Juli 2006 Die Gattung der Zichoriengewächse aus der großen Familie der Korbblütler liefert besonders wertvolle Salatgemüsearten. Neben Endivie, Radicchio, Chicoree und Löwenzahn wird dem Zuckerhut im Gemüsegarten immer mehr Platz eingeräumt.
Für seinen verstärkten Anbau spricht seine gute Lagerfähigkeit sowie die Verträglichkeit von Frösten bis etwa -7 °C. Besondere Beachtung verdient sein gesundheitlicher Wert. Neben dem erfrischend wirkenden Bitterstoff Intybin enthalten die Pflanzen das für Zuckerkranke wichtige Inulin sowie Chlorophyll, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe.
Saattermin besonders wichtig
Um ein vorzeitiges Schossen der Pflanzen zu verhindern, ist ein Saattermin in der letzten Juni- bis zur ersten Juliwoche unbedingt einzuhalten. Ausgesät wird in Reihen von 40 cm Abstand und nach dem Aufgang in der Reihe auf 35 cm vereinzelt. Sicherer als die risikoreiche Direktsaat ist die Pflanzkultur mit selbstangezogenen oder zugekauften Setzlingen. Die Aussaat hierzu erfolgt in einem kleinen Topf am Fensterbrett. Die Sämlinge werden im Keimblattstadium in etwa 4 bis 5 cm große Töpfe oder Topfplatten, zum Beispiel Multitopfplatte, pikiert und Anfang August ausgepflanzt.
Nährstoffreste vorhergehender Gemüsekulturen werden von den Pfahlwurzeln des Zuckerhutes gut aufgenommen, so dass eine gute Kompostgabe sowie 30 g/m2 eines Blau- Volldüngers im allgemeinen den Nährstoffbedarf deckt. Ansonsten werden vor dem Pflanzen 65 g Blau-Volldünger bzw. 70 g Guano je Quadratmter gestreut. Nach stärkeren Sommerniederschlägen kann u.U. eine Ausgleichsdüngung erforderlich werden, welche spätestens Mitte September zu verabreichen ist. Sie sollte 30 g Blau-Volldünger bzw. 20 g Kalkammonsalpeter je Quadratmeter nicht überschreiten. Gelegentliches Auflockern des Bodens und Gießen stellen die einzigen Arbeiten bis zur Ernte dar. Die Zuckerhutpflanze ist recht widerstandsfähig und robust, weshalb sie von Krankheiten und Schädlingen kaum heimgesucht werden.
Ernte und verschiedene Lagermöglichkeiten
Zichorie Zuckerhut kann normalerweise ab Anfang Oktober geerntet werden. Die ersten Fröste vertragen die Pflanzen im Gegensatz zur Endivie meist ohne Schäden, so dass es mit der Ernte nicht eilt. Schützt man die Pflanzen zusätzlich mit Vlies, lässt sich die Ernte im Freien, besonders in milden Klimagebieten, oft bis in den Dezember hinein vornehmen. Normalerweise wird man Mitte November die Zuckerhutköpfe mit Wurzelballen ausstechen, einen Teil der großen Umblätter entfernen und sie im Keller in feuchten Sand oder Erde einschlagen. Gut bewährt hat sich das "Aufhängen" der Zuckerhutpflanzen im Keller oder in einem frostfreien Schuppen; dadurch kann die Lagerzeit um mehrere Wochen verlängert werden. Für Besitzer eines Frühbeetes ist die Zuckerhutlagerung kein Problem. Allerdings kommt man nicht umhin etwas Boden auszuschaufeln, damit ein Abstand bis zu den Fenstern von etwa 40 bis 50 cm erreicht wird. Nur dann lassen sich die Zuckerhutköpfe mit Wurzeln gut unterbringen. Sie werden nicht zu dicht eingeschichtet und die Wurzelballen mit feuchter Erde etwas abgedeckt. Anschließend wird das Beet mit Fenstern gedeckt und zum Schutz vor Kälte und Sonnenbestrahlung mit Stroh oder Schilfmatten oder auch mit Brettern abgedeckt. Das Gemüse ist nur dann gut haltbar, wenn es sich nicht erwärmen kann. Nicht versäumt werden darf das rechtzeitige Lüften an frostfreien Tagen und Nächten ohne Abnahme der Bedeckung. Besonders lange lässt sich Zuckerhut im unbeheizten Gewächshaus aufbewahren. Die Lagerung erfolgt mit Wurzelballen wie im Frühbeet. Doch auch im Gewächshaus ist ein Frost- und Sonnenschutz nicht zu umgehen. Dies kann mit Vlies, schwarzer Folie und bei starker Kälte mit größeren Kartonabschnitten u.a. erfolgen. Ebenso darf das Lüften an frostfreien Tagen nicht vergessen werden. Sortenempfehlung: 'Kristallkopf’, 'Jupiter’, 'Pluto’, 'Zuckerhut’, 'Stamm Vatter’, 'Uranus’ u.a.
Bezugsnachweis: - Samen Hild, 71666 Marbach am Neckar
- Kiepenkerl Pflanzenzüchtung, 48348 Everswinkel bei Warendorf
- Sperli Saatgut, 21316 Lüneburg