Reisanbau in Italien
© Stein, DagmarZum Vergrößern auf das Bild klicken.
Februar 2010 Weit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ernährt sich vom Reis (Oryza sativa). Von dem nahrhaften Gras mit hohem Mineralstoff- und Vitamingehalt gibt es viele tausend Sorten, die sehr unterschiedlich in Wuchs, Aussehen und Anbauweise sind. Einige Sorten lassen sich auch in unseren Gefilden anziehen, zum Beispiel im Topf zu Hause auf der Fensterbank.
In der Höhe variieren sie von 30 cm bis zu mannshohen Formen. Die Blattränder sind bei Kultursorten meist glatt und deshalb angenehm beim Ernten, bei Wildarten sind sie noch steif und hart. Es gibt mehrere Wildarten, doch die Kultursorten stammen alle aus Oryza sativa, die in Südostasien beheimatet ist. Bedeutung hat ansonsten nur noch die afrikanische Art Oryza glaberrima erlangt, deren Anbaugebiet sich auf die Schwemmländer des Nigers beschränkt.
Reis befruchtet seinen Pollen selbst in zwittrigen Blüten, ist nicht auf Partner angewiesen und kann deshalb auch in Töpfen, Gefäßen und im Zimmer angebaut werden. Die bis zu 50 cm langen Rispen sind aus kleinen einblütigen Ähren zusammengesetzt und sehen mehr oder weniger zierlich aus. In den Tropen und Subtropen ist Reis weit verbreitet. Als eine der wenigen Kulturpflanzen kann er im flachen Wasser der riesigen Schwemmländer Südostasiens und anderswo in den Flussdeltas gedeihen. Einige Felder gibt es auch in Europa, in Portugal, an der spanischen Südküste und - schon von der Autobahn zwischen Mailand und Venedig zu sehen -recht umfangreich in der italienischen Poebene. In Italien werden die Felder wie Getreide bestellt, nach dem Auskeimen angestaut und zur Erntezeit wieder so trocken gelegt, dass der Mähdrescher die etwa 70 cm hohen Halme bequem abernten kann. Dass bestimmte Reissorten (z.B. die Schweizer Züchtung 'Loto') längst nicht so empfindlich sind wie man glaubt, zeigt sich an den Tessiner Reisfeldern bei Ascona, die nur mit dem Sprenger bewässert und mit dem Mähdrescher geerntet werden.
Längst nicht alle Reiskulturen wachsen in kunstvollen Wasserterrassen. Ein erheblicher Teil der Welternte stammt aus Trockenreis, der mit sumpfigem Gelände vorliebnimmt, mit einer Anstauperiode vor dem Ährenansatz oder mit starken Wassergaben über den Regner. Sogar im Bergland, wo die Nächte kühl sind, wächst Reis.
Unterschiedliche Sorten
Von dem einjährigen Reisgras (Oryza sativa) gibt es zahlreiche Sorten, die man in die hohen tropischen Indica-Sorten mit länglichen Körnern und in die weitaus kürzeren Japonica-Sorten mit runden, ovalen Körnern einordnet.
Für uns interessant sind die subtropischen Japonica-Sorten, denn sie sind weniger wärmebedürftig und können in unserem Klima sogar an geschützter Stelle im Freien gedeihen, auf jeden Fall aber im warmen Zimmer und im Gewächshaus. Wenig bekannt ist, dass nur 30 bis 50 cm hoher Reis formschöne Ziergräser ergibt. Mit zierlichen nickenden Blütenrispen und den Körnern daran sind sie im Herbst als hübsche Topfpflanzen ansehnlich. Um Samen zu bekommen, muss man sich im Bioladen auf die Suche nach ungeschältem, unbehandeltem Reis begeben. Alles andere wird nicht keimen. Leider ist hierzulande noch keine passende Reissorte im Gartenhandel zu finden.
Reiskultur in Töpfen
Die Reiskörner werden bis April in Töpfen mit sehr feuchter Lehm erde ausgelegt und nicht mit Substrat bedeckt. Torfige Erde wird nicht vertragen. Bei 20 bis 35 °C keimen die Körner nach 8 bis 14 Tagen. Sobald sie 10 cm Höhe erreicht haben, pflanzt man sie in Übertöpfe, Kübel oder kleine Balkonkästen ohne Abzugsloch. Man füllt die Töpfe zur Hälfte auf, setzt die Jungpflanzen nicht zu dicht mit 5 bis 6 cm Abstand hinein und überstaut das Ganze mehrere Zentimeter mit Wasser.
Man kann auch einen normalen Topf auf einen Untersetzer stellen und diesen immer nass halten, denn Reis wächst auch ohne Überflutung. Im Spätsommer erscheinen die zierlichen, nickenden Rispen. Damit sich daran Körner bilden, fasst man sie bei sonnigem Wetter als Büschel und schüttelt sie, um Windbestäubung vorzutäuschen. Etwa ab Oktober haben sich in den Rispen die Reiskörner gebildet. Zwar wird die Ernte nicht übermäßig sein, doch für eine kleine Portion wird es wohl reichen. Die Körner kann man wie Weizen oder Hafer auch von den Rispen abzupfen und einige Tage trocknen lassen.
Reis für den Teich
Die Kultur im Uferbereich eines Gartenteiches liegt nahe, verspricht aber nur mäßigen Erfolg, weil die Wassertemperatur nicht unter 20 Grad sinken darf.
Vom Gourmet-Restaurant kennt man allerdings den dunkelbraunen, lang- und schmalkörnigen Kanadischen Wildreis (Zizania palustris). Er gilt als besondere und entsprechend teure Delikatesse. Wer ihn verzehrt, tut außerdem noch etwas Gutes für die Indianer, für die die Ernte der immer stärker gefragten Körner eine wichtige Einnahmequelle bedeutet. Man kann die Pflanzen in guten Wassergärtnereien kaufen und in den Gartenteich setzen. Die bis zu 70 cm hohen Halme sehen zierlich aus, sind aber nicht allzu auffällig. Aussaaten brauchen sechs Monate Quellzeit unter Wasser, um zu keimen. Die länglichen, schwarzbraunen Samen erscheinen auch in unserem Klima an den winterharten und robusten Pflanzen, doch mit großen Erträgen ist bei uns nicht zu rechnen. Es sei denn, man hätte einen Riesenteich mit etwa 30 bis 40 cm Wassertiefe und könnte die Ernte - wie im Wilden Westen -per Kanu vornehmen.