Juli 2006 Eine Gemüsesorte zeigt einzelne oder mehrere abweichende äußere bzw. innere Eigenschaften, die sie von anderen ihresgleichen unterscheiden.
Je nach Gemüseart können das zum Beispiel Unterschiede in der Entwicklungsdauer, Schossfestigkeit, Erntereife, Eignung für den Unterglas-, Freiland-, Früh-, Sommer-, Herbst-, Industrie-, Frischmarkt-, Hausgartenanbau, Pflanzenlänge, Bestandshöhe, Blattform, -farbe, -beschaffenheit, Kopf-, Frucht-, Knollen-, Rübenform, -größe, -gewicht, -festigkeit, -farbe, -platzfestigkeit, Strunk-, Innenstrunk-, Schaftlänge, Lagereignung, im Nitrat-, Oxalsäuregehalt sein.
Die Merkmale und Eigenschaften werden teilweise in Form einer Benotung (1 - 9) in den Beschreibenden Sortenlisten des Bundessortenamtes (BSA) angegeben bzw. durch mehr oder weniger ausführliche Texte in Firmenkatalogen/Saatguttütenaufdrucken oder Sortenempfehlungen verschiedener Institutionen vermittelt.
Meistens recht zurückhaltend oder gar nicht wird dagegen bei solchen Charakterisierungen die Anfälligkeit einzelner Züchtungen gegenüber verschiedenen Krankheiten oder eventuell Schädlingen notiert. Das geschieht auch nur bei einigen Gemüsearten (in den BSA-Listen u.a. bei Bohnen, Erbsen, Chinakohl, Sellerie, Petersilie) und beschränkt sich dann lediglich auf wenige Schwächen. Dies darf dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass - trotz beachtlicher Fortschritte in der Toleranz- und Resistenzüchtung* - viele Sorten noch eine unzureichende Widerstandsfähigkeit für Infektionen dieser oder jener Art besitzen. Die niederländische Untersuchung an einigen Weißkohlzüchtungen bezüglich deren Sensibilität gegenüber dem Thrips-Befall (tierischer Schädling) und einigen Erkrankungen zeigt das deutlich. (Mit Ausnahme der Hinweises auf die Mycosphaerella-Unanfälligkeit einer einzigen Sorte nennt die obengenannte BSA-Liste 1995 dagegen keine Weißkohl-"Empfindlichkeiten"). In der untenstehenden Darstellung lautet die Bewertung abweichend vom obigen Schema: 0 = gar keine oder geringe, 3 = sehr starke Anfälligkeit; 0,5 entspricht der Beurteilung 0 - 1. Dabei sind der Weißkohl und die ältere Sortenangabe hier im Prinzip gar nicht so entscheidend. Es geht um das Beispielhafte. Und das gilt so oder so auch für das aktuelle Sortenspektrum anderer Gemüse und dessen unterschiedliche Empfänglichkeit für bestimmte pflanzliche "Gebrechen", mit der der Freizeitgemüsebauer oftmals überrascht wird und sich herumschlagen muss. Dass der Grad ihrer jeweiligen Ausprägung durch die ökologischen Verhältnisse des konkreten Standortes und die individuelle Anbautechnik mit beeinflusst werden kann, vermag sich jeder vorzustellen.
© Titze, Winfried
Thrips-Folgeschäden = warzenartige, verkorkte Wucherungen auf dem Laub und den Kopf-Blattlagen. Mycosphaerella (Ringfleckenkrankheit) = grau-braune bis schwarze, zonierte, runde bis ovale Flecke von 0,5 - 2 cm Durchmesser auf Blättern und Köpfen. Mehltau = bekannt. Weißer Rost = glänzend weiße Sporenmassen auf Blättern und Stängeln.
0 = geringe, 3 = sehr starke Anfälligkeit
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* Breite Resistenz bei Tomaten, dagegen nur gegen Echten Mehltau bei Gurken und Erbsen, gegen Falschen Mehltau bei einigen Salatarten, Spinat, gegen Brennflecken bei Buschbohnen u.a. (nach BSA-Listen 1993-1997).