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Juni 2007 Bewässern ist die am meisten unterschätzte Gartenarbeit. Vom Frühjahr an, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Krokusse streicheln, bis spät in den Herbst hinein, wenn schon der Frost um die Häuser schleicht, gibt es im Garten zu tun. Doch das Wichtigste wird dabei oft vernachlässigt oder schlichtweg verkehrt umgesetzt. "Was kann man denn da schon falsch machen?", mögen Sie fragen. "Sind meine Pflanzen trocken, dann gieße ich sie eben." Aber Vorsicht, diese Faustregel ist gefährlich! Auch in unseren Breitengraden entstehen mehr Pflanzenschäden durch falsche Bewässerung, als durch alle anderen Ursachen.
Darum haben wir für Sie Bruno Häussler und Franz Reiber, zuständig für die Gartenbewässerung bei Gardena, gebeten, Ihnen einige wertvolle Tipps und Hinweise zu geben. Basis sind die häufigsten aber auch weniger bekannten Gießpannen. Unsere beiden Experten sagen Ihnen, welche für Ihre Pflanzen lebensbedrohlich werden. Und wie Sie sie umgehen. Vermeiden Sie diese Bewässerungsfehler, die bis zu 80 % aller Gartenbesitzer machen - und Sie sind Ihrem Traum vom blühenden, prächtigen Garten einen Riesenschritt näher. Schönere Pflanzen und gesunder, grüner Rasen sind dann kein Kunststück mehr.
Wer bisher wenig mit Gartenpflanzen zu tun hatte, sieht in der Bewässerung meist kein Problem. Man greift sich bei Trockenheit einfach Gießkanne oder Schlauch - fertig. Später wundert man sich dann, wenn Tomaten und Salat die Blätter hängen lassen, die Rosen fleckiges Laub bekommen und die Blüten der Stauden und Sommerblumen schnell unansehnlich werden.
Da Wasser das Lebenselixier im Garten ist, macht es also durchaus Sinn, die häufigsten Gießfehler kennenzulernen, von denen übrigens viele auch von erfahrenen Gartenbesitzern gemacht werden.
Überschwemmen
Nach längerer Trockenheit gilt allerdings das Gegenteil: Häufiger wenig bewässern, damit der Boden sich allmählich durchfeuchtet. Denn trockener Boden schließt seine Poren, große Wassermengen laufen ab, ohne ins Erdreich einzudringen oder die Wurzeln zu erreichen.
Extreme Schwankungen
Für die meisten Pflanzen wird es schwierig, wenn sie starke Schwankungen des Wasserhaushalts zu verkraften haben, also längere Durstphasen, auf die dann übermäßiges Gießen folgt. Denn die Kapazität der Pflanze für den Wassertransport hat Grenzen. Ausnahmen davon bilden nur Kakteen und andere Pflanzen, die längere Trockenphasen gewöhnt sind.
Totgießen
Ein weiterer häufiger Fehler ist das "Totgießen" der Pflanzen. Staunässe entzieht den Wurzeln Sauerstoff, den sie zum Atmen und für den Nährstofftransport dringend brauchen. Nach wenigen Tagen sterben die Wurzeln ab und beginnen zu faulen.
Die abgestorbenen Wurzeln können natürlich auch kein Wasser mehr für die oberirdischen Pflanzenteile aufnehmen; die Pflanze zeigt die typischen Symptome des Verdurstens.
Zu kaltes Wasser
Kaltes Wasser an heißen Tagen an die erwärmten Wurzeln der Pflanzen gebracht, kann einen Schock verursachen und die Pflanzen schädigen. Dieses Problem tritt besonders bei Topfpflanzen auf, vor allem, wenn Töpfe aus Kunststoff oder Blech verwendet werden, die in der prallen Sommerhitze zu regelrechten "Kochtöpfen" werden. Besser sind Tontöpfe, die Wasser speichern, verdunsten - und so die Temperatur regulieren.
Das Wasser sollte sich also vor dem Gießen möglichst einige Zeitlang in der Sonne erwärmen können. Ideal sind Regentonnen, oft genügt aber schon der Transport durch von der Sonne aufgewärmte Leitungen oder Schläuche.
Beim Sprengen von Rasen ist dieses Problem geringer, weil sich die Wassertropfen in der Luft erwärmen.
Gießen in der Mittagshitze
Einer der schlimmsten Bewässerungsfehler ist das Gießen in der Mittagshitze, was gleich mehrere Nachteile hat: Zunächst einmal gehen durch die hohe Verdunstung an heißen Tagen bis zu 90 % des Wassers verloren. Verwendet man Leitungswasser, fällt dieser Aspekt durchaus auch finanziell ins Gewicht.
