Familienheim und Garten Verlagsgesellschaft mbH

Springen sie direkt:

Familienheim und Garten, Copyright: Siegfried Mairböck
 
Sie befinden sich hier: Heim & Hobby > Energie und Umwelt > Das teuerste Lebensmittel heißt Kilowattstunde
Autor
Schmidt, Joachim

Das teuerste Lebensmittel heißt Kilowattstunde


Das teuerste Lebensmittel heißt Kilowattstunde
© Archiv
Das teuerste Lebensmittel heißt Kilowattstunde
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Februar 2008 Joachim Schmidt sieht wenig optimistisch in die Energie-Zukunft. Als er vor 30 Jahren eine der ersten Wärmepumpen in Deutschland in Betrieb nahm, wurde sein Wohnhaus zum Versuchshaus. Konzerne wie Danfoss hat er beraten. Heute sieht er weniger Probleme durch Energieknappheit und Klimakatastrophe als im Gewinnstreben der Energie-Versorger.

Kaum ein Tag, an dem das Fernsehen nicht über Energie und die steigenden Kosten berichtet. Dazu immer wieder die selbe Milchmädchen-Rechnung zum Energiesparen. Beispielsweise mehr Luft in die Autoreifen pumpen und nicht am Tag mit Licht fahren. Ich habe einmal nachgerechnet. Das bringt für den Normalfahrer rund 3,25 EUR im Monat.

Oder Glühbirnen raus und Energiesparlampen rein! Standby von Fernseher und Radio abschalten. Stromspardetektive haben Hochkonjunktur. Sie übersehen nur, dass jedes elektrische Gerät im Haus entsprechend seiner Wattzahl auch Wärme liefert. Im Klartext: Werden heiße Glühlampen durch "kalte" Energiesparlampen ausgetauscht, fällt deren Wärme weg und muss jetzt von der Heizung erzeugt werden. Dieser Heizeffekt macht die Stromkosten von Glühlampen zu 30 Prozent wieder wett. Peanuts sind das nicht, aber ich habe noch keinen Energieberater erlebt, der den Heizeffekt von Glühlampen und Elektrogeräten in seine Berechnungen einbezogen hätte. Elektrischer Strom ist teuer. Eine Kilowattstunde (kWh) kostet mittlerweile rund 20 Cent. Zu Recht sind wir darüber empört. Doch wer weiß eigentlich, wie viel Kilowatt die eigene Heizung leistet und wie viel Cent eine Kilowattstunde ihrer Wärme kostet? Wie viel Energie steckt in einem Liter Heizöl, in einem Kubikmeter Erdgas, oder einem Kilo Brennholz?

Pellets, Rapsöl und Mais werden als unerschöpfliche, weil nachwachsende, Energiequellen propagiert. Doch welcher Hausbesitzer weiß um ihren Energiegehalt und kann ihn mit Heizöl oder Erdgas vergleichen? Kilowattstunden (kWh) kennen wir nur vom Stromzähler, aber auch Erdgas wird seit langem in kWh abgerechnet, obwohl die Gasuhr Kubikmeter zählt. Kilowatt sind Maßstab für Energie, sie gelten für jeden Brennstoff und gleichermaßen für Wärme, Kraft oder Licht. Deshalb wird auch die Wärmeleistung der Heizung in kWh gemessen.

Kaufmännisch richtig rechnen!
© Archiv
Kaufmännisch richtig rechnen!
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Kaufmännisch richtig rechnen!


Heizöl enthält pro Liter rund 10 kWh. Bei einem Literpreis von derzeit 74 Cent sind das 7,4 Cent pro kWh. An diesem Preis sollte man sich heute orientieren. Eine Heizung kann aber nicht den gesamten Wärmeinhalt des Brennstoffes nutzen. Rund 10 Prozent entweichen durch den Schornstein. Was bedeutet: Um 10 kWh Heizwärme zu erzeugen, benötige ich 1,1 Liter Heizöl. Dadurch erhöht sich der Preis für Heizwärme auf 8,14 Cent/kWh.

Brennholz liefert je Kilogramm rund 4 kWh (es ist meist zu feucht). Beim Einkauf für 20 Cent je Kg, kostet die kWh rund 5 Cent. Da jedoch beim Ofen (in der Praxis) 30 % der Wärme durch den Schornstein entweichen, kostet die erzeugte Raumwärme rund 7,14 Cent je kWh. Das wäre nur 12 Prozent billiger als das Heizen mit Öl und muss zumindest gegen die Kosten von Ofen und Schornstein aufgerechnet werden!

