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Trendgemüse Kürbis
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Oktober 2009 Jetzt ist Kürbiszeit. Die großen Früchte liegen erntebereit im Garten und verlocken zu allerhand Leckereien oder zum herbstlichen Dekorieren. Vom ungeliebten süß-sauer eingelegten Nachkriegsgemüse bis zu publikumsträchtigen Kürbisschauen (zum Beispiel alljährlich im Schlosspark zu Ludwigsburg) hat es nur wenige Jahre gedauert. Dabei gibt es viele tolle Sorten zu entdecken.
Kürbisse gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und waren bei mittel- und südamerikanischen Völkern schon vor rund 10.000 Jahren bekannt. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus wurden sie in Europa verbreitet. Die Zahl der bekannten Variationen des Tropengewächses wird auf etwa 800 geschätzt, Spezialisten im Samenhandel führen mehr als 150 gängige Sorten, die über Märkte, Kürbisschauen und Floristen reißenden Absatz bei den Konsumenten finden. Kein Samenzüchter kann heute noch auf ein üppiges Angebot der gefragtesten und leicht wachsenden Sorten verzichten.
Noch vor 15 Jahren unterschied man hierzulande häufig nur zwischen verholzenden, ungenießbaren Zierkürbissen (Cucurbita pepo), wärmebedürftigen Kalebassen (Lagenaria siceraria) und essbaren Riesenkürbissen (Cucurbita maxima), Gartenkürbissen (Cucurbita pepo) und Moschuskürbissen (Cucurbita moschata). Durch den immer beliebter werdenden Halloween-Brauch aus Amerika wurde allerdings die Vielfalt der Kürbisse auch in Deutschland bekannter und die schmackhaften Fruchtgemüse landen in verschiedenster Weise auf dem Teller oder zieren als attraktive Herbstdeko den Hauseingang.
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Kürbis ’Roter Zentner‘
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Riesen und Rekorde
Speisekürbisse (Cucurbita maxima) alter Prägung wie ’Gelber Zentner' oder ’Riesenmelonen' (’Gele Reuzen') stehen mittlerweile auf verlorenem Posten. Riesenkürbisse wie ’Atlantic Giant' vom kanadischen Züchter Dill ziehen dagegen viel Publikumsinteresse auf sich. Den Rekord um den größten Kürbis (und damit auch die größte Frucht) der Welt hält zur Zeit der Amerikaner Joe Jutras, Topsfield mit etwa 767 Kilo. Abgeschlagen muss sich der belgische Europameister mit 610 Kilo begnügen. Derartige Superfrüchte kann man nur mit enormem Aufwand transportieren, doch das Geschäft lohnt sich angesichts Zehntausender Besucher, die staunend zu den Wiegeveranstaltungen kommen. Solch ein Trumm lässt sich nur noch aufwändig mit dem Gabelstapler bewegen und schon gar nicht verzehren.
Züchter Dill hat wie andere Spezialisten seine besonderen Rezepte mit Aussaat im März und allerhand Tricks, um Milch und Bier in die Leitungsbahnen zu träufeln, was den Früchten enormen Auftrieb verleiht.
Wenn Sorten wie ’Atlantic Giant' oder ’Big Max' in deutschen Landen fruchten, sind allerdings 80 bis 150 Kilo schon ein gutes Ergebnis. Zu den Speisekürbissen gehört auch die herrlich rote, schmackhafte ’Rouge vif d'Etampes' (’Roter Zentner').
Guter Geschmack
Wenn Kürbisse fade schmecken, ist dies vor allem eine Sortenfrage. Gut schmeckt nach mehreren Geschmackstests mit Verbrauchern durchweg die Gruppe der lange haltbaren Winterkürbisse. Spitzenreiter sind die grünen Hokkaidokürbisse ’Delica', und ’Buttercup Burgess' (dunkelgrün, orangelbes Fleisch) sowie die 1 bis 1,5 Kilo schweren birnenförmigen, roten Hokkaido- oder Carotakürbisse ’Red Kuri' und ’Ushiki Kuri' (alle aus Japan). Untersuchungen belegen, dass die orangeroten Früchte sehr viel Carotin enthalten -etwa 12 mal mehr als die besten Möhrensorten. Darüber hinaus sind diese Sorten sehr schmackhaft. Inzwischen kann man die sowohl dekorativen als auch schmackhaften Hokkaidokürbisse als Samenmischung (grün, rot, blau) kaufen (z.B. von Kiepenkerl). Als ’Potimarron' haben Hokkaidos in Frankreich Be rühmtheit erlangt. Das gilt auch für den tief eingebuchteten Muskatkürbis (’Muscade de Provence'), der besonders herzhaft schmeckt, aber mit 120 Tagen Sonne bis zur Reife auch besonders viele Wärmeeinheiten braucht. Aus Amerika kam der Melonen-Squash (Cucurbita moschata) ’Butternut' mit glockenförmigen Früchten und angenehm süßem Geschmack. Auch diese Züchtung braucht lange bis zur Reife, hält sich dafür auch bis zum März. Ihr Inneres ist leuchtend orangerot, was ebenfalls auf einen hohen Carotingehalt schließen lässt. Gegessen wird der Melonen squash wie der zapfenförmige Eichelkürbis (Cucurbita pepo, Sorten ’Table Queen', ’Mesa Queen', grün und ’Table Gold', gelb, auch mit weißen Früchten als Mischung) nach vielen Rezepten als Kürbisbrei, Kürbisbrot, Kürbissuppe, Kürbiskuchen, gebacken oder gekocht.
