© Stein, Dagmar
Regenwald mit Luftwurzeln und Vogelnestfarn.
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Januar 2010 Schnee und Eis bedecken im Winter mona telang Landschaft und Gärten. Mollig warm ist es nur in geheizten Wohnungen, wo die Pflanzen allerdings bei niedriger Luftfeuchte und wenig Licht harte Zeiten durchstehen. Weitaus bessere Bedingungen finden sie dagegen im Wintergarten. Zu welchen Wuchsleistungen unsere Zimmerhelden in ihrer Heimat fähig sind, zeigt eine Reise in die Tropen.
Bali, Singapur, Thailand und Australien stehen auf der Hitliste der Urlaubsländer ganz oben. Längst ist die Reise in ferne Länder kein unerfüllbarer Traum mehr. Schon in sieben bis zwölf Stunden sind wir da. Was wir zuhause in Töpfen mühsam aufpäppeln, begrüßt uns in üppigster Pracht bereits am Flughafen: Hibiskus, Einblatt (Spathiphyllum), Keulenlilien (Cordyline) in exotischen Farben, gelbe Allamandas, Orchideen in Hülle und Fülle.
Orchideenstadt Singapur
Singapur, die Schweiz des Fernen Ostens, ist für Orchideenliebhaber ein wahres Paradies. Der Musterstaat mit dem hohen Lebensstandard wartet schon für Transitgäste im Flughafen mit einer professionellen Orchideenschau auf, die mit den bes ten holländischen Ausstellungen konkurrieren kann. Vor dem Gebäude, auf den Straßen, im Hotel: Orchideen scheint es hier zu geben wie Sand am Meer. Freilich sind hier auch Schnittblumen-Export und Orchideenzüchtung von wirtschaftlicher Bedeutung. Auf den Straßenbäumen haben sich Vogelnestfarne (Asplenium nidusavis) angesiedelt, heimische Dendrobium-Arten mit weißen Blüten nutzen jede Gelegenheit zum Wachsen und Gedeihen.
Auch wer die Stadt nur als Zwischenstopp zum Weiterflug nach Hongkong oder Sydney nutzt, sollte sich mehr als die übliche Stadtrundfahrt gönnen. Kenner bewerten den von Engländern angelegten Botanischen Garten als zweitschönsten der Welt. Heftiges Gerangel um den ersten Platz gibt es nur mit Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur.
Temperaturen um 30 bis 35 Grad und hohe Luftfeuchte lassen die Vegetation explodieren.
Kaum wiederzuerkennen ist die Efeutute (Epipremnum, syn. Scindapsus aureus). Erreichen die Blätter in Europa magere 15cm Länge, sind es hier 60cm und mehr. Mühelos werden 20 bis 30 Meter hohe Bäume oder Hochhäuser erklommen.
Auch der bei uns so zahme Baumfreund (Philodendron selloum und andere Arten) steht dem kaum nach. Feigenbäume, von Ficus benjamina bis Gummibaum (Ficus elastica) überraschen durch üppigen Wuchs und zahlreiche Luftwurzeln. Ein Meister in der Kunst des Eroberns neuer Lebensräume ist der Banyanbaum (Ficus benghalensis) aus Indien. Die als Baumwürger bekannte Art schlängelt sich zunächst als zarte Liane an einem Baum in die Höhe. Hat sie sich dort erst einmal ausbreiten können, werden bald zahlreiche Luftwurzeln abgesenkt, die sich im Boden verankern und für Nahrung sorgen. Am Ende erstickt der Trägerbaum unter der Blätterlast, das ehemals zarte Banyanpflänzchen aber kann als lebendige Gartenlaube schattenspendend ganze Plätze von Fußballfeldgröße bedecken.
