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Familienheim und Garten, Copyright: Siegfried Mairböck
 
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Autor
Schmidt, Joachim

Kunst oder Kitsch?


Die auffällige Bemalung der Fassaden macht das Haus zum Blickfang. Schöner wurde es aber nicht!
© Schmidt, Joachim
Die auffällige Bemalung der Fassaden macht das Haus zum Blickfang. Schöner wurde es aber nicht!
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Juli 2006 Vielen Hausbesitzern scheint die Gestaltung und Architektur ihrer Häuser wohl zu wenig ausdrucksvoll. Sie suchen nach Attraktionen, um ihre Häuser besser in Szene zu setzen. Unser Architekt
Joachim Schmidt hat sich dazu ein paar ganz persönliche Gedanken gemacht.

Seit Anfang des Jahres fahre ich mehrmals pro Woche zu einer rund 35 km entfernten Baustelle. Den Weg kenne ich mittlerweile im Schlaf und auch die Auffälligkeiten am Straßenrand, die wie Wegmarken die Fahrtstrecke aufteilen.

Zuerst war es nur eine gelbe Sat-Schüssel auf einem Dach, die mir immer wieder ins Auge fiel. Nach und nach kamen weitere Details hinzu. Eine zur "Tiger-Ente" umgestaltete Schuttmulde im Vorgarten, eine "Fischgrät-Fassade", sowie eine Reihe bemalter Garagentore. Gedankenlos fuhr ich immer wieder an diesen "Hinguckern" vorbei.

Bis eines Tages eine fast lebensgroße Plastik-Kuh in einem Vorgarten auftauchte. Jetzt musste ich halten. War die Kuh womöglich echt? Gibt es einen Bezug zum Haus? Wohnt hier ein Viehhändler oder Molkereibesitzer? Da sich aber nichts dergleichen ermitteln ließ und auch Kuh unbeweglich blieb, fuhr ich weiter, begann aber von Stund an über die diversen "Kunst-Objekte" am Rande meiner Wegstrecke nachzudenken.

Was veranlasst Hausbesitzer zu solchen Eskapaden? Erfreuen sie sich selbst an ihren Gestaltungsideen oder wollen sie lediglich Aufmerksamkeit oder gar Bewunderung erregen? Da ich keinen der Urheber dieser Kunstwerke kenne, fragte ich meine Freunde.

Das sind nur Gags, sagten die meisten: Manche Menschen wollen durch Mut zum Außergewöhnlichen auffallen! Man muss das nicht ernstnehmen und darf das auch nicht kritisieren, schließlich leben wir ja in einer Demokratie. Leicht gesagt, wenn es einen selbst nicht betrifft. Auf meine Frage, ob man denn jeden Morgen aus dem Fenster auf ein solches Kunstwerk blicken möchte, waren die Antworten weitaus weniger tolerant. Und auch ich musste zugeben, dass ich mich an diesen Kunstwerken nicht mehr belustigen konnte, wie beim ersten Anblick der Fall.

Ein Gag hat nämlich eine Kehrseite. Er darf sich nicht abnutzen. Ein Gag soll humorvoll und geistreich sein und Schlagfertigkeit beweisen. Seine Wirkung liegt deshalb in Spontaneität und Einmaligkeit. Dauer-Gags gibt es nicht. Sie werden langweilig wie ein Witz, der beim wiederholten Erzählen auf die Nerven geht.

Plastik-Kuh im Vorgarten: Wohnt hier ein Viehhändler oder Molkereibesitzer?
© Schmidt, Joachim
Plastik-Kuh im Vorgarten: Wohnt hier ein Viehhändler oder Molkereibesitzer?
Eine Schuttmulde in eine Tiger-Ente umzugestalten, dazu gehört schon reichlich Phantasie. Aber warum?
© Schmidt, Joachim
Eine Schuttmulde in eine Tiger-Ente umzugestalten, dazu gehört schon reichlich Phantasie. Aber warum?
Fugenkunst, die vor den Augen flimmert. Viel Arbeit aber wenig Lohn, denn solche Gestaltung lässt sich schlecht verkaufen.
© Schmidt, Joachim
Fugenkunst, die vor den Augen flimmert. Viel Arbeit aber wenig Lohn, denn solche Gestaltung lässt sich schlecht verkaufen.

Gleiches gilt auch für diese "Vorgarten-Gags". Sie sind für Häuser und Gärten nicht geeignet und ihre Besitzer werden, nachdem das Staunen vorbei ist, eher belächelt als bewundert.

Das gilt auch für die vielen Geschmacksverirrungen bei der künstlerischen Gestaltung von freien Flächen. Zugegeben, ein Garagentor aus Blech ist nicht besonders attraktiv. Aber wird es durch Bemalen schöner? Und welche Motive wären wohl geeignet? Da gibt es Affen, Hamster, Pelikane, Sonnenuntergänge und sogar aufgemalte Spruchweisheiten. Motive rund ums Auto sucht man jedoch vergebens. Eigentlich widersinnig - oder nicht?

Lächeln kann ich auch nur über eine offensichtliche Hausnummern-Manie. Die Ziffern gut sichtbar und lesbar an die Hauswand zu setzen, scheint nicht auszureichen. Schräg muss es sein und am liebsten in dicker Keramik oder filigranem Schmiedeeisen.

Aber all das ist nur meine ganz persönliche Meinung. Und einem Architekten sind die im Studium antrainierten Gestaltungsregeln nur schwer wieder auszutreiben. Trotzdem sollte jeder Hausbesitzer, dem es nach einem Gestaltungs-Gag in den Fingern kribbelt, sich die Frage stellen, was er denn damit bewirken will. Haus und Garten verschönern, Spaß haben, oder nur Auffallen um jeden Preis.

Bitte melden Sie den Kommentar nur, wenn er andere Menschen beleidigt, beschimpft oder diskriminiert, oder Äußerungen enthält, die Gesetze verletzen (beispielsweise zu einer Straftat aufrufen).

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31. Mai 2011

peter

kann eine solche geliehen werde? wenn ja wo.

MfG

Peter


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