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Kohl - ein gesundes Wintergemüse
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November 2009 Längst ist der schlechte Ruf des Kohlgemüses als alt backenes Nahrungsmittel der Nachkriegszeit vergangen. Schon seit einigen Jahren findet sich immer mehr Kohlgemüse auf den Tellern von Feinschmecker-Restaurants. Kein Wunder, denn der Geschmack ist würzig und die Inhaltsstoffe nachweislich sehr gesund.
Was die Japaner mit der weltweit längsten Lebensdauer seit Jahren demonstrieren, fand kürzlich in Forschungsberichten seine Bestätigung: Wer viel Kohl isst, so namhafte Wissenschaftler, beugt Krebs vor. In den Kreuzblütlern sind außerdem blutreinigende, entzündungshemmende Substanzen wie z.B. Senföle enthalten und solche, die den Cholesterinspiegel hemmen.
Immer mehr Weißkohl wird in verschiedener Zubereitung als Kraut-Salat genossen. Doch auch Sauerkraut oder Kohl als Kochgemüse finden nach wie vor traditionelle Abnehmer. Den Sprung zum Feingemüse hat der Wirsing geschafft. Appetitlich angerichtet, kommt er selbst in feinsten Restaurants auf den Tisch. Rotkohl dagegen passt eher zur rustikalen Küche, wie Grünkohl und Kohlrüben. Auf der Verliererstraße befindet sich Blumenkohl. Er hat zwar nichts von seiner Qualität eingebüßt, wird aber immer mehr durch den besonders vitaminreichen und gesunden Brokkoli verdrängt. Früher nicht gekannte Trendgemüse sind auch Chinakohl und der nah verwandte Pak Choy. Ihre Vorzüge: schnell, leicht und sauber zuzubereiten, keine Blähungen, lange frisch bleibend, angenehmer Geschmack.
Mit viel Farbe
Für Gartenbesitzer lohnt es sich, die verschiedenen Kohlarten von ihrer ästhetischen Wirkung zu betrachten. Der dicke flachrunde Weißkohl ʼBraunschweiger' birst fast vor Kraft. Viel farbiger, elegant und fast eine exotische Schönheit ist der Rotkohl, den man zu vielen Blumen in bewussten Kontrast setzen kann.
Schon vom Setzlingsalter an ist er eine auffällige Erscheinung, die man nicht unbedingt nur essen muss. Wenn von den silberblauen Wachsschichten die Regentropfen perlen, sieht dies mitunter fantastisch aus. Die weinrote Farbe im Inneren macht Appetit auf Deftiges und knackigen Kohlsalat.
Der dunkelgrüne oder blaugrüne Wirsing kommt nach den ersten Frösten mit Raureif oder etwas Schnee bedeckt groß raus. Besonders edel sehen die späten Wintersorten wie ʼGrünkopf' oder ʼMidvoy F1' mit ihrer tief genarbten Oberfläche aus. Verschiedene Grünkohlsorten ähneln Palmen und vom Rosenkohl gibt es weinrote Züchtungen (z.B. ʼRubin') -alles auffällige Erscheinungen.
Die Züchter achten vor allem auf bessere Farbe: statt blassem Graugrün ein knackiges, frisches Grün. Neu sind beim Chinakohl zylindrische Köpfe mit gelber "Blume", Brokkoli und Blumenkohl in Violett (Sorten ʼRosalind', ʼGraffiti', ʼVioletta di Sicilia'). Die Farbe verändert auch den Geschmack: Viel intensiver schmecken daher grüner Blumenkohl (ʼAlverda') und der zierliche Minarettkohl mit feinen spitzen Türmchen auf der Oberfläche (Sorten ʼMinaret' oder ʼRomanesco', beide hellgrün).
Historische Kohlsorten
Besonders fein und zart schmeckt auch Spitzkohl, der nicht nur als Frühgemüse über wenige Wochen geerntet werden kann, sondern sich zu einer gesonderten Gemüseart gemausert hat, die man satzweise auch den Sommer durch und im Herbst anbauen kann. Gut schmeckende Sorten sind z.B. ʼDelfter Spitz' (früh), 'Prisma' (früh) und ʼCape Horn' F1-Hybride (für Sommer und Herbst).
Eine der wertvollsten historischen Sorten ist der spät reifende Spitzkohl ʼFilderkraut'. An diesem, bestens zum Sauerkrauteinlegen geeigneten Kohl gibt es so gut wie nichts auszusetzen -außer, dass er spitz ist. Und diese außergewöhnliche, optisch schöne Wuchsform wird ihm jetzt zum Verhängnis, weil sie nicht mit den problemlos auf den Verarbeitungsbändern der Sauerkrautfabriken rollenden runden Köpfen konkurrieren kann. Seine Blätter sind dabei fein und dicht gelagert, wie sie für Sauerkraut sein sollen. Sehr groß und lappig, sind sie gerade richtig für Kohlrouladen. Sein Geschmack ist fein, fast süß - ideal für Rohkost.
