Vögel im Winterwald
Die Winzlinge
Der kleinste Vogel in unseren Wäldern ist das nur fünf Gramm schwere Wintergoldhähnchen. Es ernährt sich auch in der kalten Jahreszeit von winzigen Blattflöhen, die es sogar rüttelnd von den Fichtenknospen lesen kann. Auch der nicht viel größere Zaunkönig sucht im Unterholz und an Bachufern nach verschiedensten Kleintieren. Dagegen suchen die Baumläufer (Kleiber) systematisch grobborkige Bäume wie Eiche, Kiefer oder Fichte nach unter der Borke verborgenen Kleinlebewesen ab, um so genügend Nahrung zu finden.
Grünspecht unter Tage
Eines der verblüffendsten Beispiele für eine sich von tierischer Kost ernährenden Vogelart ist jedoch der Grünspecht. Er lebt auch im Winter von Ameisen. Doch wie ist das möglich, sind doch im Winter die Ameisen tief im Boden bzw. im Inneren der Ameisenburg verborgen? Da bleibt dem Grünspecht nichts anderes übrig, als sich einen Stollen in das Innere einer Ameisenburg zu graben und dort in völliger Dunkelheit mit seiner Klebezunge die winterstarren Ameisen aufzulesen. Schwarz- und Buntspecht suchen dagegen im morschen Holz nach Insektenlarven. Ihr kräftiger Meißelschnabel ist dafür ein ideales Werkzeug. In der nahrungsarmen Spätwinterzeit kann der Buntspecht als einzige heimische Spechtart aber auch auf pflanzliche Kost - nämlich den Samen von Fichte und Kiefer - umstellen.
Den Nahrungsengpass im Winterwald überleben viele Individuen der einzelnen Vogelarten nicht. Es ist eine gnadenlose Auslese der besten, die uns Menschen betroffen macht. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass durch diesen Auslesevorgang die einzelnen Arten sich immer wieder die bestmögliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber ihren Konkurrenten sichern. Somit ist dies eine wichtige Voraussetzung für das langfristige Fortbestehen aus dem Blickwinkel der einzelnen Art.
Wimmer
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