nur viel Geld ausgegeben, sondern auch ganzen Landschaften ihren ursprünglichen Reiz genommen. Moderne Wohnhäuser gleichen Thermosflaschen und die Altbauten wurden abgewertet. Wer nicht dämmt, bekommt im Energiepass eine "5" und deutlich weniger Geld beim Hausverkauf. Den Ehrgeiz der Politiker haben wir teuer bezahlt - und zahlen immer noch. Ist es wirklich verwerflich, etwas mehr Realismus zu fordern?
Fest steht, der Rest der Welt will nicht mitziehen. Allen voran die Amerikaner. Ihren verschwenderischen "Way of Life" sehen sie als persönliche Freiheit und Vorbild für alle. So wundert es nicht, dass die Amerikaner sich lieber mit dem Anstrich von Dächern beschäftigen, als mit wirksamen Klimaschutz-Maßnahmen, die auch entsprechend viel Geld kosten.
Die Chinesen sind auf dem Weg zur Führungsnation und wollen westlichen Lebensstandard. Mehr Komfort bedeutet jedoch auch mehr Energieverbrauch. Schon in wenigen Jahren werden der CO
2-Ausstöße Chinas und Indiens so groß sein, dass die Verschwendung der Amerikaner gar nicht mehr ins Gewicht fällt. Absichtserklärungen sind deshalb "Papiertiger" solange man sich nicht in die Schornsteine schauen lässt. Warum also haben sich in Kopenhagen Barack Obama und der chinesische Ministerpräsident zum Einzelgespräch getroffen? Beide wollen kein Klimaschutzabkommen. Haben sie sich abgestimmt?
Erschreckend ist auch die Denkweise der Saudis. Ihre mit Ölmilliarden finanzierte Märchenwelt gerät zusehens ins Wanken und kann nur durch gesicherte Gewinne aufrecht erhalten werden. Einem Klimaschutz, der den Ölverkauf gefährdet, werden sie nicht zustimmen.
So nützt es wenig, den Titel des Energiespar-Weltmeisters zu beanspruchen, wenn unsere Technologie niemand kaufen will. Am deutschen Wesen wird die Welt erneut nicht genesen. Gegenüber einer Mehrzahl rücksichtloser Nationen, könnte jedoch etwas mehr Eigennutz nicht schaden. Eine während der Konferenz in Kopenhagen vom TV-Sender ntv durchgeführte Befragung hat jedenfalls ergeben, dass drei Viertel der Deutschen kein Geld mehr für Klimaschutz ausgeben möchte.
Aber vielleicht können wir ja am Verkauf von Emissions-Zertifikaten verdienen. Wie das funktioniert? Am Ende jeden Schuljahrs verkauft der Klassenbeste ein paar Einsen an die Wackelkandidaten, damit sie versetzt werden. Und das geht dann auch eine Weile gut ...