Altbewärte Kameliensorte ‘Chandleri Elegans’.
© Stein, DagmarZum Vergrößern auf das Bild klicken.
Februar 2009 Wer nicht genau hinsieht, könnte Kamelien für Rosen halten, so schön und gleichmäßig sind die Blüten gestaltet. Sie unterscheiden sich jedoch durch die ungewöhnliche Blütezeit mitten im Winter und im zeitigen Frühling (Oktober bis Mai), außerdem durch die immergrünen, dekorativ glänzenden Blätter. Sie verleihen den langsam wachsenden Büschen auch in den übrigen Jahreszeiten ein edles Aussehen.
Ihre Einführung im 18. Jahrhundert verdanken Kamelien (Camellia japonica) ihrer engen Verwandtschaft zum damals heiß begehrten Teestrauch (Camellia sinensis). Als zur Umgehung des Tee-Monopols ein Schmuggeltransport von Teepflanzen von China nach England gehen sollte, wird berichtet, tauschten listige Chinesen den verbotenen Tee heimlich gegen die ähnlichen Kamelien aus. Doch diese erwiesen sich als nicht weniger begehrt, denn die herrlichen Schönheiten stiegen schnell in der Gunst der Europäer. Die Kamelie wurde sogar zur extravaganten Modepflanze der High Society, fand Eingang in erfolgreiche Romane (z. B. "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas) und avancierte in Italien zum heimlichen Erkennungszeichen vaterländisch gesinnter Revolutionäre.
Kamelien sind in den kühlen Bergwäldern Chinas und Japans zu Hause, von wo besonders viele und kostbare Züchtungen herstammen. Viel Regen und Schnee während der Wintermonate sind dort normal, aber keine extremen Fröste. Gut gedeihen deshalb alle Kamelien als Kübelpflanzen bei frostfreien Bedingungen im kühlen Wintergarten. Die exklusiven Raritäten mit schlichten oder wie ein Kunstwerk geschichteten Blütenblättern gelten immer noch als anspruchsvoll, doch diese Meinung ist inzwischen durch bessere Sorten-Auswahl überholt. Geben Sie ihnen gleich den richtigen Platz, mit viel Luftfeuchtigkeit und bei kühlen 10 bis 12 Grad, dann werden Sie an Kamelien viele Jahre lang Freude haben. Ins warm-trockene Wohnzimmer gehören die Freilandpflanzen leider nicht.
Blühender Willkommensgruß am Hauseingang
Viel Freude hat man in milden Wintern an Kamelien, die in größeren Töpfen im Schutz des Hauses im Freien stehen. Als monatelang blühender Willkommensgruß am Hauseingang erfreuen sie zu dieser Jahreszeit Besitzer und erstaunte Besucher. Knospige Exemplare vertragen leichte Fröste, offene Blüten dagegen verlieren schon bei 2 bis 3 Grad minus ihre Schönheit. Das bietet Gelegenheit, sie bei mildem Wetter im Herbst und Winter so lange wie machbar und im Frühling schon zeitig im Freien zu halten. Ist Frost angesagt, wandern die Pflanzen in Töpfen für die Nacht oder für wenige Tage bis zum Tauwetter in ein kühles Ausweichquartier (Haushaltsraum, Veranda, Gewächshaus, Kellertreppe). Bei geschickter Sortenwahl blüht 6 Monate lang immer etwas, von den frühen duftenden 'Sasanquas’ ab Oktober, mit der herrlichen altbewährten Sorte 'Chandleri Elegans’ (mittelfrüh) bis zu ganz späten Züchtungen im Mai. Bis zum Blühbeginn stehen die Töpfe im Freien, am besten im Schutz einer Hausmauer in Erde eingesenkt und im Wurzel bereich mit einer Packung Laub geschützt. Decken Sie noch eine schattierende Schilfmatte darüber, damit die Blätter keine Morgensonne trifft, dann werden die Pflanzen ohne Schaden überwintern.
Freilandkamelien
Weil für die interessante Kultur im Freien nur frostverträgliche Sorten geeignet sind, kauft man sie am besten beim erfahrenen Fachmann. Immer wieder ist von winterharten Sorten die Rede, die man auspflanzen und im Garten halten kann. In England mit seinen milden Wintern, in Frankreich, Italien und im Rheinland ist dies tatsächlich kein ernsthaftes Problem. Ansonsten ist in Deutschland immer noch Vorsicht angesagt. Im kontinentalen Klima können die Pflanzen in kalten Wintern doch erfrieren. Wird kurzfristiges Absinken der Temperaturen unter 10 Grad minus noch überstanden, so kann eine längere Frostperiode mit wechselnden Temperaturen den Tod der Pflanzen bedeuten.
Wählen Sie für die immergrünen Gewächse, die auch im Winter viel Wasser verdunsten, auf jeden Fall einen windgeschützten Standort, der nicht der Morgensonne ausgesetzt ist. Frostschäden an Blättern und Knospen beugt man vor durch Abdecken mit Tannenreisig, Reetmatten und luftdurchlässigem Vlies. Keine Folien verwenden, denn an ihnen frieren die Blätter fest. Für die schönen Moorbeetpflanzen soll der Boden mit viel Torf, Lauberde oder Tannennadeln angesäuert, aber nur mit der Hälfte der üblichen Düngermengen angereichert sein.
Als Vorsorge gegen Starkfröste unter 10 Grad minus wird der Boden im Herbst rund um die Pflanzen mit einer 20 cm dicken Laub-, Torf-, Häcksel- oder Strohschicht abgedeckt. Gießen Sie auch im Winter bei frostfreiem Wetter, denn wenn sich die vielen Knospen öffnen sollen, verdunsten sie viel Wasser.
Freilandkamelien pflanzen
Freilandkamelien gedeihen weitgehend problemlos, wenn Sie einige Ratschläge beachten:
- Die Pflanzen müssen schon verholzt, mindestens vier bis fünf Jahre alt und kräftig sein.
- Pflanzzeit ist im Frühling von Ende März bis spätestens Juli, damit die Kamelien noch gut einwachsen können. Wichtig für das Gedeihen ist ein vor Morgensonne und austrocknendem Ost- oder Nordwind geschützter Standort, z. B. im Schutz einer Hauswand in Halbschatten oder in der Sonne.
- Zum Pflanzen soll der Boden mindesten zwei Spaten tief gelockert und sauer sein (pHWert um 5,5). Notfalls kalkhaltige Erde austauschen, mit reichlich Torf, Kamelien- oder Moorbeeterde und Sand saurer machen und mit Hornspänen (100 g/m2) für allmählich frei werdende Nährstoffe sorgen.
Pflege-Tipps
- Gießen Sie Ihre Kamelien stets regelmäßig mit weichem, kalkarmem Wasser oder Regenwasser. -Wichtig für den Blütenansatz ist saure Erde mit einem pH-Wert von 5,5. Verwenden Sie spezielle Moorbeet-, Kamelien- oder Rhododendronerde.
- Von Mai bis August muss alle 2 Wochen flüssig gedüngt werden, am besten vermischt mit dem Gießwasser, aber mit halber Konzentration. Auch organische Düngedrops (z.B. von Neudorff) haben sich bewährt.
- Dank ihrer harten Blätter werden Kamelien kaum von Schädlingen befallen. Gegen Blattläuse helfen Pflaster von Celaflor oder das biologische Raptol von Neudorff.
- Pflanzen im Freiland verdunsten auch bei Frost, deshalb müssen die Ballen auch im Winter gründlich durchfeuchtet sein.