© Schmidt, Joachim
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Januar 2006 50 Jahre lang war die gesicherte Energieversorgung kein Thema und auch heute besteht kein Mangel an Energie. Doch weitsichtige Fachleute warnen vor allzu großer Sorglosigkeit. Dass die Weltvorräte an Erdöl und Erdgas zu Ende gehen ist absehbar. Wie lange können wir uns solche Weihnachtsbeleuchtungen noch leisten?
Glaubt man kritischen Fachleuten, hat die weltweite Förderquote von Erdöl ihren Höhepunkt überschritten und ist nicht mehr zu steigern. Der Ertrag der Ölfelder (auch in Amerika) nimmt bereits ab. Nur die Golfstaaten können die Produktion noch erhöhen, der Iran sogar neue Quellen erschließen. Ob das zutrifft ist nicht ganz sicher. Keine Ölgesellschaft nimmt mehr Bohrungen vor als erforderlich, das wäre betriebswirtschaftlich unrentabel.
Doch die Ära der fossilen Brennstoffe wird ihr Ende haben. Die zur Zeit geltende Sicherheit der Ölversorgung für 45 Jahre (bei Erdgas 70 Jahre) basiert auf heutigem Verbrauch, und der wird eher steigen als sinken.
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Rohöl-Daten 2004
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Steigen werden auch die Energiepreise, denn je gefragter ein Produkt ist, desto teurer wird es. Hinzu kommt, dass die Verfahren, Öl oder Gas aus der Erde zu fördern, in dem Maße teurer werden wie die Ergiebigkeit der Lagerstätten abnimmt.
Energieknappheit ist nicht neu. Die beiden Weltkriege haben unsere Großeltern gelehrt, dass man auch mit wenig Brennstoff auskommen kann. Doch der heutige Lebensstandard ist damit nicht zu vergleichen. Weil niemand mehr auf sein Auto verzichten oder gar in der Wohnküche leben will, versetzten schon die Energiekrisen der 70er Jahre die halbe Welt in Panik. Unvermutet sahen sich Automobil- und Heizungsindustrie zur Entwicklung neuer Techniken gezwungen, sonst war nichts mehr zu verkaufen. Binnen weniger Jahre kamen Niedertemperatur-Heizkessel auf den Markt, deren Wirkungsgrade rund 50 Prozent höher lagen als bei den bislang üblichen Systemen. Auch Isolierglas und Wärmedämmung fanden nunmehr schnell ihren Weg in die Häuser.
All das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass die Grundlage für die warme Wohnung weiterhin Heizöl oder Gas bilden. Auch die moderne Brennwerttechnik, die weitere 10 Prozent Wärme aus dem Brennstoff holt, kann nicht weiterhelfen, wenn Öl und Gas nicht mehr zur Verfügung stehen.
Umweltenergie ersetzt keine Kraftwerke
So liegt es auf der Hand, Umweltenergie zu nutzen. Die ist zwar kostenlos, denn für Sonnenschein und Wind müssen wir nichts bezahlen, aber deren Umwandlung in nutzbare Wärme oder elektrischen Strom ist technisch aufwendig. Hinzu kommt, dass Umweltenergie nur zur Verfügung steht, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Energie aus der Umwelt kann deshalb dazu beitragen Kraftwerke zu entlasten, ersetzen kann sie sie jedoch nicht.
Weniger Aufwand scheint mit dem Anbau der Rapspflanze verbunden, aus dem sich ein Öl pressen lässt, das Dieselmotoren zum Laufen bringt. Aber Rapsöl ist aggressiv. Die damit betriebenen Motoren halten nur halb so lange wie konventionelle mit Dieselmotoren. Sogar der höherwertige Bio-Diesel ist von einigen Autoherstellern nicht zugelassen.
Der Ölpreis bleibt Maßstab für Energiepreise
Beispielhaft für "nachwachsende Energie" ist deshalb Holz. Als Kloben in Kamin und Kachelofen verbrannt, hat es schon Jahrhunderte ganze Häuser beheizt. Heute werden Holz-Schnitzelfeuerungen und Heizkessel für Pellets als billige Alternative zu Öl und Gas angepriesen. Das betrifft aber nur den Brennstoff Holz, nicht aber die Feuerungstechnik und Lagerbunker für die Holzschnitzel. Fäulnisbakterien in den Holzschnitzeln haben sich mittlerweile als ernst zu nehmendes Gesundheits-Problem erwiesen und zu speziellen Vorschriften gezwungen.
Per Saldo macht der billige Brennstoff Holz die Kosten für die Feuerungs- und Lagertechnik nicht wett, und wenn - dann erfahrungsgemäß nur kurzfristig. Alle Energiekosten orientieren sich letztlich am Ölpreis. Er ist Maßstab für den Markt. An dauerhaft günstige Brennholz-, Schnitzel-, und Pellet-Preise zu glauben, ist deshalb Illusion. Dafür sorgen schon die Kaufleute.
