Unsere Rosen
Nach den Edlen die Vielblütigen Der Weg der Rose durch die Zeit ist lang und verschlungen. Wir verfolgten das Werden von Edelrosen oder Teehybriden (F+G Mai 2000) und vollziehen nun nach, wie vielblütige Beetrosen entstanden. Eine Rose mit zwei Namen Es begann damit, dass Anfang des 19. Jahrhunderts der wanderlustige schwedische Botaniker Thunberg in Japan eine über und über mit Blüten bedeckte Kletterrose kennen lernte und sie zutreffend
Rosa multiflora , die Vielblütige Rose, nannte. Um die Mitte jenes Jahrhunderts stieß auch der deutsche Arzt Siebold auf diese Rose und brachte sie in den Akklimatisationsgarten von Leiden in Holland. Er fand ebenfalls, dass die Ausländerin einen Namen brauchte, und da er sich lieber ans Griechische hielt, nannte er sie im Gegensatz zu Thunberg
Rosa polyantha . Dies bedeutet zwar dasselbe wie multiflora, doch gab es trotzdem Verwirrung. Schließlich behielt die Art den zuerst von Thunberg verliehenen Namen, wie es das Prioritätsgesetz für die botanische Namensgebung vorschreibt.
Die Wildart Rosa multiflora ist an sich heute noch ziemlich häufig anzutreffen, und zwar in den Strauchgruppen öffentlicher Grünanlagen. Allerdings erkennen viele Vorübergehende sie nicht als Rose, weil sie so wenig den gängigen Vorstellungen von Rosen entspricht. Sie entwickelt kleine, weißliche Blütchen in umfangreichen Blütenständen ziemlich früh im Juni.
| Typische Grandiflora-Sorte mit edelrosenähnlichen Blüten zu mehreren auf verzweigten Stielen. |
Polyantharosen
Polyanthahydriden Der von Siebold ins Spiel gebrachte und dann verworfene Namensteil polyantha erhielt dennoch große Bedeutung. Die aus der Kreuzung von Rosa multiflora mit der chinesischen Rose und Teerose gewonnenen neuen Züchtungen taufte man nämlich
Polyantharosen, also die Rosen mit den vielen Blüten. Die Vielzahl wenngleich kleiner Blüten war dabei der größte Gewinn. Wie staunten die Rosenfreunde, als die ersten Sorten der neuen Gruppe bereits ahnen ließen, welche Überraschungen da noch bevorstanden. Diese Rosen führten weg von den sparsam blühenden Edelrosen, deren Blüten zwar von erlesener Schönheit sind, aber niemals im umfassenden Sinne gartenwirksam. Außerdem zeichnete sich in den neuen Rosen die immerwährende Blüte bis zum Frost ab, vorerst zwar noch schüchtern, doch unverkennbar. Welche Freude müsste es sein, diese guten Anlagen weiter zu fördern! Den Züchtern ließ das keine Ruhe. Sie machten sich an die Rückkreuzung von Polyantharosen mit Teehybriden und erhielten die
Polyanthahybriden mit größeren Blüten und stärkerem Wuchs. Beinahe selbstverständlich blühen diese Rosen fast ununterbrochen von Juni bis Winteranfang.
Noch ein Schritt weiter Polyanthahybriden erfüllten die meisten Wünsche der Rosenfreunde. Aber wie heißt es: je mehr er hat, je mehr er will. Man scheute sich nicht, diesen Wunsch laut auszusprechen: Wir wollen vielblütige Polyanthahybriden mit Edelrosenblüten. Abermals gingen die Züchter ans Werk und kreuzten noch mehr Teehybridenblut in die Vielblütigen Rosen. So entstanden die
Floribundarosen und gewissermaßen als deren Überhöhung die
Floribunda-Grandi-flora-Rosen, deren Blütenform tatsächlich jener von Edelrosen gleichkommt. An diesem Punkt sind wir zur Zeit angelangt, und jedes Jahr gibt es wieder neue und schöne Sorten.
