Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Springen sie direkt:

Familienheim und Garten, Copyright: Siegfried Mairböck
 
Sie befinden sich hier: Heim & Hobby > Energie und Umwelt > Wer sparen will, muss kritisch sein!
Autor
Schmidt, Joachim

Wer sparen will, muss kritisch sein!


Wer sparen will, muss kritisch sein!
© Archiv
Wer sparen will, muss kritisch sein!
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Februar 2009 Die Krisen-Meldungen der letzten Monate haben ungezählte Spar-Experten auf den Plan gerufen. Und ebenso viele Ratschläge, um die Haushaltskasse zu entlasten. Einsparungen von mehreren hundert Euro pro Jahr werden uns vorgegaukelt. Richtig gerechnet wird indes nur selten und die Verbraucher werden oftmals getäuscht.

Bevor man T-Shirts in die Waschmaschine gibt, sollte man erst einmal überlegen, ob Auslüften reicht. So der Rat eines TV-Experten. Und der Moderator der Sendung ergänzte, dass man vielleicht schwarze Wäsche bevorzugen sollte.

Sind diese Tipps ernst zu nehmen? Wenn ich dusche, will ich mit warmem Wasser, Schweiß und Schmutz vom Körper spülen oder mich mit kaltem Wasser erfrischen - nicht mit Luftbläschen!

Der Perlator am Wasserhahn wurde erfunden, damit der Wasserstrahl nicht spritzt, sondern "weich" aus dem Hahn kommt. Mit Wasser- oder Energiesparen hat das gar nichts zu tun.

nach oben Abholzen als Lösung?

Fraglich empfinde ich persönlich auch die Empfehlung, mit Holz zu heizen, um weniger Öl oder Gas zu verbrauchen. Ein Baum, der in wenigen Tagen verheizt ist, muss dafür erst einmal 20 Jahre wachsen! Haben die Experten vergessen, was schon unsere Vorfahren als Problem erkannten: Sie verheizten ihre Wälder viel schneller, als sie nachwachsen konnten.

CO2 ist als Treibhausgas mitverantwortlich für die Erwärmung unserer Erde. Permanent wird es aus ungezählten Schornsteinen ins Freie geblasen. Da aber nur Weltmeere und Vegetation CO2 aus der Atmosphäre zurück holen können, sehe ich das Abholzen und Verheizen von Wäldern als doppelt widersinnig.

nach oben Sparen heißt Verzichten

Nur allzu gern lassen wir uns durch Begriffe wie Sparlampe, Sparticket, Sparschaltung, täuschen. Alles was spart, ist grundsätzlich gut! Das haben wir schon als Kinder gelernt. Aber was bedeutet eigentlich "Sparen"? Im Bertelsmann-Lexikon von 1957 steht dazu Folgendes:

Sparen heißt: Auf etwas verzichten und das Geld aufs Sparbuch einzahlen. Oder so lange Geld zurücklegen, bis die gewünschte Summe erreicht (angespart) ist. Die moderne Werbung will aber keine Sparer, sie will Konsumenten. Spar-Angebote und 0%-Finanzierungen sollen zum Geldausgeben verführen. Aber ist es nicht widersinnig, für den Kauf von Spargeräten, Schulden zu machen?

nach oben Steckdosen-Antrieb

Aufs Auto möchte niemand verzichten. Ich auch nicht. Aber dass die Zukunft im Elektro auto liegen soll, scheint mir ebenfalls eine Täuschung. Wie viel kostet das Fahren mit Strom? Die Frage wird nicht gestellt.

Ich habe einmal nachgerechnet: 1 Liter Normalbenzin enthält die Energie von rund 9 Kilowattstunden (kWh). Bei einem Literpreis von 1,20 Euro kostet die Kilowattstunde dann 13 Cent. Für elektrischen Strom aus der Steckdose müssen wir schon jetzt um 20 Cent pro Kilowattstunde bezahlen - 65% mehr als für die Energie aus Benzin und Diesel.

Vor diesem Hintergrund vermag ich nicht zu glauben, dass die Zukunft in einem Auto liegt, das man an der Haus-Steckdose "auftanken" kann. Weiterhin stellt sich die Frage, wie viele zusätzliche Kraftwerke gebraucht werden, um die für den Straßenverkehr benötigte Energie zu liefern.

Und CO2 wird auch nicht reduziert. Ob es aus dem Auto- Auspuff oder aus dem Schornstein des Kraftwerks kommt - in der Bilanz bleibt das gleich.

nach oben Kalter Kaffee: Energiesparlampe

Zwei Atomkraftwerke könnten nach Angaben eines TV-Experten abgeschaltet werden, würden nur noch Energiesparlampen verwendet. Wie dieser Mann gerechnet hat, wird wohl ein Rätsel bleiben, denn er hat schlicht übersehen, dass normale Glühlampen neben ihrem Licht auch enorme Wärmemengen an die häusliche Umgebung abstrahlen. Dass diese Wärme erheblich beim Heizen hilft, wird glatt unterschlagen. Und weil diese Energie dem Haus nicht einfach entzogen werden kann, sondern durch die Heizung ergänzt werden muss, stimmen weder Kostenrechnung noch Energiebilanz.

Für den eingesparten Strom wird jetzt entsprechend mehr Öl oder Gas verbraucht. Physikalisch bleibt auch hier alles beim Alten.

Viele Berater sind keine wirklichen Fachleute. Sie lassen den Laptop rechnen und überraschen Hausbesitzer mit Sparquoten, die ebenso verblüffend wie fragwürdig sind. Besonders viel Unfug wird mit Wärmebild-Kameras getrieben. Die Temperatur-Unterschiede auf der Hausfassade zeigen sich in unterschiedlichen Farben auf dem Monitor. Je heller desto schlechter!

Gutgläubige Hausbesitzer lassen sich anhand dieser Bilder leicht zum Einbau von mehr Wärmedämmung verleiten. Wie viel Wärme jedoch wirklich verloren geht, verrät die Kamera nicht. Und auch der "Kameramann" wird sich nicht festlegen, ob sich die Investition in eine zusätzliche Dämmung je wieder auszahlt.

nach oben Selbst nachrechnen!

Die technische Ausrüstung von Energiespar-Experten darf nicht zur Gläubigkeit an die Berechnungen verführen. Mehr denn je ist Selbstrechnen oder Nachrechnen wichtig: Wenn ein Fernsehgerät (im Stand-by) 2 Watt pro Stunde verbraucht, ergeben sich daraus im Jahr 14 KWh, die gerade einmal mit 2,8 Euro zu Buche schlagen, zudem als Wärme dem Raum zugute kommen. Hier lohnt Abschalten nicht; es beruhigt nur das Gewissen. Regelmäßiges Abtauen des Gefrierfachs und Reinigen des Wärme-Überträgers an der Rückseite des Kühlschranks sparen da schon erheblich mehr Strom.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).


Werbeanzeige
Werbeanzeige