Pflanzen des Regenwalds
Wer zum ersten Mal in den tropischen Regenwald kommt, ist von der Wuchsleistung beeindruckt und von der Blütenfülle enttäuscht. Die farbige Blumenpracht, die uns in Gedanken vorschwebt, spielt sich nur in gepflegten Gärten ab - ganz ähnlich wie in Europa. Der Regenwald mit seinen rauschenden Wassergüssen ist nichts für zarte Blüten. Flamingoblumen (Anthurium), Ingwer- und Bananengewächse wie Heliconien, Alpinia oder Curcuma und die zahlreichen Orchideen sind widerstandsfähig, von fester Struktur und damit lange haltbar -ein Vorteil bei der Verwendung als Zimmerpflanze. Schmetterlingsorchideen (Phalaenopsis) können durchaus sechs Monate lang blühen. Pflegeleicht sind die herrlich geaderten, gefärbten oder mit schwungvollen Formen ausgestatteten Blattpflanzen, die im Schatten der Bäume mit erstaunlich wenig Licht auskommen und in feuchten Ländern ausgepflanzt Hotelgärten, öffentliche Anlagen oder botanische Gärten zieren. Dieffenbachien, Maranten, Calathea, Drachenbäume (Dracaena), Croton (Codiaeum) und das Fens ter blatt (Monstera deliciosa) sind Topfpflanzenliebhabern wohlbekannt. Nur an die mitunter beachtlichen Größen muss man sich gewöhnen. Bodendeckende Blattschmuckpflanzen wie die gescheckten Papageienblätter (Alternanthera-Arten) oder die kirschrosa Iresine werden in Europa im Haus kultiviert oder in dekorativen Teppichbeeten im Freien ausgepflanzt. Einen hohen Stellenwert genießt die bei uns noch wenig verwendete Gattung Ixora, von der es herrliche feuerrot, gelb oder orange gefärbte Sorten gibt. In warmen Ländern bilden Ixora wie die üppig wuchernde Bougainvillea lange blühende geschnittene Hecken und Ornamente.
Noch viel zu wenig beachtet werden bei uns die preisgünstig aus Samen anzuziehenden Buntnesseln (Coleus). Auch Stecklinge wurzeln sehr schnell im Wasserglas und ergeben leicht wachsende Pflanzen für drinnen und draußen. An Farbenpracht sind die exotisch geaderten Buntnesseln mit ihren vielen Sorten kaum zu übertreffen.
Schwierige Wintergartenpflanzen sind dagegen die mitunter von örtlichen Händlern als Steckhölzer angebotenen Frangipanis oder Tempelbäume (Plumeria acutifolia), die mit rosa, weißen oder gelben Blüten fast zur Nationalblume Hawaiis avancierten. Den in tropischen Ländern üblichen Blumenkränzen (Leis) verleihen sie den typischen schweren, süßlichen Duft.
Malerisches Hawaii
Regenwälder gibt es auch in Süd- und Mittelamerika, in Äquatorial-Afrika, Australien (Queensland mit dem Zentrum Cairns) und auf der Inselgruppe von Hawaii, wo die Windseite der Inseln 12.000 Millimeter Wasser verkraftet, während die sonnige Südseite oft mit weniger als 1.000 auskommen muss. Rund um Honolulu gibt es herrliche öffentliche und private Gartenanlagen, die man auch besichtigen kann. Gartenliebhaber logieren besser nicht in den Wohntürmen, sondern bevorzugen eine der Hyatt- oder Marriott-Ferienanlagen (Resorts), zum Beispiel die traumhaft schöne Anlage in Lihuhe auf der Garteninsel Kauai. In einer künstlichen Lagune badet man im 26 Grad warmen Wasser, umgeben von Palmen und hängenden Gärten voller tropischer Vegetation, die an die berühm ten Gärten der Semiramis erinnern.
Engelstrompeten (Brugmansia) verströmen abends süße Düfte, und bei einem Gang durch die romantischen Gartenanlagen mit bunten Neuguinea-Impatiens, Fleißigen Lieschen, rauschenden Wasserfällen, Baumfarnen (Dicksonia und Cyathaea), Orchideen und Palmfarnen (Cycas revoluta) fühlt man sich wie im Paradies.
Paradies im Wintergarten
Wer ein wenig davon in den heimatlichen Wintergarten zaubern möchte, hat Platzprobleme. Doch die lassen sich lösen durch den Bau eines Epiphytenstammes. Weit besser als einen bald verrottenden echten Baumteil zu verwenden, ist es, den Stamm aus Drainagerohren und Stücken von Korkeiche (gibt es bei Orchideengärtnern) zusammenzuschrauben.
Das Ganze wird in standfesten Eimern mit Gips verankert, die man wiederum in dekorative Gefäße stellen kann. Die Pflanzen bleiben austauschbar in ihren Töpfen, können so individuell gegossen und gedüngt werden. Moospolster nehmen der Konstruktion alles Künstliche. Einen solchen Baum kann man sogar mit einer automatischen Bewässerung ausstatten - das System Tropf-Blumat ist dafür gut geeignet.