Juni 2007 Der Apfelmehltau gehört zu den Krankheiten, über die viel geschrieben und diskutiert worden ist. Uns allen ist sein Schadbild vor Augen und wer alte Sorten sein Eigen nennt, denkt mit Grauen über das Aussehen der Bäume besonders in diesem Jahr nach.
Blicken wir zurück in den April, so wurde berichtet, dass es der trockenste und wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Der milde Winter und die früh einsetzende Belaubung führten zu früher Blüte. Und damit zu einem ungewöhnlichen Infektionsdruck. Schon im April gab es Blätter mit dem typischen mehlartigen Belag, nach dem dieser Pilz seinen deutschen Namen hat.
Welche Faktoren sind es, die Infektion und Wachstum dieses Pilzes fördern? Seit Generationen weiß man, dass flachgründige Standorte und leichte sandige Böden das Auftreten fördern. Wie das biologisch zu begründen ist, blieb bis heute ein Rätsel. Warme Gegenden mit hoher Sonnenscheindauer sind geradezu prädestiniert. Letztendlich spielt die Witterung eine wesentliche Rolle. Fällt eine Warmwetterperiode mit wenig Niederschlag in eine Zeit mit hohem Sporenangebot, muss mit erhöhtem Befallsdruck gerechnet werden.
Zum besseren Verständnis kann ein Blick in die Biologie helfen. Der Pilz überwintert mit Teilen seines Myzels in den Blattknospen, denen das anzusehen ist: Die Schuppen sind locker und nicht ganz geschlossen. Bald nach dem Austrieb überziehen sich die jungen Blätter mit diesem mehlartigen Überzug. Auch Blütenknospen können der Überwinterung dienen. Die erscheinenden Blüten sehen grünlich aus, sind kleiner und nicht lange lebensfähig. Mit dem Vergrößern der Knospe beginnt das Myzel zu wachsen und dringt in das Pflanzengewebe ein. Mit dem Erscheinen blattgrünhaltiger Blätter setzt der Pilz Sporen frei - in diesem Falle Konidien, die mit dem Wind verbreitet werden. Gelangen nun Sporen auf geeignetes junges Pflanzengewebe, beginnt besonders bei Temperaturen über 20°C und hoher nächtlicher Luftfeuchte das Keimen. Dabei sind die Blütenblätter und die Blüteninnenteile besonders gefährdet. Die neuen Laubblätter bleiben etwa 14 Tage befallsbereit. Im Juni und Juli zur Zeit der Langtriebbildung ist stets frisches Blattgrün für die Infektion vorhanden. Es werden die Blatt- und Blütenknospen für das Folgejahr gebildet. Daher ist in dieser Zeit die Gefahr für den Befall für ein weiteres Jahr besonders groß. Nach dem Befall des Blattes wächst das Myzel durch den Stiel in die sich bildende Knospe. Dort überwintert der Pilz.
Allgemein denkt man an den Befall der Blätter und der jungen Triebe. Wenig bekannt sind Schäden an Früchten. Sie sind nicht als Mehltau zu erkennen, sondern als netzartige Berostung auf der Fruchtschale. Im Hausgarten kann sie ignoriert werden, sie beeinträchtigt den Geschmack nicht. Im Erwerbsanbau jedoch werden die Früchte aussortiert.
Welche Maßnahmen stehen zur Verfügung?
Abgesehen von der Chemie gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die Wahl widerstandsfähiger Sorten, also jene, bei denen ein gewisser Befall toleriert werden kann, und der regelmäßige Schnitt und das Ausbrechen befallener Triebe und Blattbüschel. Letzteres sollte gewissenhaft beim Winterschnitt beginnen und unter ständiger Beobachtung über den Sommer fortgesetzt werden. Das Problem hierbei ist die Nachbarschaft. Denn leider kennen die Pilzsporen im Wind weder Grenzen noch Entfernungen. Vielleicht sollte man sich von besonders anfälligen Sorten trennen, denn es stellt sich die Frage, ob Sorten wie 'Weißer Klarapfel', 'Cox Orangenrenette', 'Boskoop' und alle 'Jonathan'-Verwandten nicht durch modernere widerstandsfähigere Sorten ersetzt werden können. Zu den toleranten älteren Sorten zählen 'James Grieve', 'Golden Delicius' und 'Alkmene', das neuere Sortiment besteht zum Teil aus den 'Re'-Sorten, bei deren Züchtung auch auf Mehltauresistenz geachtet wurde: 'Rewana', 'Regine', 'Remo', 'Regia' und 'Rebella'. Aber auch die Sorte 'Elstar' kann in entsprechenden Lagen mit einem Maß an Widerstand angebaut werden.
Die zugelassenen chemischen Mittel sind sehr begrenzt. Da sich die Zulassungssituation ständig ändert, kann kaum ein Mittel für einen längeren Zeitraum genannt werden. Spritzungen mit Netzschwefel sind in der Phase vor der Blüte wirksam, nach der Blüte bergen sie bei einigen Sorten die Gefahr der Berostung. Mit dieser Einschränkung ist auch Cuprozin WP zu nennen, dessen Wirkstoff eine Kupferformulierung ist. Pilzfrei Ectivo und BioBlatt-Mehltaumittel sind aus der Veröffentlichung "Pflanzenschutz im Garten 2007" entnommen.