| Gelbe, rosa, rote Rosen mit blauer Katzenminze. |
Rosen-Steckbriefe Die Unterschiedsmerkmale der einzelnen Gruppen sehen, kurz zusammengefasst, so aus: Polyantharosen bilden eine Menge kleiner Blüten in großen Blütenständen. Es gibt nicht mehr viele Pflanzen mit diesen typischen Merkmalen. Hin und wieder findet man noch welche, falls sie gut gepflegt wurden, in alten Hausgärten. Die größeren Blüten von Polyanthahybriden erscheinen in umfangreichen, verhältnismäßig flachen Blütenständen. Die großen, edelrosenähnlichen Blüten von Floribundarosen tun sich zu größeren oder kleineren Büscheln zusammen. Rosen der Floribunda-Grandiflora-Gruppe wachsen stark mit tiefgrünem, gesundem Blattwerk und großen, langgestielten Blüten, die zu wenigen beieinander stehen. Vielerlei Übergänge erschweren häufig die genaue Zuordnung zu dieser oder jener Gruppe, aber im Grunde kommt es, jedenfalls in der Gartenpraxis, auch gar nicht so sehr darauf an. Hauptsache die Sorte ist gut. Alle verbindet jedenfalls der reiche Flor, der sie im Gegensatz zu Edelrosen befähigt, den Garten wahrhaft mit Farbe zu füllen. Von nah und fern sind sie gleich schön.
Vielblütige Rosen im Garten Die konzentrierte beetweise Pflanzung von Vielblütigen Rosen - daher der Name Beetrosen - wird immer noch am meisten geübt. Wir finden solche Rosenbeete rechts und links vom Weg zwischen Gartentor und Haustür, als Vorpflanzung im Vorgarten nahe des Hauses, so den Übergang zwischen Garten und Haus schaffend. Beetrosen stehen gut am Rand von Rasenflächen innerhalb des Gartenraumes. Wir weisen noch einmal darauf hin, dass isolierte Rondells mitten im Rasen weniger günstig sind. Auch Beetrosen brauchen Anlehnung an Baulichkeiten oder andere gartengestalterische Schwerpunkte.
Beetrosen und Stauden Sind Vielblütige Rosen schon allein für sich gestellt äußerst gartenwirksam, so gewinnen sie weiter in Verbindung mit anderen Pflanzen, vor allem mit Stauden. Rosen sind viel zu gute Sommer- und Herbstblüher, als dass man darauf verzichten könnte, sie mit allerlei Stauden zusammen zu geben. Das Miteinander bekommt sowohl den Rosen als auch den Stauden ausgezeichnet. Rosenpflanzungen werden dadurch abwechslungsreicher und lebendiger, Stauden finden dauerblühende Schwerpunkte, wie sie sie selbst in den seltensten Fällen hervorbringen. Man muss es nur richtig anpacken.
| Beetrosen mit niedrigen Gräsern, hier Blauschwingel und Lampenputzergras. |
Zuerst gründlich planen Es gab eine Zeitlang um die Gemeinschaft von Rosen und Stauden manche Missverständnisse, die hauptsächlich daher rührten, dass manche Gartenbesitzer die Rosen mitten in polsterbildende und bodendeckende Stauden hineinsetzten. Das kann nicht gutgehen, denn Stauden wie Rosen brauchen unbedingt genügend Freiraum. Zwei Dinge sind zu beachten: Erstens pflanzt man wohl zwischen die Rosengruppen Stauden, aber nicht zwischen einzelne Rosenexemplare. Zweitens muss die Wuchskraft der betreffenden Rosensorte und die Höhe der Stauden sorgfältig aufeinander abgestimmt sein, der Abstand zwischen Rosen und hohen sowie mittelhohen Stauden so groß, dass sie sich gegenseitig nicht behindern.
1m Abstand von der Rosengruppe ist für alle Stauden gleich welcher Art das Minimum. Dieser Abstand reicht aus, die Rosen entsprechend ihren Wünschen zu düngen, zu schneiden, vor dem Winter anzuhäufeln und abzudecken, sowie auch den meist anspruchsvollen Stauden dieser Gruppe ihren Teil an Pflege zukommen zu lassen. Denn sie lieben wie die Rosen Licht, Luft, Sonne, dazu gepflegten, offenen Gartenboden.
Ilse Jaehner Wird fortgesetzt!
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