Belebte Schadursachen
In dieser und in den nächsten Folgen werden alle lebenden, sog. parasitären Schadursachen besprochen. Man unterteilt sie in Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter. Auch hier, Sie werden es merken, sind die Parallelen zu der Humanmedizin nicht zu bestreiten. Krankheiten Krankheiten werden durch Mikroorganismen verursacht, die aktiv oder passiv in die Pflanze eindringen und dort eine Reaktion des Patienten auf diesen Angriff verursachen. Verfärbungen, Flecken, Formveränderungen, Ausscheidungen, Welkeerscheinungen und Absterben der einzelnen Organe sind die bekanntesten Krankheitssymptome. Je nach der Aggressivität des Krankheitserregers und des Erkrankungsumfangs können die Krankheiten bei unterlassener Hilfe zum Tode nicht nur der betroffenen Patienten-Pflanze führen. Krankheiten werden von drei verschiedenen Krankheitserregergruppen verursacht.
Virose Krankheiten Viren sind keine typischen lebenden Organismen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen und deshalb auf die lebenden „Wirte“ fest fixiert sind. Im Garten nimmt ihre Bedeutung ständig zu. Nach dem Eindringen dieser nur mit dem Elektronenmikroskop sichtbaren kleinen Körperchen in die Pflanze, vermehren sie sich auf Kosten des Wirtes. Mosa-ikartige Verfärbungen der Blätter (z.B. Apfelmosaik), Formveränderungen (z.B. Brennnesselblättrigkeit bei Johannisbeeren), Zellwucherungen (z.B. Pfeffingerkrankheit bei Kirschen) oder Fruchtfleischzersetzung (z.B. Scharkakrankheit bei Zwetschen) sind die möglichen Krankheitssymptome. Ernteverluste bis hin zum Absterben der Pflanzen sind die Folgen. Krankes Pflanzen- und Veredelungsmaterial sorgen für die Verbreitung der virosen Krankheiten auf größere Entfernung. Im Garten oder in den Gartenanlagen werden sie in erster Linie durch saugende Schädlinge wie Blattläuse, Zikaden und Nematoden übertragen. Auch die mechanische Übertragung durch die gegenseitige Berührung der Blätter oder der Wurzeln und die Übertragung mit den Werkzeugen spielen im Garten erfahrungsgemäß eine große Rolle. Es gibt zur Zeit keine praktikablen Heilungsmöglichkeiten für die viruskranken Pflanzen. Alle Bekämpfungsmaßnahmen erstrecken sich praktisch nur auf die Vorbeugung der Infektion. Bei Neupflanzungen und Veredelungen sollte unbedingt virusfreies Pflanzenmaterial verwendet werden.
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Die erkrankten Exemplare sollten am besten rigoros entfernt werden, bevor es zur weiteren Verschleppung der Viren kommt. Blattläuse und andere saugende Insekten sollten besonders in gefährdeten Gartenanlagen als potentielle Überträger der Krankheiten - und nicht nur aus diesen Gründen - regelmäßig bekämpft werden. Übrigens, auch die Humanmedizin tut sich mit virosen Erkrankungen schwer.
Bakterielle Krankheiten Bakterien sind einfache, etwa ein Tausendstel Millimeter kleine Lebewesen, die deshalb nur mit Hilfe eines guten Mikroskopes sichtbar sind. Sie haben meistens eine kugelige oder stäbchenförmige Gestalt. Im Gegensatz zu Viren leben und vermehren sie sich selbstständig durch Teilung. Manche von ihnen bewegen sich sogar selbstständig. Sie dringen meistens durch die Wunden (Frostschäden, Insektenanstiche oder Fraßverletzungen, Blattnarben und andere), aber auch durch natürliche Spaltöffnungen oder Blütenorgane in die Pflanze ein. Eine hohe Feuchtigkeit und allgemeine Schwä-chung der Pflanzen begünstigen wesentlich die Infektionen.
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Die Übertragung geschieht durch Insekten, verseuchte Böden, aber auch durch Pflegemaßnahmen, z.B. auf den Schnittwerkzeugen. Die typischen äußeren Symptome einer bakteriellen Erkrankung sind Welke- und Absterbeerscheinungen (Feuerbrand), Krebswucherungen an Stamm, Trieben und Wurzeln (Bakterienkrebs), Fäulnis oder Blattflecken (Fettfleckenkrankheit bei Bohnen), die bei feuchten Wetterverhältnissen eine schleimige Flüssigkeit ausscheiden.
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Es gibt z.Z. (wie auch bei den virosen Krankheiten) keine praktikablen Bekämpfungs- bzw. Heilungsmöglichkeiten. Auch die typischen Bakterienbekämpfungsmittel (Antibiotika) stehen bis heute für den Hobbygärtner nicht zur Verfügung. Alle Maßnahmen haben nur einen, die Weiterverbreitung vorbeugenden Charakter. Die Erhöhung der allgemeinen Kondition der Pflanzen durch den optimalen, nicht zu feuchten Standort, eine ausgewogene Ernährung, den rechtzeitigen und sachgerechten Schnitt und der Schutz vor anderen Krankheiten und Schädlingen reduzieren die Infektionsgefahr durch bakterielle Krankheiten. Der an Birnen und anderen Bäumen und Sträuchern vorkommende Feuerbrand gehört sogar unter Quarantänebestimmungen. Die Rodung der erkrankten Bäume kann dadurch amtlich angeordnet werden. In der nächsten Folge widmen wir uns den pilzlichen Krankheiten.
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