© Schmidt, Joachim
Dampfross im Dornröschenschlaf
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April 2008 Wenn Joachim Schmidt durch die Lande fährt, entgeht ihm kaum etwas. Schöne Architektur, romantische Häuser, Tore, Zäune und Carports. Aber auch scheinbar Verborgenes und Kurioses. Vor 20 Jahren entdeckte er ein Haus mit einer Lokomotive im Vorgarten. Jetzt hat er es wieder besucht und fotografiert. Lesen Sie seine Geschichte.
Hier muss es gewesen sein. Nur schwach konnte ich mich an Meezen, ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein, erinnern. Doch wo war die Lok? Unübersehbar hatte sie einst den Blick auf sich gezogen und ich hatte mich gefragt, was wohl den Hausbesitzer bewogen hatte, seinen Vorgarten damit zu zieren. Wagenräder, Mühlsteine und dekorativ bepflanzte Schubkarren, all das kannte ich schon. Aber eine ganze Lokomotive?
Ich fuhr zurück. Und da reckte sich unvermutet ein rostiges Eisenbahnsignal aus dichten Büschen. Dahinter eine Fassade blinder Glasscheiben. Hier musste es sein. Ich hielt an, griff zur Kamera und stieg aus. Vor mir dichtes Gesträuch, ich musste hineinklettern, um das Verborgene zu entdecken. Wie ein Forscher, der im Urwald auf alte Mauern stößt.
© Schmidt, Joachim
Ein Dampfross Baujahr 1925. Nicht für Personenzüge, sondern als kleine Werks-Lokomotive der Zuckerfabrik in Hannover. Als Biermann sie 1975 holte, war sie noch voll betriebsfähig.
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Vor mir eine Glasfassade aus alten Bauteilen, die Scheiben blind und verschmutzt. Darüber ein simples Blechdach. Doch darunter stand sie, die Lokomotive, die mich schon vor 20 Jahren fasziniert hatte. Inmitten von Gerümpel und alten Bauteilen. Ich beschloss, mir vom Besitzer die Erlaubnis zum Fotografieren zu holen. Doch niemand war im Haus.
Einige Tage später traf ich dann auf den Hausherrn, Thorsten Biermann. Er renovierte gerade seinen Schornstein und hatte nichts dagegen, dass ich überall herumstöberte und Fotos machte. Und er erzählte mir dann auch die Geschichte zur Lokomotive im Vorgarten.
Vor mehr als 30 Jahren habe sein Vater die ausrangierte Lok erworben. Von der Zuckerfabrik in Hannover. Dort hatte sie fast 50 Jahre Waggons mit Zuckerrüben gezogen und geschoben. Vater Reyner Biermann war indes weder Eisenbahn-Romantiker noch hatte er beruflich mit Maschinenbau zu tun. Er war Gärtner und Blumenbinder und in Hamburg stadtbekannter Spezialist fürs Fällen alter Bäume. Er hatte einfach Spaß an alten Maschinen und wollte nicht, dass sie nach vielen Arbeitsjahren einfach auf dem Schrotthaufen landeten. Diese Leidenschaft füllte seine gesamte Freizeit aus und der Garten seines Hauses in Meezen wurde mehr und mehr zum Privat-Museum.
Als 2001 der Dammtor-Bahnhof in Hamburg umgebaut wurde, rettete Reyner Biermann Teile der Jugenstil-Glasfassade vor dem Verschrotten und baute daraus den Pavillon für seine Lok. Mittlerweile hat Vater Biermann das Anwesen an seinen Sohn weitergegeben. Der renoviert jedoch lieber Oldtimer. So ist die einst so auffällige Lokomotive mit den Jahren im Grün der Natur verschwunden und schlummert in ihrem Versteck neuen Zeiten entgegen.
Achtung Eisenbahnfreunde!
Thorsten Biermann renoviert heute alte Autos und will seine Lokomotive verkaufen. Es ist ihm jedoch wichtig, dass das über 80 Jahre alte Erbstück seines Vaters wieder in gute Hände kommt. Interessenten können ihn anrufen: Tel. 04877-489