© Stein, Dagmar
Bonsai - kleine Kunstwerke
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November 2009 Würden sie nicht immer wieder mit ausgefeilten Methoden auf Zwergenwuchs gestutzt, könnte man jeden Bonsai als großen Baum bewundern. Die oft windzerzaust wirkenden Formen regen nicht nur Ästhetik und Kunstsinn an, sie sind in Japan auch Ausdruck tief empfundener religiöser Verehrung für alle Gehölze. Als Bonsai können die Gehölze ein Alter von mehreren Tausend Jahren erreichen.
Bonsai sind faszinierende Pflanzenbilder, die in ihrer japanischen Heimat in großer Zahl die Tempelmauern, Hauseingänge oder kleine Gärten zieren. Sie stellen ein Stück Landschaft dar, je nach Geschmack ist diese entweder lieblich oder auf dramatische Weise gestaltet. Wie auch immer, die malerisch getrimmten Mini-Bäumchen sind das Ergebnis uralter Gärtnerkünste. Doch auch das älteste Prachtstück hat irgendwann als bewurzelter Steckling begonnen. Wir zeigen Ihnen, wie man auf einfache Weise Bonsais zieht.
Anmutig und reizvoll sind blühende und fruchtende Bäumchen, zum Beispiel von Zierkirschen, Zieräpfeln oder Maulbeeren, ebenso Laubbäume mit schöner Herbstfärbung wie Zierahorn oder Ginkgo. Unempfindlich und deshalb beliebt im Sommer wie im Winter sind die immergrünen Koniferen.
Bonsai fürs Zimmer
Einige Bonsai können auch gut im warmen Zimmer gedeihen. Zu ihnen gehören Pflanzen, die in ihrer warmen Heimat als größere Gehölze und wüchsige Bäume auftreten. Zum Beispiel Birkenfeige
(Ficus benjamina) und andere Feigenarten wie
Ficus buxifolia, Ficus pumila, Ficus neriifolia, Fukien-Tee
(Carmona microphylla) , Brautmyrte
(Myrtus communis) und Zimmerzypresse
(Cupressus macrocarpa) oder Schefflera
(Brassaia actinophylla) .
Ideal für Anfänger geeignet ist der Chinesische Feigenbaum (Ficus retusa). Ähnlich wie der Gummibaum kann auch die Chinesische Feige in ihrer Heimat riesengroß werden und wie ein Laubendach auf Stelzen größere Plätze überdecken. Die Früchte keimen schon auf dem Baum und senden von dort lianenartige Stelzwurzeln herab, so lange bis der eroberte Wirtsbaum unter der Last des aufdringlichen Reiters erstickt. Die Einheimischen bezeichnen Ficus retusa als "Würgefeige".
Doch keine Angst, die Pflanzen im Gartencenter sind nur winzige Bonsai, denn um mit der Bonsaikultur Erfahrungen sammeln zu können, gelten sie als die beliebtesten Anfängerpflanzen. Um die Wuchsform zu erhalten, werden die Neuaustriebe in den Frühlings- und Sommermonaten jeweils auf 1 bis 2 Blätter eingekürzt. Durch mehrfaches Wiederholen entsteht die für Bonsai so beliebte gedrungene Form. Während der Sommermonate können die Pflanzen an halbschattiger Stelle im Freien verbleiben. Das Tauchen in Regenwasser oder abgestandenes kalkarmes Wasser einmal pro Woche bekommt ihnen gut. Im Winter steht der attraktive Bonsai mit seinen fleischigen, dunkelgrünen und glänzenden Blättern so hell wie möglich am Fenstersims.
Bonsai für draußen
Für kühlere Standorte im Freien geeignet sind dagegen die bekannteren und länger eingeführten Gehölze aus Fernost, die wie Kiefern, Buchen, Birken, Ginkgos, Scheinbuchen und Schein quitten oder Azaleen aus kalten Regionen stammen. Wichtig: Sie müssen auch im Freien bleiben, denn als Gehölze sind sie mit Laubabwurf oder harten Nadeln ganz auf die winterliche Jahreszeit eingestellt. Trotzdem kann es zu Frost- und Trockenschäden im Winter kommen, denn in den flachen Schalen sind die Pflanzen ohne Schutz der Wintersonne und dem austrocknenden Wind ausgesetzt.
Beugen Sie im Spätherbst mit großen Körben oder Holzkisten vor. Man füllt sie allseits dick mit Laub oder Papier und setzt die Pflanzenschalen hinein, sodass die Triebe noch gut zu sehen sind. So vorbereitet, werden die Gefäße an einem geschützten, aber hellen Platz zum Überwintern aufgestellt. Gelegentliches Gießen nicht vergessen. Nur wenn stärkere Fröste zu erwarten sind, werden die Pflanzen dick mit wärmendem Laub überdeckt. Auch Noppenfolie in zwei bis drei Lagen schützt die Pflanzen vor allzuviel Kälte und die Schalen vor dem Durchfrieren.
So wird es gemacht
Halten Sie sich stets die Grundidee vor Augen, dann wandelt sich eine Jungkonifere bald zum sturmgebeugten Minibaum in karger Felslandschaft.
Das Material
Ganz nach Geschmack wählt man ein gut bewurzeltes Zwerggehölz aus. Im Gartencenter gibt es passende Schalen, kiesige und magere Bonsaierde, biegsamen Draht und spezielle Scheren. Für wenige Exemplare können Sie sich auch mit einer feinen Haushaltsschere behelfen.
1. Zurückschneiden
Zuerst wird ausgelichtet. Schneiden Sie dabei alles weg, was die gewünschte Optik stört und beschränken Sie sich auf einige wenige Leitäste. Ihre Austriebe werden später immer wieder bald nach Erscheinen zurückgeschnitten (pinziert) und entwickeln mit der Zeit ein knorriges Aussehen.
2. Andrahten
Von unten nach oben werden nun die Zweige vorsichtig mit biegsamem, aber stabilem Draht von etwa 1 mm Dicke umwickelt, der ihnen für viele Jahre Halt verleiht. Kupferdraht eignet sich für diesen Zweck am besten, weil er nicht rostet.
3. Zurechtbiegen
Jetzt sind Fingerspitzengefühl und die künstlerische Ader in Ihnen gefragt. Biegen Sie den Draht und mit ihm (ohne die zarten Triebe zu beschädigen) die Zweige in die gewünschte Richtung.
4. Einpflanzen
Verkleinern Sie mit der Schere den Ballen, so dass er in die gewählte flache Schale passt. Die Erde soll mager sein und keine Nährstoffe enthalten. Gut andrücken.
5. Angießen
Gießen Sie alles mit feiner Brause gründlich an und geben Sie der Schale mit Kies oder Steinen ein uriges Aussehen. Sie bleibt an halbschattiger Stelle im Freien.