Dekorativer Grünkohl
Zu den ältesten aller Kohlgemüse gehört der Grünkohl. Dennoch hält dieses deftige Wintergemüse neue Überraschungen bereit: Waren die bisherigen Sorten wie ʼHalbhoher grüner krauser', ʼFribor F1' oder ʼWinterbor F1' mit ihren Blattrosetten und gekrausten Blättern schon auffällig im Aussehen, so kann man heute noch attraktivere Sorten wählen. ʼLerchenzungen' ist eine Hamburger Spezialität, die man schon lange wegen ihrer feinen Qualität schätzt und "Hamburger Palme" nennt. Die Pflanzen erreichen etwa 80 cm Höhe und besitzen lange, zungenförmige Blätter, die vor allem bei Raureif einen sehr dekorativen Eindruck vermitteln.
Alte Landsorten wie der Braunkohl zeigen ebenfalls gefäl ligen Wuchs und eine gewisse Rotfärbung. Der rote Grünkohl ʼRedbor', eine moderne F1-Hybride aus Holland, entstand durch Kreuzungen von Grünkohl mit roten Kohlarten. Die Ausfärbung dieser Züchtung kann bei niedrigen Temperaturen sehr intensiv violett ausfallen. Man kann sie natürlich verzehren, interessanter ist es jedoch, sie auf Beeten, Blumenrabatten oder sogar im Balkonkasten als Farbbringer von monatelanger Haltbarkeit zu verwenden. Sogar im Winter wirkt ein Garten durch den mit Schneehäubchen und Eiskristallen bedeckten roten Grünkohl attraktiv. Ist der Winter vorbei, sollten Sie einige Pflanzen blühen lassen - die gelben Blütenwolken zieren den Garten zusammen mit Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht.
Vermutlich schon Jahrhunderte alt ist der Toskanische Palmkohl (Sorte ʼNero precoce di Toscana'). Er zählt zu den Spezialitäten, an denen das ländliche Italien so reich ist. Inzwischen haben seine dekorativen Eigenschaften auch bei uns überzeugt. Die schwarzblaugrünen, schmalen Blätter entspringen einer Rosette und verleihen den 60 bis 70 cm hohen Pflanzen ein elegantes Aussehen.
Japanische Kohlsorten
Der Japanische Senfkohl (Brassica juncea) ist ein weiteres Gemüse, das bei niedrigen Temperaturen die Farbe wechselt. ʼRed Giant' heißt die bekannteste Sorte dieses schnellwüchsigen Gemüses. Besonders schön sehen die Pflanzen aus, wenn sie über das Verwertungsstadium hinaus sind und schossen. Dann erhebt sich eine gelbe Blütenwolke über den rotgrünen Blättern. Er kann von Frühjahr bis Herbst ausgesät und gepflanzt werden. Die jungen Blätter eignen sich als würziger Salat, ältere mit schärferem Geschmack werden z.B. für Frühlingsrollen verwendet. Nahe verwandt ist die Sorte ʼMiike Giant', ein Japanischer Senfkohl, der bis zu 3 kg schwere Köpfe mit stark gekräuselten Blättern bilden kann. Blattspitzen und Blattvenen sind bei kühlen Temperaturen violett gefärbt. Dieser Senfkohl wird wie Chinakohl kultiviert und erst im Sommer für die Herbstkultur ausgesät.
Zierkohl
Zierkohl, der auch essbar ist, verleiht jedem Salat durch seine Farbe überraschende Wirkung. Die Pflanzen vertragen bis zu 10° C Frost und können in milden Wintern ab Herbst bis zum Frühjahr ununterbrochen für farbige Effekte sorgen. Auffällig sind rosa und purpurne Farben, aber auch Weißgrün sieht elegant aus. Neben den rundblättrigen Sorten gibt es auch gefranste, die den Zierwert in Rosa, Purpur, Weiß noch steigern. Zierkohl wird häufig in Töpfen angeboten, zum Bepflanzen von Balkonkästen, Schalen, Einfassungen oder Beeten. Besonders in formalen Gärten, auf Rondellen oder am Hauseingang ist Zierkohl ein empfehlenswerter, haltbarer Schmuck, wenn andere Pflanzen längst der unwirtlichen Witterung erlegen sind.