Stand Dezember 2007

Ob eine Heizung jedoch wirtschaftlich ist, hängt nicht von ihrer Technik ab, sondern vom Preis der eingekauften Energie. Und den bestimmen die Kaufleute. Jedoch nicht nach dem Energiegehalt, sondern entsprechend der Nachfrage. Maßstab ist das Heizöl. Kaufleute wollen Gewinn erzielen. Wenn heute Holzpellets zum halben Preis von Heizöl angeboten werden, ist das noch kein Beweis, dass das auch in Zukunft so bleibt. Haben erst einmal genügend Hausbesitzer auf Pelletsheizungen umgestellt und entsprechende Nachfrage erzeugt, dann wird sich auch ihr Preis am Heizöl orientieren. Das sind nun einmal die Gesetze des Marktes. Wie Nachfrage den Preis in die Höhe treibt, wird bereits jetzt beim Feuerholz deutlich. Um Heizöl oder Gas zu sparen, haben viele Hausbesitzer den Stubenofen wiederentdeckt. Preiswert im Baumarkt gekauft und den NiRo-Schornstein gleich dazu.

Heizwert von Brennstoffen

BrennstoffHeizwert
Erdgas H10,5 kwh/m3
Heizöl EL10,0 kwh/lit.
Propangas12,9 kwh/kg
Steinkohle8,2 kwh/kg
Braunkohle5,5 kwh/kg
Koks7,7 kwh/kg
Nadelholz4,3 kwh/kg
Eiche4,9 kwh/kg
Holzbriketts4,8 kwh/kg
Holzhackschn.4,3 kwh/kg
Holzpellets4,9 kwh/kg
Biogas5,6 kwh/m3
Benzin8,9 kwh/lit.
Diesel9,8 kwh/lit.
Biodiesel9,2 kwh/lit.
Vor wenigen Jahren war das eine schlaue Idee, heute geht sie wirtschaftlich nicht mehr auf. Das Holzfeuer spart zwar Heizöl oder Erdgas ein, aber die Kosten für Ofen, Schornstein und der Aufwand für Holztransport und Holzlager amortisieren sich nicht mehr, denn der Preis für Brennholz hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Und da sich Deutschland international zum Klimaschutz verpflichtet hat, werden demnächst teure Rußfilter für Öfen und Kamine zur Pflicht. Dann ist auch hier (wirtschaftlich) der Ofen aus!

Preissenkungen aufgrund von Konkurrenz unter den Anbietern sind nicht zu erwarten. Energie ist kein Produkt auf dem man sitzen bleiben kann, wie bei Textilien, die aus der Mode gekommen sind. Für Heiz öl gibt es keinen Winterschluss-Verkauf mehr. Schon heute kaufen sich die finanzstarken Energiekonzerne in die Windparks und Biogas-Anlagen ein. Sie können dann auch hier bestimmen wie viel die Kilowattstunde kostet. Hinzu kommt die Gesetzgebung zum Umweltschutz. Die wird uns weitere finanzielle Belastungen aufzwingen.

Der Ausblick auf unsere Energie-Zukunft ist also nicht ermutigend. Ich glaube zwar nicht an eine wirkliche Energieverknappung, aber an eine weitere Verteuerung, solange die Energiepreise von wenigen Konzernen bestimmt werden. Wir werden uns entscheiden müssen für welche Kilowattstunden wir unser Geld ausgeben. Fürs Heizen oder Autofahren, für Beleuchtung oder fürs Telefonieren, für zeitgemäßen Komfort oder unnötigen Luxus! Die Zeit der Großbadewannen, Whirlpools und Duschtempel ist vorbei. Wir wollen es nur nicht wahr haben. Mein Rat: Es ist wichtiger, kaufmännisch denken zu lernen und die Gesetze des Marktes zu verstehen, als sich zum privaten Heizungsexperten zu entwickeln. Energie zum halben Preis wird es nicht dauerhaft geben. Das sind meist nur Lockangebote. Der Ölpreis ist Maßstab für alle anderen Energiepreise. Nur dann kann man einschätzen, ob sich der Wechsel zu einem anderen Brennstoff oder zur Solar-Energie wirklich lohnt. Das Schlüsselwort heißt Amortisation!

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).


Werbeanzeige
Werbeanzeige