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Autor:
Dagner, Gerd

Neozoen



Neue Tierarten in der heimischen Natur

November 2005 Neozoen sind Lebewesen, die nach dem Jahr 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas, in ein bestimmtes Gebiet gelangt sind und dort wild leben. "Wild" leben heißt dabei, eine Art muss mindestens 25 Jahre oder seit drei Generationen im Gebiet frei lebend existieren. Nicht dazu zählen Nutztiere der Menschen und Tiere aus Zoologischen Gärten, sowie Tierarten, die vom Menschen ausgerottet wurden und heute wieder hierzulande angesiedelt werden.

Die Neubürger unserer Zeit haben es nicht immer leicht, steht ihnen doch in der Regel eine ausgewogene Lebensgemeinschaft gegenüber, in welcher fast jeder Platz schon besetzt ist. Um erfolgreich zu sein, müssen sie drei wichtige Bedingungen erfüllen:
  1. Sie müssen ein breites genetisches Potential besitzen, anpassungsfähig sein und viele Umwelteinflüsse verkraften.
  2. Sie müssen eine möglichst hohe Nachkommenschaft haben.
  3. Sie oder ihre Entwicklungsstadien müssen sich leicht verbreiten können, zum Beispiel durch flugfähige Samen, schwimmende Larvenstadien, schwimm- oder flugfähige Dauerstadien, oder Haftorgane zum Festhalten an Tieren oder verschiedenen Transportmitteln besitzen.

Männliches Mufflon
© Dagner
Männliches Mufflon
Bei den Wirbeltieren sind unter den neuen Tierarten Wanderratte, Marderhund, Waschbär, Mufflon, Kanada- und Nilgans, Mandarinente, Halsbandsittich, Schmuckschildkröte, Ochsenfrosch, Regenbogenforelle, Graskarpfen und Sonnenbarsch zu nennen, sowie Bisamratte, Fasan und Damhirsch.

Nach der letzten Eiszeit beschränkte sich das Vorkommen des Damhirsches auf wenige Gebiete an der Südküste Kleinasiens. Heute ist er weltweit verbreitet. Bereits von den Römern ins Mittelmeergebiet gebracht, gelangte das Damwild im frühen Mittelalter ins nördliche Europa. In Deutschland wurde die Art vor allem im letzten Jahrhundert aus Gehegen vermehrt in die Wildbahn ausgesetzt, was in manchen Gegenden Probleme in der Land- und Forstwirtschaft mit sich bringt.

Jagdfasan
© Dagner
Jagdfasan
Das unsprüngliche Verbreitungsgebiet des Fasan erstreckte sich von Mittelasien bis China. Schon bei den Römern galt der Fasan als besonderer Leckerbissen. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert züchteten vor allem Adelige und Klöster den Hühnervogel als lukullische Besonderheit und zu Jagdzwecken. Aus Kreuzungen verschiedener Rassen entstand der heute bei uns vorkommende "Jagdfasan". In unserer Kulturlandschaft werden als Lebensräume hauptsächlich Ackerfluren mit Hecken, kleinere Gehölze und lichte Auwälder in den Niederungsgebieten bevölkert.

Die usprünglich aus Nordamerika stammende Bisamratte wurde wegen des wertvollen Felles in verschiedenen Ländern angesiedelt und ist heute weltweit verbreitet. Hohe Vermehrungsraten, die Wanderlust und fehlende Konkurrenten spielen dabei eine große Rolle. Bisamratten können großen wasserwirtschaftlichen Schaden anrichten, wenn sie Uferböschungen, Deiche und Dämme unterwühlen und somit Deichbrüche und Überschwemmungen verursachen.

