© Schmidt, Joachim
Diese Bauschäden sind keine Katastrophen
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August 2009 Das eigene Haus ist meist teuer bezahlt. Deshalb gilt es, seinen Wert zu schützen. Nur wer Schäden rechtzeitig entdeckt und beseitigt, kann sicher sein vor größeren Problemen und hohen Folgekosten. Das wissen aber auch clevere Baufirmen. Sie nutzen die Ängste unerfahrener Hausbesitzer, um teure Schutzmaßnahmen zu verkaufen, die häufig gar nicht erforderlich sind.
Bedenkliche Gesichter sind bei Sanierern, die etwas verkaufen wollen, Standard. Diese Firmen sind gut darauf trainiert, Hausbesitzern Ängste zu vermitteln. Im Kleinbus tauchen sie in der Siedlung auf und bieten einen kostenlosen Bauschaden- Check an. Sind sie erst einmal im Haus, haben unerfahrene Hausbesitzer kaum Chancen, sich den vermeindlich schlüssigen Argumenten zu entziehen. Darum ist es gut, wenn Hausbesitzer selbst den Überblick haben, welche Schäden mit welchem Aufwand behoben werden müssen.
Kellerklima ist immer feucht
Im Sommer zum Lüften geöffnete Kellerfenster signalisieren dem Fachmann: Hier ist es feucht! Und in der Tat weisen blätternde Farbe und mürber Verputz auf feuchtes Mauerwerk hin. Doch bahnt sich hier Unheil an? Verliert gar das Haus seine Standfestigkeit?
Keineswegs! Feuchtigkeit im Keller ist normal. Obwohl die Kellerwände außenseitig durch wasserdichte Anstriche oder Schutzhüllen vor der Feuchtigkeit aus dem Erdreich geschützt sind, führt die "kühle" Temperatur der Wände zur Kondensation. Luftfeuchtigkeit schlägt sich hier nieder und durchfeuchtet das Mauerwerk. Das ist reine Physik und lässt sich nicht mit irgendwelchen "Sperrputzen" verhindern. Allenfalls durch sommerliches Beheizen des Kellers auf mindestens 14 Grad. Feuchte Keller sind deshalb normal und kein Bauschaden.
Das gilt jedoch nicht für "nasse" Kellerwände, in die Wasser von Außen eindringt. Dies zu beurteilen, ist jedoch Sache eines neutralen Fachmanns.
Dieser Balken ist kaum noch zu retten und muss mit einem angebolzten Beiholz verstärkt werden. Vorher sind die zerfressenen Holzteile gründlich auszustemmen und der Balken ist mit einem Fungizid tief zu imprägnieren.
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Der Holzwurm mag kein altes Holz
Kaum ein Dachboden auf dem sich nicht Spuren (Holzmehl) von Holzwürmern finden. Doch deshalb sind die Balken noch lange nicht gefährdet. Aber viele Besitzer alter Häuser machen sich Sorgen und suchen nach Sicherheit vor dem nagenden Ungeziefer. Geht man indes der Frage nach, wie viele Dachstühle durch Schädlingsbefall zusammengebrochen sind, wird man kaum fündig. Gerade in alten Häusern mit ihren soliden, über Jahrzehnte durchgetrockneten Balken und Dachsparren findet sich kaum noch ein Hausbock. Dieser kleine "Nager" lebt nämlich von den weichen Zellulose- Anteilen im Holz. Das im Haus verbaute und jahrzehntelang getrocknete Holz ist jedoch meist so durchgehärtet, dass es den Schädlingen keine Nahrung mehr bietet.
Durch Einstechen mit dem spitzen Messer kann jeder Hausbesitzer Härte und Tragfähigkeit der Balken testen. Wenn immer wieder Holzmehl vorgefunden wird oder das Holz bis in die Tiefe spürbar mürbe scheint, sollte ein objektiver Fachmann geholt werden. Der gibt dann auch Empfehlungen zur Sanierung, damit nicht mehr gemacht wird, als wirklich erforderlich.
Anstriche kompensieren keine Baufehler
Wer richtig baut, braucht keinen Holzschutz! Diese Aussage gilt nach wie vor. Die alten Baumeister kannten keinen chemischen Holzschutz, und auch die besten Schutzmittel können Baufehler nicht kompensieren. Auch ohne Imprägnierung überdauern Holzfassaden, die immer Wind und Sonne ausgesetzt sind, viele Jahrzehnte. Dabei ist es relativ gleich, welches Holz verbaut wurde. Auch einfaches Kiefernholz ist wetterfest, wenn es aus dem Kern des Baumes geschnitten wird. Die graue Optik angewitterter Hausfassaden ist deshalb kein Zeichen für mangelhaften Holzschutz, sondern vielmehr eine Frage der Optik.
Anders beim billigen Splintholz aus den Außenringen des Baumes. Aufgrund seiner großen Zellen quillt und schwindet es stark und bekommt Trockenrisse, in die dann das Wasser eindringt.
