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Autor
von Soosten, Rolf

Augen auf beim Obstbaumkauf


Februar 2007 Der Titel kann provozierend wirken. Das soll er auch. Der Unterschied zwischen einem Blumenstrauß für 20 € und einem Obstgehölz zum gleichen Preis liegt in der Lebensdauer: Ersterer ist nach zwei Wochen vergessen, letzterer hat vielleicht nach zwanzig Jahren erst zwei Drittel seines Lebens hinter sich! Gar zu wenig Wissen und Aufmerksamkeit wird dem Kauf von langlebigen Gehölzen gewidmet.

Seit einigen Jahren nimmt der Verkauf an getopfter Baumschulware (Containerware) zu. Der Vorteil liegt im (meist) besseren Anwachsergebnis. Was aber viele Kunden nicht wissen: Das Wurzelgeflecht des Ballen ist aufzulockern. Neue Wurzeln sollen in die neue Erde wachsen. So verhindert man in Trockenperioden einen Wachstumsschock. Der Laie sieht oft nicht, wie viele Jahre die Pflanze schon im Topf steht. Mehrjährig im Container gehaltene Obstgehölze haben Probleme mit dem Anwachsen und sind nicht unbedingt empfehlenswert. Bei sogenannter "nackter Wurzel" achte man auf gute Verzweigung und möglichst viel feines Wurzelwerk, wie es auf dem Bild zu sehen ist. Nicht alle Obstunterlagen können so etwas aufweisen. Sämlingsunterlagen sind oft nur kläglich garniert. Sie besitzen aber ausreichend Reservestoffe im Holz und wachsen trotzdem an. Nicht zu akzeptieren sind Fraßschäden von Wühlmäusen und Wurzelkropf.

Der gerade Stamm ist eine mehr ästhetische Sache. Im Ertrag spiegelt er sich nicht wieder. Wichtig ist jedoch die Unversehrtheit. Am Stamm können Wunden verheerende Folgen haben. Um dem allgemeinen Wunsch der Kunden nach frühem Ertragsbeginn zu entsprechen, bemüht sich der Baumschuler um weite Astansatzwinkel. Sie ersparen oder erleichtern uns das Herunterbinden. Bäume mit höheren Stämmen und dem Ziel großer Kronen brauchen eher steilere Triebe, die als Seitenleitäste zu erziehen sind. Sie sollten nicht als Quirl den Stamm verlassen, sondern in der Höhe versetzt. Quirle führen langfristig zum Verkümmern der Stammverlängerung. Nicht zu akzeptieren sind Zwillingsäste. Sie konkurrieren miteinander und bilden dann eine sehr steile Krone. Oft bricht einer aus und damit ist die Statik der Krone verloren.

nach oben Wo kauft man am besten Obstgehölze?


Gute Baumschulen mit weitgefächertem Angebot sind leider nicht in jedem Ort zu finden. Dort ist aber die Beratung am besten. Der Kunde muss Fragen über Reifezeit, Lagerfähigkeit, Befruchtersorten und Wuchseigenschaften beantwortet bekommen. In guten Gartencentern ist das oft möglich. Können das auch die Verkäufer in Kettenläden und Baumärkten? Unter dem Aspekt der Langlebigkeit dieser Gehölze geht man besser den aufwendigeren Weg zum Fachmarkt. Wo sie sich befinden sagen die Gelben Seiten. Und wenn Sie in einen Markt kommen, sehen Sie schon selbst, in welchem Zustand sich die Ware befindet, wie sie den Winter über gepflegt und gelagert wurde. Positive Beispiele zeigen die Bilder.

Im Vergleich ein sogenannter Knipbaum, zweijährig, reichlich ausgestattet mit vorzeitigen Trieben. Sie sind ideal für den Aufbau einer Spindel.
© von Soosten, Rolf
Im Vergleich ein sogenannter Knipbaum, zweijährig, reichlich ausgestattet mit vorzeitigen Trieben. Sie sind ideal für den Aufbau einer Spindel..
Einjährige Veredlung einer Sauerkirsche im Container. Sie ist gut beastet und für alle Baumformen zu gebrauchen.
© von Soosten, Rolf
Einjährige Veredlung einer Sauerkirsche im Container. Sie ist gut beastet und für alle Baumformen zu gebrauchen.
Dies ist die Folge eines ausgebrochenen Zwillingsastes.
© von Soosten, Rolf
Dies ist die Folge eines ausgebrochenen Zwillingsastes.

nach oben Und wie werden Sie durch den Markt geleitet?

Klare Beschilderung und vor allem korrekte Auszeichnung sind ein gutes Indiz. Jedes Gehölz sollte ein Etikett mit den wichtigsten Hinweisen über Art und Sorte, Eigenschaften und im Idealfall zum Pflanzen haben. Immer nützlich ist der Hinweis auf den Bund Deutscher Baumschulen, der bestimmte Anforderungen an die Führung dieses Etiketts stellt.

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