Auch die Wärmepumpe ist kein Billig-Heizsystem. Sie kann auf Dauer nur wirtschaftlich sein, wenn Strom- und Gaspreise stabil bleiben und langjährige Sondertarife sichergestellt sind. Technikbegeisterte Hausbesitzer haben Spaß an diesem System. Die generellen Energie-Probleme löst aber auch die Wärmepumpe nicht, denn auch sie ist von den konventionellen Energieträgern Strom und Gas abhängig.
Die Energieversorgung unserer Städte und Siedlungen basiert auf dem Anschluss an das Stromnetz, die Gasversorgung oder den eigenen Öltank. Auf dieser Grundlage werden jetzt die Energieträger "verschnitten" wie Weinbrand. Dem Strom aus dem Kraftwerk wird Elektrizität aus Windgeneratoren und Solarkollektoren zugespeist, dem Kraftstoff Pflanzenöl zugemischt, und dem Erdgas steht die Zufügung von Biogasen bevor.
Wann kann Wasserstoff das Erdgas ablösen?
Durch diese Maßnahmen lassen sich die Mineralöl- und Gasvorkommen deutlich "strecken" und bereiten vor auf den Wechsel zu neuen Energieträgern, wobei in ferner Zukunft auch das Wasserstoffgas wieder interressant werden könnte. Schon das frühere giftige Kokereigas hatte einen hohen Anteil von Wasserstoff. Heute wird Wasserstoff aus unterschiedlichsten Quellen gewonnen und der Vorrat in den Ozeanen ist buchstäblich unerschöpflich. Aber seine Produktion ist teuer, denn dafür braucht man wiederum Energie. Strom aus Windkraft und Solar könnten hier helfen, doch für die erforderlichen Mengen reicht die heutige Technologie nicht.
Das Autofahren kostet die meiste Energie
Wo also ist der Ausweg? Wir müssen lernen, Energie nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als ein Gut zu betrachten, das genauso teuer erkauft werden muss wie gesunde Lebensmittel. Und wir müssen dieses Gut bewerten. Wollen wir es verschwenden oder sinnvoll einsetzen? Letzteres bedeutet keineswegs, damit zu geizen. Dann würde unser Wohnkomfort leiden. Die zwangsläufige Verknappung von Energie und Verteuerung wird zum Nachdenken zwingen. Wir werden lernen müssen, dass Strom aus der Steckdose seinen Preis hat.
Heute verbraucht ein Durchschnittshaushalt für Heizung und Warmwasser rund 60 Prozent seines Gesamt-Energiebedarfs, fürs Autofahren weitere 32 Prozent. In EURO umgerechnet sieht die Sachlage allerdings ganz anders aus. Da kostet das Autofahren pro Jahr genau so viel wie die Hausheizung mit Warmwasserbereitung. Die Frage, wo man ohne Einbuße von Wohnqualität effektiver spart, beantwortet sich deshalb von selbst.
Den Wirkungsgrad von Motoren deutlich steigern
Das gilt auch für den Luftverkehr. Fliegt eine dreiköpfige Familie in die USA, verbraucht sie dafür genauso viel Energie wie zum Beheizen ihres Einfamilienhauses im Jahr.
Es gibt keinen Grund mit einem baldigen Versiegen der Energiequellen zu rechnen, doch mit erheblichen Veränderungen des täglichen Lebens und der Lebensgewohnheiten. Komfort hat seinen Preis und Mobilität kommt teuer. Mit dem Geländewagen zum Brötchenholen zu fahren, wird in absehbarer Zeit genauso zur Vergangenheit gehören, wie die Methode der Industrie unsere Autobahnen als rollende Lagerstätten zu missbrauchen.
Wurde einst der Brennstoff Holz durch die Steinkohle und diese wiederum durch Heizöl und Erdgas abgelöst, steht für einen ähnlichen Wechsel der Energieträger noch kein neues Medium in Aussicht. Zur Zeit müssen wir mit Öl und Erdgas heizen und autofahren. Ein moderner Heizkessel holt 88 Prozent Wärme aus dem Energiepotential von Öl oder Gas. Die Brennwerttechnik bringt noch rund 10 Prozent dazu. Das ist nicht mehr zu überbieten, denn mehr Energie als im Brennstoff vorhanden, lässt sich auch nicht herausholen.
Vergleicht man das mit dem Auto, dann haben Ottomotor (30%) und Dieselmotor (35%) recht bescheidene Wirkungsgrade und sind eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Hier gibt es noch ein riesiges Sparpotential. Die technische Entwicklung kennt jedoch keinen Stillstand und schreitet mit ungeahnter Schnelligkeit voran. Daran gemessen dürfte die Sorge, in 50 Jahren vor einem energietechnischen Blackout zu stehen, unbegründet sein.