Ölkürbis und Kürbiskerne
Eine ungeahnte Verbreitung haben die heilkräftigen hüllenlosen Kürbiskerne (Cucurbita maxima var. styriaca) gefunden, nicht nur als seit Jahrhunderten bekannte nierenstärkende Medizin. Gesund und knusprig, geröstet oder gesalzen sind sie nicht mehr wegzudenken als wohlschmeckende Beimischung zu Brot oder Brötchen, als gesunder Snack mit Nussaroma oder als steirisches Kürbiskernöl, das Salaten und vielen Gerichten den besonderen Pfiff verleiht. Sie werden meist aus dem mittelgroßen Ölkürbis gewonnen, der besonders in der österreichischen Steiermark auf großen Flächen angebaut wird.
Aus den Kernen wird auch das hocharomatische Kürbiskernöl mit tief dunkelgrüner Farbe gepresst. Es hat ein sehr angenehmes, nussiges Aroma und wird gern zum Verfeinern von Suppen oder für herbstliche Salate verwendet.
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Flaschenähnlicher Kürbis
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Außergewöhnliche Formen
Sehr spät im Herbst reifen auch die cremeweißen oder gestreiften walzenförmigen Spaghettikürbisse (Cucurbita pepo). Ihr Inneres formt sich zu faserförmigen Strängen, die man herauslösen und wie Spaghetti zubereiten kann. Ihr Geschmack ist ähnlich wie die bekannten Nudeln. Würze kommt mit Ketchup oder Kräutersoßen daran. An langen Ranken bringt die Sorte ’Vegetable Spaghetti' (Sperli) zartgelbe Früchte hervor. Überwiegend buschförmig und damit Platz sparend wachsen die sogenannten Sommerkürbisse (Cucurbita pepo), die man jung, zart und noch weich erntet. Zu ihnen zählen die grünen, gelben, weißen oder gestreiften Zucchinis, die ballförmigen Rondinis und die gelben, grünen oder weißen Patissons (englisch Scallops), die ausgereift nicht mehr geniessbar sind und dann als "Fliegende Untertassen" dekorative Verwendung finden. Besonders schöne, weiße und gleichmäßig geformte Früchte hat die Sorte ’Custard White'.
Schnitz- und Zierkürbisse
Als Zierkürbisse werden heute wie selbstverständlich auch viele kleine und mittelgroße essbare Kürbissorten verwendet, deren interessante Formen und Farben zu kreativen Dekorationen verleiten. Einer der beliebtesten ist der tief gefurchte ballförmige ’Sweet Dumpling'. Ähnlich hübsch gefärbt sind ’Chamaeleon' und ’Festival'. Auch die birnenförmigen weißen, grünen oder orangeroten Hokkaidokürbisse ’Ushiki-Kuri', der hochrunde orange-grün gestreifte ’Lakota', die gänseeikleinen haltbaren Mini-Hokkaidos ’Golden Nugget', die seltsam genarbten Schwanenhalskürbisse (Crookneck) und die ballförmigen orangeroten Sorten ’Wee- Be-Little' und ’Baby-Bear' werden gerne für die Küche genutzt. Wenig bekannt ist auch, dass man die höchst dekorativen und lange haltbaren Turbankürbisse oder Bischofsmützen bestens zum Kochen, Backen und sogar als Rohkost genießen kann.
Aus Amerika kommt der sich schnell verbreitende Brauch des ursprünglich keltischen Halloweens, wo Kinder am 31. Oktober mit möglichst gruselig ausgehöhlten Köpfen (durch Teelichter beleuchtet) von Haus zu Haus ziehen. Nach dem Ausspruch "Trick or treat" erhalten sie dann meist mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken eine Belohnung. Großen Anklang finden deshalb Schnitzkürbisse wie die 3 bis 4 Kilo schweren hochrunden Früchte der Sorte ’Jack O'Lantern', ’Spirit', ’Sankt Martin' oder Samen-Mischungen wie die "Schnitzkürbismischung" oder die "Malkürbismischung" mit Kürbissen in unterschiedlichen Größen und Formen. Das Fleisch aller Schnitzkürbisse kann man auch für Suppen, Gemüsebeilagen oder Kürbiskuchen verwenden.
Kulturtipps
Die beste Aussaatzeit für Kürbisse ist Mitte April bis Anfang Mai, nicht früher, damit die Pflanzen nicht überständig werden. Neben den Kürbis-Früchten wird jetzt auch das passende Kürbis-Saatgut angeboten. Weil die empfindlichen Wurzeln Pikieren nicht vertragen, erhält jede Pflanze schon beim Säen ihr eigenes Töpfchen. 18 bis 22 °C sind eine gute Keimtemperatur. Ausgepflanzt an sonniger Stelle auf nährstoff- und humusreichem Boden nach den Eisheiligen bis Anfang Juni. Hat man den Anzuchttermin verpasst, kann man auch direkt ins Freie säen.
Damit die Kürbisse lange haltbar bleiben, lässt man sie im Herbst auf dem Beet ausreifen und bringt sie rechtzeitig vor dem Frost in Sicherheit. Flaschenkürbisse werden luftig, schattig und trocken aufgehängt. Lagern Sie die Früchte dann kühl, trocken und lose nebeneinander liegend. Vermeiden Sie den Kontakt der Früchte untereinander, damit sie nicht anfangen zu faulen.