Aus der Tiergruppe der "Wirbellosen" ist der gelb-schwarze Kartoffelkäfer ein gefräßiger Schädling. Ursprünglich lebte der Käfer in Colorado (USA) und ernährte sich von wild vorkommenden Nachtschattengewächsen. Mit der menschlichen Besiedlung und dem damit verbundenen Anbau der Kartoffeln ging er auf diese Futterpflanze über, die ihm bessere Entwicklungs- und Vermehrungsbedingungen bot. Aufgrund der sehr kurzen Generationsdauer und der hohen Nachkommenzahl besitzt der Käfer ein ungeheueres Vermehrungspotential, wobei es ein Käferpaar in einem Sommer theoretisch auf mehrere Millionen Nachkommen bringen kann. Durch den Schiffsverkehr und den Güteraustausch zwischen der neuen und der alten Welt wurde der Käfer 1876 erstmals in einem Güterschuppen in Bremen entdeckt. Der entscheidende Durchbruch gelang dem Schädling mit Beginn des Zweiten Weltkrieges und danach waren in Deutschland Totalverluste auf 20 % der angebauten Kartoffelflächen keine Seltenheit.

Zebraspinne mit erbeuteter Libelle.
© Dagner
Zebraspinne mit erbeuteter Libelle.
Die Wespen- oder Zebraspinne aus der Familie der Radnetzspinnen war ursprünglich in Südeuropa beheimatet. Seit etwa 1940 hat sie ihr Verbreitungsgebiet ständig erweitert und ist mittlerweile in Süd- und Mitteldeutschland bis zur Elbe heimisch. Als Lebensraum werden warme, sonnige Gebiete mit niedriger Vegetation bevorzugt.

Weitere wirbellose eingewanderte oder eingeschleppte Tiere sind San-Jose-Schildlaus, Reblaus, Traubenwickler, Pharaoameise, Gelbfüßige Bodentermite, Tigerflohkrebs, Süßwassergarnele, Amerikanischer Flusskrebs, Wollhandkrabbe, Wandermuschel, Feuerlibelle und einige mehr.

Die Veränderungen, die die neuen Pflanzen und Tiere in der heimischen Natur hervorrufen, werden von Naturschützern, Jägern, Fischern, Landwirten und Wissenschaftlern heiß diskutiert und die Ansichten sind oft recht unterschiedlich. Neue jagdbare Tierarten können in der Land- und Forstwirtschaft großen Schaden verursachen; neue Raubtiere wiederum schaden der heimischen Tierwelt. Und die Schäden, die eingeschleppte Insekten anrichten, sind unermesslich.

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Tierwelt
Ameisenjungfer
© Dagner, Gerd
- Teichmolch - Ameisenlöwe - Schönbär - Gartenkreuzspinne - Dachs
Tierwelt
Hornisse
© Dagner, Gerd
In Zeiten von Stürmen, Überschwemmungen und Naturkatastrophen ist immer wieder die Rede von hausgemachten Fehlern und von der Klima-Erwärmung. Naturbebachter registrieren das Abschmelzen von Gletscherzungen im Hochgebirge, im Garten gedeihen immer mehr wärmeliebende Pflanzen und Gemüsesorten. Auch in der Tierwelt kann man immer mehr wärmeliebende Arten entdecken.
Pflanzen
Tulpenmischung "Candy Friends" (Kiepenkerl)
© Bruno Nebelung GmbH
Mit farbenfrohen Frühjahrsblühern beginnt schon in wenigen Monaten das neue Gartenjahr. Blumenzwiebeln wie Narzissen, Tulpen oder Krokusse stehen dabei ganz oben auf der Hitliste der beliebtesten Frühjahrsblumen. Die Pflanzzeit für die tollen Farbenbringer beginnt jetzt. Lassen Sie sich im Gartenfachhandel von den vielen Neuheiten inspirieren, die es von kreativen Züchtern gibt.

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Schlagworte dieser Seite:

Bisamratte, Damhirsch, Fasan, Insekten, Kartoffelkäfer, Neo­zo­on, Wespenspinne, Wildtiere, Zebraspinne

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