November 2004 Auch kleine Wesen haben Bedürfnisse. So gönnen sich äußerst nützliche Insekten gerne mal eine Ruhepause und einige von ihnen, z.B. Falterwespen, Schwebfliegen, Wildbienen, Hummeln, Ohrenkneifer und Wegwespen, verbringen den Winter lieber in einer "festen Behausung".
Als Rückziehorte hierzu dienen borkige Baumrinden, alte Baumstümpfe, Holzstapel, sonstiges Totholz oder Mauerwerk. Nicht jeder Garten verfügt über ein solches Angebot. Jedoch auf eine recht einfache, preiswerte sowie schnelle Weise kann man den Tieren ein guter Gastgeber sein. Mit sogenannten Nisthilfen schafft man für viele kleine Gartenhelfer und Schädlingsfeinde ein "First-Class-Hotel", das dankbar angenommen wird. Nebenbei wird dadurch die lokale Artenvielfalt erhöht und das ökologische Gleichgewicht im eigenen Garten gefördert.
Viele Materialien - viele Tiere
Als Nisthilfen eignen sich diverse Materialien. Da die verschiedenen Tiere unterschiedliche Vorlieben haben, erhöht sich die Artenvielfalt, je mehr Materialien angeboten werden. Trockene Hartholzklötze (z.B. Erle, Eiche, Buche oder Esche), gelöcherte Mauersteine, Torfklötze, Stroh, Holunderruten, Rosenzweige, Bastmatten, Bambusstäbe oder auch leere Schneckenhäuser stehen bei Insekten als Refugium, Nistplatz und Winterquartier hoch im Kurs.
Verwendung der Materialien
In die trockenen, unbehandelten Holzklötze (auch mind. 20 cm dicke Holzscheiben) werden unterschiedlich tiefe und breite Löcher gebohrt. Dabei sollten die Durchmesser von 1 bis 10 mm variieren, jedoch verstärkt im Bereich 1 bis 7 mm angelegt sein. Es empfiehlt sich, die Löcher in cm etwa so tief zu bohren, wie ihr Durchmesser in mm ist (z.B.: ein Loch mit Ø 6 mm sollte 6 cm tief gebohrt werden). Der Abstand zwischen den einzelnen Bohrungen sollte ca. 20 mm betragen. Wichtig ist, den Klotz nicht durchzubohren, die "Rückwand" muss geschlossen bleiben. Die losen Materialien, wie Holunderruten, Brombeerzweige, Bambusstäbe, Schilfrohr usw. werden zu einer Rolle an zwei Stellen mit Draht o.ä. zusammengebunden. Wer möchte kann die Materialien auf einheitliche Länge schneiden. Bastmatten ebenfalls zusammenrollen und festbinden. Bei Holunder- oder Brombeerruten empfiehlt es sich, bei einigen Zweigen das Mark zu belassen. Einige Insektenarten finden Gefallen daran einen kleinen Beitrag am Quartierbau leisten zu dürfen und entfernen das Mark gern selbst. Gelöcherte Mauersteine sind zwar die langlebigsten Unterkünfte, verfügen allerdings nur über eine Lochgröße, in der größere Insekten quartieren können. Um auch in diesen Nisthilfe kleineren Insekten eine adäquate Bleibe zu bieten, können in einem Teil der Löcher beispielsweise Zweige oder Bambusstäbe unterschiedlichen Durchmessers gelegt werden. Wie auch bei den Holzklötzen muss eine Seite des Steinquartiers verschlossen sein. Man kann hierzu mit Mörtel o.ä. abschließen oder den Stein z.B. an einer Hauswand aufstellen. Generell sind beim Errichten und Aufstellen aller Nisthilfen viele Möglichkeiten denkbar, sie können einzeln oder auch nebeneinander aufgestellt oder aufgehängt werden. Wichtig ist aber in allen Fällen, dass grundsätzlich waagerecht, windgeschützt (SSW), regensicher und mit Sonneneinfall aufgebaut wird. Die Nähe von künstlichen Lichtquellen ist zu meiden, die Nisthilfen sollten nach dem Aufbau nicht mehr gestört werden. Im Folgejahr sollten verwitterte Nistmaterialien ausgetauscht werden.