Für Fäulnis gibt es fast immer eindeutige (sichtbare) Ursachen. Entweder ist das Holz minderwertig, oder es ist so eingebaut, das es nicht austrocknen kann. Auch druckimprägniertes Holz gibt nicht viel mehr Sicherheit, wenn es durch falschen Einbau nie richtig austrocknen kann. Grundsätzliche Baufehler zu beseitigen, ist deshalb sinnvoller als der jährliche Anstrich mit Holzschutzmitteln.
Frische Luft ist der beste Schutz vor Schimmelpilz
Fäulnis und Schimmelpilz sind zwar nicht dasselbe, haben aber dieselbe Ursache: Feuchtigkeit! Bevor man sich also irgendwelche fungiziden (pilztötende) Mittel aufschwatzen lässt, ist es wichtiger, den Grund für die permanente Feuchtigkeit zu erkunden. Werden die befallenen Bereiche zukünftig trocken gehalten, stellen die Pilze ihr Wachstum ein. Schimmelpilz tötende Mittel auf den Wänden sind übrigens keine gute Grundlage für gesundes Wohnen, denn sie enthalten Gifte.
Nicht jeder Schimmelpilz ist "Echter Hausschwamm". Hier herrscht viel Unkenntnis, und entsprechend viel Geld kann an unnötigen Sanierungen verdient werden. Hausschwamm befällt nicht nur Holzbalken, sondern durchwächst auch das umgebende Mauerwerk. Weil er ganze Gebäudeteile befällt, sind Einzelmaßnahmen kaum wirksam. Grundsätzlich gilt jedoch: Auch der Hausschwamm braucht zum Leben Feuchtigkeit. Deshalb müssen alle betroffenen Bauteile auf Dauer trockengelegt werden. Nicht selten wird normaler Schimmelpilz als Hausschwamm diagnostiziert und für vorbeugende Maßnahmen viel Geld gefordert. Auch hier kommt man um einen neutralen Gutachter nicht herum.
Den Keller nur im Winter lüften
Die kalte Flasche Bier aus dem Kühlschrank beschlägt sofort, wenn sie mit der Raumluft in Kontakt kommt, wie auch die kalte Brille beim Betreten einer Kneipe. Ursache ist Kondensation. Die in der "warmen" Luft enthaltene Feuchtigkeit schlägt sich an kalten Flächen nieder.
So auch im Keller. Haben dessen Wände die normale Temperatur von 10 Grad, sind sie jedoch für die warme Sommerluft schon zu kalt. Die Folge ist auch hier Kondensation, und der Keller wird trotz andauerndem Lüften immer feuchter.
Physikalisch richtiges Lüften bedeutet deshalb: Erst dann die Kellerfenster öffnen, wenn es draußen kälter ist, als im Keller. Trockene Frostluft trocknet den Keller schnell.
Die feuchte Kühle im Keller hat jedoch keine Nachteile. Fürs Lagern von Lebensmitteln ist sie sogar von Vorteil. Spiel- und Gästezimmer, Arbeits- und Hobbyräume sollten jedoch mit einer Heizung ausgestattet sein. Schon mit wenig Energieverbrauch lässt sich eine Raumtemperatur von 14 Grad sicherstellen, die dann den Keller deutlich trockener hält.
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Während die Dachfläche völlig neutral ist, zeigt die Fassade jede Menge Wärmestrahlung. Für den Fachmann fragwürdig, die Sensibilität der Kamera könnte manipuliert sein. Nur Messungen unter richtigen Bedingungen und die objektive Bewertung der sich zeigenden Wärme-Verluste machen die Thermografie wertvoll.
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Sich nicht von bunten Bildern täuschen lassen
Heute gilt auch überhöhter Ener gieverbrauch als Baumangel, und mit einem fragwürdigen Energiepass werden Häusern gute oder schlechte Noten bescheinigt. Vor diesem Hintergrund möchten viele Hausbesitzer Mängel in der Wärmedämmung ihres Gebäudes rechtzeitig aufspüren. Einerseits um Energie zu sparen, andererseits aber auch, um den Verkaufswert ihres Hauses möglichst nicht zu beeinträchtigen. So wundert es nicht, dass clevere Firmen thermografische Aufnahmen gern dazu nutzen, um wärmedämmende Fassaden zu verkaufen.
Doch nicht jeder helle Fleck oder Streifen auf dem Wärmebild ist gleich Anlass zur Sorge. Die Präzision der Thermokameras ist so hoch, dass schon Temperatur-Unterschiede von 0,2 Grad Celsius auch bei guter Dämmung zu farbigen Veränderungen führen. Deshalb sollten Wärmebilder nur unter bestimmten Bedingungen vorgenommen werden. An möglichst kalten Tagen, vor Sonnenaufgang, bei trüber Witterung und möglichst tiefer Außentemperatur. Am besten von einem Experten, der keine Thermohülle fürs Haus verkaufen will und deshalb die realen Wärmeverluste objektiv bewertet.