April 2008 Bei Neupflanzungen oder Ergänzungen steht neben der Sortenwahl die Frage nach Qualität und Form der Obstgehölze. Da sich die Beschaffung immer mehr von der Baumschule zum sogenannten Fachmarkt verschiebt (z.B. Gartencenter) wird stets mehr Fachwissen vom Käufer verlangt. Um aus der angebotenen Ware das Brauchbare herauszusuchen, soll ihm hier Hilfestellung gegeben werden.
Allgemein werden in den Hausgärten kleinkronige Bäume gepflanzt. Voraussetzung dafür sind schwachwachsende Unterlagen, die es bei den meisten Obstarten gibt. Der Ansatz und die Aststellung beeinflussen die Wuchskraft. Damit lässt sich der Ertragsbeginn beschleunigen. Bestimmte Voraussetzungen sollte die Pflanzware erfüllen:
Kern- und Steinobst
Kern- und Steinobstarten sollten mindestens drei gut entwickelte Seitenäste haben. Handlange einjährige Triebe zählen dabei nicht mit. Je weiter der Winkel zwischen Seitentrieb und Stammverlängerung ist, um so schwächer wächst der Baum und um so eher erfreut er uns mit Früchten. Der Idealfall ist das Bild vom 'Gravensteiner'. Doch muss man daran denken, dass die Aststellung sortencharakteristisch ist. Das zeigt das Bild der Sorte 'Ingrid Marie'. In solch einem Falle sind die ganz starken Äste - der Konkurrenztrieb und/oder die ihm nach unten folgenden - nach der Pflanzung wegzuschneiden oder herunterzubinden. Sind sie zu stark, reißen sie unweigerlich aus! Man achte also beim Kauf auf möglichst viele Triebe, sodass genügend für den Kronenaufbau überbleiben. Das Herunterbinden kann eine Alternative sein, wenn nur wenige Zweige vorhanden sind. Als Beispiel sei auf den Vergleich der Hochstammbirnen (s. oben 3. Bild v. l.) hingewiesen. Bei der rechten Birne kommt nur das Binden in Frage. Ein sehr gut geeigneter Baum ist auch der mit der Sorte 'Topaz' dargestellte. Die drei stärksten werden entfernt, die Mitte leicht eingekürzt und ein idealer Jungbaum kann gepflanzt werden.
Säulenbäume
Bedingt durch den Wuchs sieht das Pflanzmaterial bei Säulen -bäumen wesentlich anders aus. Die meist einjährigen Bäume haben kaum Verzweigung und sind recht kurz. Auch dort gibt es Sortenunterschiede. Mehrjähriges Material gibt es selten zu kaufen weil die Ware noch knapp ist. Das Bild auf der rechten Seite zeigt eine mehrjährige Birne der Sorte Clairgeau als Säule. Worin der Unterschied zwischen normalen Apfelsorten und dem Wuchs der säulenbildenden Sorten liegt, macht das Bild von der mehrjährigen Apfelsäule (siehe oben) sichtbar.
Wo Obstgehölze einkaufen?
Angeboten wird in vielen Märkten. Das Problem liegt in der fachlichen Beratung und der leider oft stiefmütterlichen Pflege. Empfehlenswert ist eine gute Baumschule mit Direktverkauf. In Gartencentern erkennen Sie die fachliche Qualität an der Auszeichnung und Anzahl der vorhandenen Sorten. Wenn man die heute zu zahlenden Preise und die zu erwartende Lebensdauer bedenkt, kann es besser sein, in eine etwas entferntere gute Baumschule zu fahren, als möglicherweise vor Ort unzufrieden gekauft zu haben.
Es ist zwar richtig, dass getopfte Ware, sogenannte Container, über einen längeren Zeitraum gepflanzt werden kann. Aber das alte Sprichwort gilt hier immer noch: "Der frühe Vogel findet den Wurm".
© von Soosten, Rolf Dieser Apfelbaum der Sorte 'Roter Gravensteiner', veredelt auf der Unterlage M9, ist ideal für die Gestaltung eines Spindelbusches: Seine Äste stehen waagerecht und sind am Stamm gut verteilt. | © von Soosten, Rolf 'Ingrid Marie': Die zukünftigen Seitenäste stehen sehr steil. Wenn sie nicht herunter gebunden werden, wird sich trotz M9-Unterlage eine große Krone entwickeln. Bei genügend schwachen Ästen sollte man sie wegschneiden. | © von Soosten, Rolf Vergleich Hochstammbirnen: Je stärker das Wachstum umso steiler die Aststellung. Hier der Unterschied zwischen der reich verzweigenden Sorte 'Tongern' (links) und der 'Gellerts' auf Sämlingen als Hochstamm. |
© von Soosten, Rolf Die Sorte 'Topaz' verzweigt sich willig. Für die Erziehung eines Spindelbaumes entferne man die stärksten Seitenäste. Erste Blütenknospen sind bereits da. | © von Soosten, Rolf Häufiger werden moderne Säulenbäume gekauft. Durch die schwache Verzweigung und den geringen Zuwachs sieht das Pflanzmaterial völlig anders aus. Verzweigtes einjähriges Material kommt selten vor. | |
Halb- und Hochstämme
Beim Kauf von Halb- oder Hochstämmen kommt es auf eine gut ausgewogene Krone an. Die drei bis vier Seitenleit äste sollten in der Höhe versetzt sein. Der weite Astwinkel öffnet die Krone, steile Äste müssen gebunden oder abgespreizt werden. Ein Muster ist das gezeigte Bild des Halbstammes. Sauerkirschen und Pfirsiche werden häufig als Einjährige gehandelt. Die Stammverlängerung hat viele einjährige Zweige, die gleichmäßig um sie verteilt sein sollen. Auf dem Bild ist eine zweijährige Pflanze der Sorte 'Safir’ zu sehen, bei der reichlich Seitenholz vorhanden ist. So etwas wird selten angeboten.