Außerdem wird den Pflanzen durch die Verdunstung eine hohe Luftfeuchtigkeit vorgegaukelt. Die Spaltöffnungen der Pflanze öffnen sich, ihre Wasserverdunstung wird erhöht - und die Pflanze beginnt zu welken!
Im übrigen wirken die Wassertropfen in der Sonne wie hunderte kleiner Brenngläser. Obwohl Blätter eine Schutzschicht haben, sind hässliche Brandstellen die häufige Folge. Daher gilt: Besser abends oder am Morgen gießen. Aber Vorsicht: Die Beregnung am Abend hat den Nachteil, dass die Pflanzen feucht in die kühlere Nacht gehen, was Pilzerkrankungen wie Mehltau, und Schneckenbefall fördert. Ideal ist es deshalb, früh am Morgen zu bewässern.
Kein Wasser nach Düngung
Wird mineralischer Dünger verwendet, braucht die Pflanze schnell viel Wasser. Denn durch den erhöhten Nährstoffgehalt entzieht ihr der Boden Wasser; sie beginnt zu vertrocknen. Reichliches Gießen hilft, die Bodenlösung zu verdünnen und so das Austrocknen der Pflanze zu stoppen.
Ausnahmen
Natürlich gibt es auch einige "Spezialfälle", bei denen noch andere Dinge zu berücksichtigen sind. So sollten etwa Rhododendron und andere Pflanzen, die keine kalkhaltigen Böden mögen, möglichst weiches Wasser bekommen. Sie brauchen saure Böden, die durch einen hohen Kalkgehalt im Gießwasser aber wieder neutralisiert würden. Liegt der Härtewert Ihres Wassers unter 10° deutscher Härte (°dH), ist es unbedenklich. Bei mehr als 15° dH sollten Sie Regenwasser verwenden - oder Ihr Wasser enthärten, zum Beispiel, indem Sie ein Säckchen mit Weißtorf füllen und einige Stunden ins Gießwasser legen. Kakteen müssen natürlich nur selten gegossen werden; sie können Wasser gut speichern, denn auch in ihrer natürlichen Umgebung sind sie lange Trockenphasen gewohnt. Zyperngras dagegen muss auch im Blumentopf in tropfnasser Erde stehen, denn es hat seine Heimat in den Überschwemmungszonen am Nildelta - Staunässe bereitet ihr keine Probleme. In Zweifelsfällen hilft der Blick in ein gutes Pflanzenlexikon - oder ein Anruf beim Fachberater Ihres Landesverbandes.
Gießpause im Winter
Die meisten Pflanzen müssen im Winter nicht gegossen werden. Immergrüne brauchen aber auch in der kalten Jahreszeit Wasser. Der Grund: Über die Blätter verdunstet die Pflanze auch im Winter Wasser, besonders an sonnigen, warmen Tagen. Durch Bodenfrost gelangt aber nur wenig Wasser zu den Wurzeln. Darum sollte man seine immergrünen Topfpflanzen im Winter aus der Sonne nehmen - und Phasen ohne Bodenfrost möglichst immer zum Gießen nutzen.
Besser gießen
Zwar hat fast jede Pflanze (oder Pflanzengattung) individuell unterschiedliche Bedürfnisse; die hier aufgezeigten Gießfehler (und die Tipps, wie man’s besser macht), sind aber nahezu allgemeingültig. Die Nutzung von Regenwasser für Haus und Garten wird immer beliebter und bei steigenden Wasserpreisen auch lukrativer. Zisternen in unterschiedlichen Größen sind eine wirtschaftliche Lösung.
Ungenügende Bewässerung
Richtige Bewässerung
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Der häufigste Gießfehler ist der, die Pflanzen - ob Rasen, Beete oder Topfpflanzen - "öfter mal ein bisschen" zu gießen. Statt dessen sollte man seltener, aber dafür durchdringend gießen. Im Sommer rechnet man mit einem wöchentlichen Wasserbedarf von 20 Litern je Quadratmeter. Nur bei dieser Menge kann das Wasser zu den tiefer gelegenen Wurzeln vordringen, ungefähr 20 cm tief. Bewässert man etwa Rasen über längere Zeit nur "oberflächlich", dann beschränkt er sein Wurzelwachstum auf die oberen Zentimeter der Rasentragschicht; die Ausbildung tieferer Wurzeln wird verhindert. Doch diese oberste Bodenschicht trocknet während heißer Phasen im Sommer leicht aus. Die Folge: Dürreschäden des Rasens sind vorprogrammiert. Übrigens: Topfpflanzen können kurioserweise selbst bei Regen "vertrocknen". Beim Buchs z.B. kann das Wasser seitlich ablaufen, ohne die Wurzeln überhaupt zu erreichen.