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Autor
von Soosten, Rolf

Himbeeren - Ursachen für die Ausfälle im Jahr 2009


Dieses Bild findet man in diesem Jahr sehr häufig: Abgestorbene und verzögert austreibende Ruten. Erhebliche Ertragseinbußen und die Frage nach der Ursache sind die Folgen. Der Austrieb aus der Wurzel ist normal, also ist die Ursache an den Ruten zu suchen.
© von Soosten, Rolf
Dieses Bild findet man in diesem Jahr sehr häufig: Abgestorbene und verzögert austreibende Ruten. Erhebliche Ertragseinbußen und die Frage nach der Ursache sind die Folgen. Der Austrieb aus der Wurzel ist normal, also ist die Ursache an den Ruten zu suchen.
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Oktober 2009 Anlass zu diesem Beitrag ist der schlechte Zustand, in dem sich seit Frühsommer diesen Jahres die Himbeeren in vielen Gegenden befinden. Welche verschiedenen Krankheiten und Schädling gibt es, wie wichtig sind Witterungseinflüsse und Bodenpflege? Wo finden wir die Ursache? Unser Hausarzt sagte mal: "Der eine hat Flöhe, der andere Läuse, der Dritte hat eben beides". Bei den Himbeeren kommen mehrere Ursachen zusammen.

Zuerst betrachten wir den diffizilen Komplex der Rutenkrankheiten: Beteiligt sind im Wesentlichen zwei Pilzarten, die Himbeerrutengallmücke und Schwankungen im Dickenwachstum der jungen Ruten, bedingt durch Wechsel von Trockenheit und Regenperioden. Letzteres erleben wir alljährlich. Für die junge Rute bedeutet eine Trockenperiode eine Verzögerung und damit verbunden eine Verhärtung des Rindengewebes. Einsetzende Niederschläge lassen das Wachstum erneut aufleben, äußerlich sichtbar durch das Aufreißen der Rinde. Dies beginnt von unten.

In der zweiten Maihälfte schlüpft die Himbeerrutengallmücke bei Temperaturen von 13 °C in 2 cm Bodentiefe (K. Heinze, Leitfaden der Schädlingsbekämpfung). Nach der Paarung legt sie etwa 50 Eier in die Rindenrisse im unteren Bereich der jungen Rute ab. Die daraus schlüpfenden Larven zerstören die Kork- und Kambiumschicht und bilden damit die Eingangspforten für die schädigenden Pilze. Dies ist der kritische Punkt, den es zu verhindern gilt. Es ist nachgewiesen, dass ohne das Einwirken dieser Mückenlarven die Infektion durch Pilze so gering ist, dass wirtschaftliche Schäden selten sind. Infektionen sind auf Beschädigungen der Rinde angewiesen.

nach oben Leptosphaeria coniothyrium

Bei den Schadpilzen handelt es sich um Leptosphaeria coniothyrium. Er lebt an den Ruten eben über dem Boden, verursacht dort eine nasse faule Rinde, auf der schwarzen Pusteln die Sporen entlassen. Diese Sporen gelangen in offenen Wunden und verursachen dort zuerst graue oder violette Verfärbungen. Dieser Pilz ist gefährlich, denn eine Infektion kann eine Rute zum Absterben bringen.

Anders dagegen bildet der zweite Pilz kreisförmige, ebenfalls graue bis violette Verfärbungen um die Infektionsstelle.

Oft sind auch Blattachsen befallen, die Rute kann an vielen Stellen gefleckt aussehen, ohne dass sie abstirbt. Auf ihr finden sich im folgenden Jahr stecknadelgroße Erhebungen, aus deren Mittelpunkt die Sporen entlassen werden. Befallene Blattachsen treiben jedoch nur schwach oder gar nicht aus, der Ertrag kann also erheblich gemindert werden. Ein lichter Stand und verringerte Rutenzahl je laufendem Meter Reihe verkürzen die Zeit der Benetzung der Blattachsen, durch die die Pilzsporen in das Rindengewebe eindringen.

nach oben Winterfrost

Als dritte Ursache schlecht stehender Himbeeren kommt der Winterfrost hinzu. Wie vom Kern- und Steinobst bekannt, kann auch bei der Himbeere die Rinde aufreißen. Zwar sind die Schäden für unser Auge nicht auffällig genug, aber allemal groß genug für das Eindringen von Schadpilzen. Zudem kann das Gewebe in seiner Funktion gestört werden, sodass es zu Versorgungsproblemen in den Blättern und Jungfrüchten kommen kann. Beim Aufschneiden ist das Kambium verfärbt, Pilzbefall nicht vorhanden. Häufig sind ungünstige Standorte besonders frostgefährdet.

nach oben Wurzelkropf

Eine weitere Erscheinung sollte noch angesprochen werden: Der bei fast allen Obstarten vorkommende Wurzelkropf, jene ballenartigen Verdickungen an den Wurzeln, die durch das Bacterium tumefaciens verursacht werden, kann, ebenfalls durch Regentropfen übertragen, in die durch Frost entstandenen bodennahen Risse gelangen. Die Folge: Es entstehen Wucherungen weichen Gewebes, das sekundär durch den Pilz Fusarium befallen wird. Durch das Bakterium allein ist kein Schaden nachzuweisen, der Pilz aber verstopft die Leitungsbahnen und es kommt zur Unterbrechung der Versorgung. Im fortgeschrittenen Zustand finden sich rosa Sporenlager des Pilzes. Der hier genannte Pilz ist sehr häufig am Absterben der Ruten beteiligt, deren Ursache zuerst im Pilz Leptosphaerica erkannt wird. Fusarium ist ein "Allerweltspilz" und kommt in vielen Arten in unserer Umgebung vor, so auch auf schimmelndem Brot. Vorbeugend kann man auch einiges ohne Chemie zu tun (s. Kasten).

nach oben Vorbeugende Maßnahmen

Zusammenfassend können wir feststellen, dass die primäre Gefahr durch Beschädigungen der Rute, vor allem durch Risse entsteht.
  • Kontinuierliche Feuchtigkeit im Boden verhindert Schwankungen im Wachstum.
  • Eine ausreichend breite (60 bis 80 cm) Mulchdecke aus Stroh, Kompost, in kleinen Gaben Rasenmahd, Schreddermaterial, selbst Holzwolle kann die entscheidende Hilfe sein.
  • Tropfbewässerung aus Regenauffangbecken bei Bedarf.
  • Zur Minderung unnötiger Verdunstung und zum schnellen Abtrocknen nach Niederschlägen: Frühes Entfernen überflüssiger Ruten!
  • Tiefes und frühes Abschneiden der abgetragenen Ruten verhindert Neuinfektionen!
  • Bei der Standortwahl: Keine Staunässe bis in 100 cm Tiefe!
  • Verwenden Sie gesundes Material aus guten Baumschulen, nicht die vom Nachbarn!
  • Düngergaben aufs Nötigste beschränken (besonders Stickstoff).

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Schlagworte dieser Seite:

Bodenpflege, Gallmücke, Himbeeren, Infektion, Kompost, Laus, Mulch, Pilzkrankheit, Pilzsporen, Rinde, Rutenkrankheit, Sporen, Stickstoff

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